Sparprogramm der SRG: Bei SRF werden 38 Vollzeitstellen gestrichen
Die SRG streicht einen Fünftel ihrer obersten Kaderstellen und muss bis 2029 rund 270 Millionen Franken sparen. SRF streicht dabei 38 Vollzeitstellen.

Das Wichtigste in Kürze
- Über 20 Prozent der Chefposten bei der SRG fallen in Zukunft weg.
- Bis 2029 muss das Unternehmen rund 270 Millionen Franken einsparen.
- Auch das Programm ist betroffen: Die SRG kürzt bestehende Formate, streicht aber keine ganzen Sendungen.
- Bei SRF alleine werden 38 Vollzeitstellen gestrichen.
Die SRG stellt sich grundlegend neu auf. Mit dem Transformationsprojekt «Enavant» will die SRG digitaler, effizienter und flexibler werden. Bis 2029 muss das Unternehmen insgesamt rund 270 Millionen Franken einsparen. Das berichtet die SRG in einer Medienmitteilung.
Der Grund für den Sparkurs liegt unter anderem in der Reduktion der Medienabgabe, die der Bundesrat beschlossen hat. Als erstes Etappenziel sollen bis 2027 bereits 80 Millionen Franken eingespart werden.

Die SRG hat dabei einen klaren Grundsatz festgelegt: Das Programm soll so weit wie möglich geschützt werden. Rund 95 Prozent der Einsparungen für 2027 werden laut SRG in Strukturen, Prozessen und Herstellungsweisen erzielt.
SRF streicht 38 Vollzeitstellen
Alleine bei SRF sind Einsparungen von 9,7 Millionen Franken vorgesehen. Davon fallen 7,9 Millionen Franken direkt bei SRF an, weitere 1,8 Millionen bei Produktionsleistungen für SRF, heisst es am Montagnachmittag. Aus diesem Grund baut SRF bis 2027 insgesamt 38 Vollzeitstellen ab.
SRF-Direktor Roger Elsener bedauert den Schritt: «Dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen, fällt uns schwer.»

Es sei aber aufgrund der Sparvorgaben leider unumgänglich. «Bei SRF besetzen wir freie Stellen seit längerem nur noch restriktiv. Dadurch sind weniger Kündigungen nötig als bei früheren Sparpaketen. Darüber sind wir als Leitungsteam froh», so der SRF-Direktor.
So verändert sich das SRF-Programm
Bei SRF sind sämtliche Angebotseinheiten – Information, Kultur, Gesellschaft und Wissen sowie Unterhaltung und die regionale Distribution – betroffen. Die Anpassungen betreffen sowohl das TV- als auch das Radio-Angebot.
SRF richtet sich neu stärker auf Streaming aus, was direkte Folgen für das Programm hat. Am Mittwochabend auf SRF 1 fällt ein bekannter Sendeplatz weg. Die Sendung «Reporter» wird dort nicht mehr zu sehen sein. SRF plant, die Marke «Reporter» multimedial weiterzuentwickeln.
Den frei gewordenen Sendeplatz übernimmt ab 2027 der «Kulturplatz». Am späten Mittwochabend folgt ab 22.25 Uhr ein neues Programmangebot. Zu sehen sein werden Reportagen wie «rec.» und «SRF Impact».
Auch am Donnerstag ändert sich etwas, nämlich wird der «DOK»-Sendeplatz um 20.10 Uhr erweitert. Neu kommen weitere Formate hinzu. Gezeigt werden künftig auch alle Folgen von «Mona mittendrin» und «Donat auf Achse». Ausserdem sind «DOK»-Filme der Schweizer Sender RSI und RTS zu sehen.
Die SRG verändert ihre Führungsstruktur grundlegend
Während SRF den konkreten Stellenabbau bekanntgibt, erklärt die SRG, welche Stellen beim Abbau im Fokus stehen: «Auf den obersten Führungsebenen bauen wir über 20 Prozent der Führungspositionen ab», sagte SRG-Generaldirektorin Susanne Wille. Gleichzeitig schütze die SRG das Programm, wo immer es geht.
Die neuen Führungspositionen sind mittlerweile fast vollständig besetzt. Der Frauenanteil auf diesen Ebenen liegt bei über 40 Prozent. Das entspricht in etwa dem Geschlechterverhältnis im Gesamtunternehmen.
Die definitiven Zahlen zur neuen Führungsorganisation werden nach Abschluss des Stellenbesetzungsprozesses veröffentlicht.

Wille hält fest: «Diese Veränderungen sind anspruchsvoll für das Unternehmen und insbesondere für die betroffenen Mitarbeitenden. Sie sind aber notwendig, um die SRG digitaler, effizienter und beweglicher zu machen. Und auch künftig einen starken Service public für die Schweiz zu leisten.»
So verändert sich das Programm
Trotz des Fokus auf strukturelle Einsparungen wird auch das Programmangebot nicht unberührt bleiben. Die SRG will aber keine ganzen Sendungen streichen, sondern Einsparungen innerhalb bestehender Formate vornehmen.
Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen den vier Sprachregionen ausgebaut werden.
Im technischen und betrieblichen Bereich stehen auch Einsparungen an. Die internen Supportbereiche wie Finanzen, HR und Kommunikation sollen überproportional zum Sparziel beitragen.
SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina betont dabei die regionale Verankerung: «Die notwendigen Einsparungen verlangen von der gesamten SRG grosse Veränderungen. Entscheidend ist, dass wir diese jetzt verantwortungsvoll umsetzen.»
Dazu stärke das Unternehmen die Zusammenarbeit über die Sprachregionen hinweg. Gleichzeitig bleibe die regionale Verankerung für die SRG zentral. «Wir bleiben auch in Zukunft in allen Sprachregionen mit unseren Studios nahe bei unserem Publikum», so Cina.
Stellenabbau trifft auch das Personal
Die Sparmassnahmen werden auch Auswirkungen auf die Mitarbeitenden haben. Ein Teil des Stellenabbaus soll durch natürliche Fluktuation und Pensionierungen aufgefangen werden.
Am 15. September wird die weitere Vorgehensweise von RTS für die Westschweiz kommuniziert. RSI informiert am 16. September für die italienischsprachige Schweiz.
Den Abschluss macht RTR am 17. September für die rätoromanische Schweiz.












