Naturgefahren: Immer mehr Plätze zu – Wildcampen wird zunehmen

Luna Gerber
Luna Gerber

Sion,

Wegen Naturgefahren schliessen 13 Campingplätze im Wallis. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg: Nun kommen viele auf den Geschmack des Wildcampens.

wildcamper
Campen ohne Campingplatz? Das dürfte bald öfters vorkommen, vermuten Experten. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Wallis schliessen 13 Campingplätze wegen Naturgefahren wie Hochwasser.
  • Dafür erfreut sich das Wildcampen grösserer Beliebtheit – was Experten zu denken gibt.
  • Freicamper sind zum einen Risiken ausgesetzt, zum anderen verursachen sie selbst Probleme.

13 Walliser Campingplätze müssen auf behördliche Anordnung in dieser Saison ihren Betrieb einstellen. Sieben davon befinden sich im Oberwallis.

Betroffen sind unter anderem Plätze im Goms oder in Saas-Grund. Dabei erfreuten sie sich stets grosser Beliebtheit.

Hast du bereits im Wallis campiert?

Die Schliessungen sind auch gar nicht auf fehlende Besuchende zurückzuführen. Es sind potenzielle Naturgefahren, die dem Kanton zu denken geben. Die Anlagen seien etwa durch Hochwasser oder Lawinen gefährdet.

Doch weniger Campingplätze führen auch zu weniger legalen Übernachtungsoptionen. Das bringt Naturbegeisterte auf neue Ideen.

«Einige Reisende werden auf Wildcampen ausweichen»

Marcel Zysset ist Präsident des Schweizer Camping-Dachverbands Swisscamps und betreibt den Familien-Campingplatz Aaregg in Brienz BE.

Gegenüber Nau.ch stellt er klar: «Ich bin überzeugt, dass in den betroffenen Regionen das wilde Campieren zunehmen wird.»

Auch Vanessa Flack, Mediensprecherin des Touring Clubs Schweiz (TCS), hält es für «möglich, dass einige Reisende auf Wildcampen ausweichen werden».

Naturgefahren ausgesetzt ist man beim wilden Campieren jedoch umso mehr. Zysset warnt, es sei «immer mit Risiken verbunden, da sich der Standort nie in der entsprechend sicheren Zone befindet».

So gab es zum Beispiel «im Berner Oberland einen tödlichen Unfall durch einen umstürzenden Baum», wie der Swisscamps-Präsident weiss.

«Keine Seltenheit» seien zudem Diebstahl und Überfälle auf Wildcamper, wie Zysset erklärt.

Es kommt zu «Müll- und Fäkaleinflüssen»

Zu Problemen führt jedoch auch fehlerhaftes Verhalten der abenteuerlustigen Freicamper.

Nebst der Tatsache, dass sie eine «Störung von Wildzonen» verursachen können, kommt es – so Zysset – oft zu Umweltbelastungen. Dazu gehören gemäss seinen Erfahrungen vor allem «Müll- und Fäkaleinflüsse».

Warst du schon einmal wildcampen?

Wildcampen sei aber – so Flack vom TCS – nicht jedermanns Sache: «Viele schätzen eine gute Infrastruktur, vor allem sanitäre Anlagen, auf die sie nicht verzichten möchten.»

Dennoch: Nicht jeder will wildcampen

Wer also nicht für den möglichst naturnahen Übernachtungs-Stil zu begeistern ist, sucht sich einen neuen Lieblings-Campingplatz: «Eine Verlagerung von touristischen Übernachtungen in andere Regionen ist als Folge auch möglich», so Flack.

Allen, die dennoch lieber auf Freicampen setzen, legt Flack ans Herz: Man solle bei der betreffenden Gemeinde oder Ortspolizei abklären, wo es überhaupt erlaubt ist.

«Sonst könnte es zu einer Busse führen.»

Erholung für Wanderer kaum noch möglich

Oder dazu, dass man unwissentlich sein Lager auf dem privaten Grundstück eines Landwirtschaftsbetriebes aufschlägt.

Von Problemen mit Wildcampern kann die Oberwalliser Bauernvereinigung wohl ein Lied singen. Ihre Mediensprecherin Katharina Kuonen schildert gegenüber Nau.ch, dass sich die unschönen Erfahrungen vor allem auf dem beliebten Simplonpass zutragen.

Vor allem bei den Tages-Wanderern stossen die Draussen-Schläfer wohl auf wenig Beliebtheit: «Im Hochsommer kann das Gebiet von Wanderern kaum mehr zur Erholung genutzt werden. Da die menschlichen Hinterlassenschaften prägendes Merkmal der Landschaft sind», berichtet Kuonen.

Sie ist überzeugt: «Jeder Landwirt, der das einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wird seine Flächen garantiert nicht zur Verfügung stellen.»

Auch die Bauern bieten Camping-Optionen

Vom Gegenteil überzeugen dürfte sie Daniel Blättler, Mediensprecher des Schweizer Bauernverbandes (SBV). Er verweist gegenüber Nau.ch darauf, dass Schweizer Bäuerinnen und Bauern legale Übernachtungsmöglichkeiten für Camper anbieten.

Aktuell sind es insgesamt 40 Betriebe in der ganzen Schweiz. Diese stellen allen Camping-Freudigen nebst der Fläche auch etwa Toiletten, Grillplatz, ja sogar Waschmaschinen zur Verfügung.

So schreibt etwas der «Bauernhof Camping Wyler» in Innertkirchen BE: «Wenn wir zu Hause sind, bedienen wir Sie gerne an unserer Haustüre. Zudem steht ein Kühlschrank zur Selbstbedienung bereit.»

Oder der saisonal geöffnete «Chliarni-Hof» in Küssnacht am Rigi SZ. Dieser schreibt auf seiner Website von einer «etwas anderen Übernachtungsmöglichkeit».

Man könne «umgeben von Holz und Hecke an der grossen Eiche neue Kraft tanken». Fast schon wie beim Wildcampen.

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Kommentare

User #6152 (nicht angemeldet)

Was ist der Unterschied zwischen Wildcamper, Freicamper, Nacktcamper, Naturcamper, Sozcamper.

User #4545 (nicht angemeldet)

Ein Wildcamper, der seinen Müll wieder mitnimmt, ist kein Problem. Aber wenn jeder Städter Wildcampen will, dann macht die Sache sicher keinen Spass mehr.

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