Nachfrage nach K.-o.-Tropfentests steigt
Fälle wie die des Aargauer Ex-SVP-Politikers oder von Gisèle Pelicot erschüttern. Nun steigt die Nachfrage nach Tests für K.-o.-Tropfen.

Das Wichtigste in Kürze
- Hohe Dunkelziffer: Opfer von K.-o.-Tropfen-Missbrauch schämen sich.
- Präventivtests verkaufen sich unterschiedlich gut – höherer Absatz wegen Fällen wie Pelicot sei gut möglich, sagt ein Hersteller.
- «Aufklärung ist das wichtigste Mittel im Kampf gegen K.-o.-Tropfen-Missbrauch», sagt CEO.
Der Fall des ehemaligen Aargauer Grossrats sorgt noch immer für Schlagzeilen. Er soll seine Ex-Frau, seine spätere Partnerin und deren minderjährige Tochter missbraucht haben. Dazu soll er ihnen K.o.-Tropfen verabreicht haben.
Der ehemalige Politiker sitzt seit knapp drei Jahren in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem mehrfachen versuchten Mord und Vergewaltigung vor.
Der Fall wirft erneut die Frage auf, wie verbreitet K.-o.-Tropfen in der Schweiz tatsächlich sind. In Clubs wird schon länger davor gewarnt. Ist nun auch das private Umfeld gefährlich?

Fälle wie der von Gisèle Pelicot (73) aus Frankreich lassen dies vermuten. Ihr Ex-Mann wurde im Dezember 2024 wegen schwerer Vergewaltigung zur Höchststrafe von 20 Jahren Haft verurteilt.
Er setzte K.-o.-Tropfen ein, um sie zu betäuben. Und liess sie dann von 51 Männern vergewaltigen. Der Fall sorgte weltweit für Entsetzen.
Wie viele Fälle von K.-o.-Tropfen es in der Schweiz gibt, ist unklar. Denn eine separate Statistik dazu gibt es nicht.
Betroffene schämen sich
Doch die Dunkelziffer soll sehr hoch sein: Kriminologe Dirk Baier sagte kürzlich bei Nau.ch, dass nur zwölf Prozent aller Vergewaltigungen in der Schweiz zur Anzeige gebracht werden. Darum schätzt er, dass es zehnmal mehr Delikte mit K.-o.-Tropfen gibt als angezeigt werden.
Viele Betroffene melden Vorfälle nicht – aus Scham, Unsicherheit oder weil sie sich nicht sicher sind, was ihnen passiert ist.
Und: «Ein toxikologischer Nachweis gelingt wegen der kurzen Nachweiszeiten häufig nicht», sagt die Opferhilfe Bern. Im Urin sind sie bis zwölf Stunden nachweisbar, im Blut sogar nur sechs Stunden.
Jetzt gibt es Selbsttests
Auf Social Media machen wohl auch wegen den neusten Fällen K.-o.-Tropfen-Tests die Runde.
Die Tests, die vor allem für Bars und Clubs vorgesehen sind, sind ganz einfach: Einen Tropfen seines Drinks auf ein Testkärtli geben, sieben Sekunden warten. Verfärbt sich das Kärtli blau, hat man die Droge im Drink.

In der Schweiz gibt es ein ähnliches Produkt namens «Check your drink» (CYD). Der Online-Drogeriemarkt «Vitaserv» verkauft die Schnelltests.
Auch hier gilt: Einen Tropfen des Getränks auf den Streifen geben. Verfärbt er sich, soll man den Drink nicht mehr trinken.
Doch: Der Ansturm auf den Test bleibt aus. «Die Nachfrage ist deutlich unter den Erwartungen, obwohl die Handhabung einfach und zuverlässig ist», heisst es auf Anfrage.
Besonders erstaunt zeigt sich der Drogeriemarkt, dass Grossveranstaltungen kein Interesse daran haben. Etwa der Eurovision Song Contest habe Interesse gezeigt, dann aber abgelehnt. Die Kundschaft sei also «hauptsächlich» privat.
Mehr Absatz – wegen Pelicot?
Ganz anders sieht es bei «Twinvay», einem deutschen Start-up, aus. Die Tests sind auch in der Schweiz zu kaufen. CEO Sven Häuser-Eisenmann bestätigt gegenüber Nau.ch eine steigende Nachfrage nach K.-o.-Tropfen-Tests. Die Firma vertreibt das «Xantus K.O.-Tropfen GHB Schutz»-Armband.

Dass Fälle wie jener von Pelicot zu mehr Absatz führen, hält er für eine nachvollziehbare Möglichkeit. Einen unmittelbaren Zusammenhang könne er jedoch nicht belegen.
Doch: Fälle wie auch der des Ex-Grossrats würden dazu führen, dass sich «Menschen mit ihrer eigenen Sicherheit auseinandersetzen und gezielt nach Präventionsmöglichkeiten suchen».

Das Armband verkaufe sich immer dann besser, «wenn das Thema K.-o.-Tropfen in den Medien präsent ist».

Das Armband werde derzeit vor allem an Privatpersonen verkauft. Die Rückmeldungen von Behörden seien bislang jedoch «zurückhaltend». «Gerade im Zusammenhang mit dem Fall Pelicot sind wir auf verschiedene Behörden und Institutionen zugegangen.»
Abschliessend betont der CEO, dass Aufklärung der wichtigste Baustein im Kampf gegen K.-o.-Tropfen sei.








