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Zürcher Nationalrätinnen kämpfen mit Whatsapp-Stress

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Nationalrätinnen kritisieren nach Mattea Meyers Auszeit die ständige Erreichbarkeit. WhatsApp stresst sie besonders.

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SP-Co-Chefin Mattea Meyer kam auch wegen der ständigen Erreichbarkeit über ihre Grenzen. - Screenshot / youtube

Das Wichtigste in Kürze

  • SP-Co-Chefin Mattea Meyer musste wegen Erschöpfung pausieren.
  • Die Kultur der ständigen Erreichbarkeit störe sie, sagt GLP-Nationalrätin Corina Gredig.
  • SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel will künftig «nicht immer sofort auf alles reagieren».

Nach einer Auszeit von rund einem halben Jahr ist Mattea Meyer wieder im Einsatz. «Meine Energie und meine Freude am politischen Engagement sind zurück», vermeldet die Zürcher Nationalrätin am Montag. Die SP-Co-Präsidentin hat sich zuvor in eine Erschöpfung geritten.

Anstatt einen Gang zurückzuschalten, machte sie im gleichen Tempo weiter. «Ich bin über meine Grenzen gegangen, weit darüber hinaus.» Dies sagt Meyer im Podcast «Meyer:Wermuth».

Über ihre Grenzen kam die Nationalrätin auch wegen der ständigen Erreichbarkeit. «Du musst ständig erreichbar sein, überall informiert sein», sagt sie. «Das hat mit einer extrem leistungsgetriebenen Gesellschaft zu tun.»

Whatsapp nur für Wichtiges gefordert

Damit spricht sie anderen Nationalrätinnen aus dem Herzen.

«Was mich stört, ist diese Kultur der ständigen Erreichbarkeit», sagt Corina Gredig zu Nau.ch. Die dreifache Mutter ist GLP-Nationalrätin, Fraktionspräsidentin und Generalsekretärin eines Verbands.

Heute habe praktisch jede Gruppe noch einen Chat und jede Organisation einen Kanal, stellt Gredig fest. «Und alle paar Minuten soll man wieder aufs Handy schauen und sich sofort in das nächste Thema hineindenken.»

Stressen dich Whatsapp und Co.?

Sie habe dafür noch keinen perfekten Umgang gefunden, sagt die 38-jährige Zürcherin. Für sie sei klar: WhatsApp sollte nur für wirklich Dringendes und Wichtiges da sein. «Sonst verlieren wir alle ständig Konzentration und arbeiten nur noch reaktiv.»

Gewisse Gruppen habe sie stummgeschaltet

Corina Gredig glaubt, dass wir uns davon lösen müssten, Verfügbarkeit mit Verlässlichkeit zu verwechseln. «Man ist nicht dann verantwortungsvoll, wenn man jederzeit sofort antwortet, sondern wenn man Dinge seriös bearbeitet.»

Auch SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel (45) sieht die Flut an digitalen Nachrichten als Stressfaktor. Priorisieren sei sicherlich wichtig, sagt die Unternehmensjuristin und Mutter von zwei Kindern.

«Wir erhalten sehr viele E-Mails. Seit ich im Nationalrat bin, hat dies stark zugenommen», sagt sie. Da könne man nicht immer alles sofort beantworten.

«Ausserdem versuche ich nicht in allzu vielen Whatsapp-Gruppen zu sein, da diese sehr ablenken können», sagt Fehr Düsel. Gewisse Gruppen habe sie auch stummgeschaltet.

Im Gegensatz zu früher sei man generell auf sehr vielen Kanälen rund um die Uhr erreichbar, sagt die Zürcherin. Sie versuche, hier ein Vorbild für die Kinder zu sein. «Oft habe ich das Handy auch lautlos, aber natürlich verpasst man dann vielleicht auch mal eine Medienanfrage.» Damit könne sie leben.

«Handy mal im Hotel lassen»

Nina Fehr Düsel fühlt mit Mattea Meyer mit. «Ich hatte auch schon Phasen mit grossem Stress, aber zum Glück immer nur vorübergehend», sagt sie. Die Kinder helfen ihr gut dabei, abzuschalten. «Wenn ich in Bern bin, übernimmt mein Mann vieles.»

Sie hat den Eindruck, dass es in den Ferien einfacher fällt, vom Beruf abzuschalten als von der Politik. Grund dafür seien auch Medienanfragen, sagt sie augenzwinkernd. «Auch da empfiehlt es sich, das Handy mal im Hotel zu lassen.»

Kurze, ruhige Auszeiten im Alltag hält Fehr Düsel für wichtig, um einer Erschöpfung vorzubeugen. «Dank der Familie fällt mir das relativ einfach, da ich das Handy dann meist weglege.» Auch Sport und in der Natur zu sein helfen, um gut abschalten zu können.

«Übermüdung ernst nehmen»

Aus Mattea Meyers Fall zieht die Nationalrätin einige Lehren. «Genug auf sich selbst achten, gewisse Auszeiten einlegen, mal bewusst ohne Handy oder Laptop sein und frühzeitig bei Stress reagieren», sagt sie. Halte der Stress zu lange an, versuche sie, eine Aufgabe zu delegieren oder abzugeben.

Auch hat sie sich vorgenommen, nicht immer sofort auf alles zu reagieren. Stattdessen will sie möglichst effizient arbeiten. «Und zu gewissen Stunden Mails und SMS beantworten.»

«Natürlich habe ich auch kein Patentrezept», sagt die Nationalrätin. Und rät: «Aber Warnzeichen wie häufige Übermüdung sollte man ernst nehmen.»

Kommentare

User #3818 (nicht angemeldet)

das Problem ist, wenn man Mails und Whatsapp nicht sofort beantwortet, erntet man Kritik. Ich gönne mir zweimal Jährlich eine Woche Ferien und beantworte dabei bewusst keine Anfragen. Inzwischen ist es so schlimm geworden, dass Mails auch liegen bleiben, respektive unbeachtet bleiben, weil täglich an die 50 rein kommen und ich gar nicht mehr die Chance habe alle zu sehen. Man wird dafür kritisiert, ja, aber am Ende geht es auch um die eigene Gesundheit. Ich bin politisch aktiv (habe diverse Ämter), zweifache Mutter, habe ein Haus, das ich selbst pflege (keine Putzfrau) und 2 Jobs (alles in allem 90% Pensum). Es wird einfach manchmal zu viel, und so musste ich lernen mir Auszeiten zu nehmen und bewusst in die Natur zu gehen, alles liegen zu lassen. Würde ich dies nicht tun, wäre das Burnout auch vorprogrammiert. Die Leute sollten mehr Rücksicht nehmen. Sie sind nicht die Einzigen, die was von einem wollen. ;-)

User #1520 (nicht angemeldet)

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