SP: Mattea Meyer spricht über ihre Erschöpfungs-Auszeit
Im Podcast «Meyer:Wermuth» spricht SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer ausführlich über ihre Erschöpfungs-Pause – und die Nacht, in der sie die Notbremse zog.

Das Wichtigste in Kürze
- Mattea Meyer spricht im SP-Podcast ausführlich über ihre fünfmonatige Auszeit.
- Ein stabiles Umfeld, finanzielle Sicherheit und professionelle Hilfe waren ihr Weg zurück.
- Die Politikerin kritisiert die 24/7-Leistungsgesellschaft und den Druck auf junge Mütter.
Ende November 2025 zog SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer (38) die Notbremse. Von einer «grossen Erschöpfung» war damals in ihrer Mitteilung die Rede. Jetzt, rund fünf Monate später, meldet sie sich zurück. Im SP-Podcast «Meyer:Wermuth» spricht sie offen über das, was hinter ihr liegt.
«Ich war mit meiner Energie völlig am Boden», sagt Meyer im Gespräch mit Cédric Wermuth und Samira Marti. Schon Wochen vor ihrem Entscheid habe sie gemerkt, dass etwas nicht mehr stimmte: Sie konnte nicht mehr schlafen, ihr war ständig schlecht, sie konnte sich kaum mehr konzentrieren.
Sitzungen zu verfolgen, oder E-Mails zu beantworten, sei ihr «unglaublich schwer gefallen». Kleine Dinge, wie etwa die Kinder am Morgen «parat machen», dafür habe sie fast nicht mehr die Energie gehabt.
«Ich bin über meine Grenzen gegangen – weit darüber hinaus.»
Meyer erinnert sich an einen Moment, an dem ihr plötzlich alles zu viel wurde. Nach einer Fraktionssitzung am Freitagabend und einer weiteren am Samstagmorgen hatte Meyer am Samstagnachmittag noch eine Veranstaltung angesetzt.
Dazwischen gab es eine Pause, wo sie sich zuhause auf das Sofa gelegen hatte. «Ich bin wirklich fast nicht mehr von diesem Sofa hochgekommen. Ich habe mega geweint.»
Sie sei zwar dann noch an die Veranstaltung gegangen, habe aber einige Tage später gemerkt: «Es geht einfach nicht mehr – ich bin über meine Grenzen gegangen, weit darüber hinaus.»

Der ganz entscheidende Moment sei schliesslich eine Nacht gewesen, in der sie überhaupt nicht mehr habe schlafen können. «Dann habe ich es endlich geschafft, so mit mir selber zu reden, wie ihr mit mir gesprochen habt – fürsorglich.»
Ihr Entschluss: Sofort eine Pause, nicht erst über Weihnachten. Diesen Schritt öffentlich zu machen, sei ihr «mega schwer gefallen». Heute sei sie dankbar, dass sie ihn gegangen ist.
Stabiles Umfeld, finanzielle Sicherheit und professionelle Hilfe
Mattea Meyer erwähnt in dem Podcast drei Faktoren, die für ihre Genesung entscheidend waren: Ein stabiles Umfeld, finanzielle Sicherheit und professionelle therapeutische Unterstützung.
«Ich habe das grosse Glück, dass ich mir keine finanziellen Sorgen machen musste. Ich war krankgeschrieben, aber ich hatte eine Krankentaggeldversicherung, die gezahlt hat.»

Und: Sie habe sehr schnell einen Psychotherapeuten gefunden – «etwas, das absolut keine Selbstverständlichkeit ist». Viele müssten monatelang auf einen ersten Termin warten.
Genau hier sieht Meyer politischen Handlungsbedarf. Sie verweist auf eine Umfrage des Gewerkschaftsbundes, wonach 40 Prozent der Lohnabhängigen schon allein vom Beruf oft erschöpft seien. «Und dann kommen alle familiären Belastungen noch dazu.»
Mattea Meyer kritisiert die 24/7-Gesellschaft
Mattea Meyer kritisiert im Podcast weiter die permanente Erreichbarkeit. «Du musst ständig erreichbar sein, überall informiert sein – das hat mit einer extrem leistungsgetriebenen Gesellschaft zu tun.»
Besonders hart sei es für junge Mütter. «Ich werde als Frau im Job anders bewertet. Ich weiss nicht, wie oft ich die Frage beantworten muss: Was machen denn jetzt die Kinder?» Laut Meyer ein struktureller Fehler: «Das ist ein Problem namens Patriarchat.»

Auch die globale politische Lage zehrt. Trump, die Krisenhaftigkeit, die Brutalität der Zeit – das mache viele Menschen ohnmächtig. «Auch ich habe das in meinem Job bis zu einem gewissen Grad gespürt.»
Was die SP-Co-Präsidentin mitnimmt
Auf die Frage, was sie aus den fünf Monaten für sich mitnimmt, antwortet Mattea Meyer: Jeder sei ersetzbar – und das sei auch gut so. Sie wolle bewusster sein in dem, was sie tut. Bewusst Pausen setzen. Nicht mehr 15 Stunden am Stück durchziehen.
Und was über allem stehe: «Liebevoller mit mir selber umgehen.»

Schliesslich warnt die 38-Jährige auch davor, das Problem zu individualisieren: «Man darf nicht den Fehler machen zu sagen, das sei eine individuelle Verantwortung. Die Gründe sind strukturell.»
Ihr Appell zum Schluss: Solidarität leben und Verletzlichkeit zeigen. «In einer gnadenlos brutalen Welt ist das ein politischer Beitrag.»












