Missbrauchte Zuger Firma SMS-Versand für Überwachung?
Ein Mit-Gründer der Zuger Firma Mitto AG steht im Verdacht, über die Infrastruktur des Konzerns, die Überwachung von Mobilfunk-NutzerInnen ermöglich zu haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Schwere Vorwürfe an den Mit-Gründer der Zuger Tech-Firma Mitto AG.
- Ilja Gorelik soll den SMS-Versand der Firma für weltweite Überwachung missbraucht haben.
- Zu den Kunden der Mitto AG gehören unter anderem Facebook, Google und auch Microsoft.
- Das Unternehmen arbeitet mit Telekommunikationsunternehmen in über 100 Ländern zusammen.
Die Mitto AG verschickt SMS für fast alle grossen Tech-Unternehmen. Zu den Kunden der Zuger Firma gehören unter anderem Facebook, Google, Microsoft, Twitter, Alibaba, Telegram und Tiktok.
Seit dem Start im Jahr 2013 hat sich die Zuger Firma als Anbieter von automatisierten Textnachrichten, beispielsweise für Verkaufsaktionen, Sicherheitscodes oder Terminerinnerungen etabliert.
Für den Versand der SMS arbeitet die Mitto AG mit Telekommunikationsunternehmen in über 100 Ländern zusammen. Dazu zählen unter anderem die Deutsche Telekom oder auch Vodafone. In der Schweiz arbeitet die Zuger Firma mit allen Mobilfunk-Betreibern zusammen, also auch mit Salt, Sunrise (UPC) und Swisscom.
Schwere Vorwürfe gegen Mit-Gründer
Nun werden gegen Mit-Gründer und Verwaltungsrat Ilja Gorelik schwere Vorwürfe laut. Das «Bureau of Investigative Journalism», ein britischer Verein für investigativen Journalismus, hat nämlich mit ehemaligen Mitarbeiter und Kunden gesprochen und berichtet, dass Gorelik, auch noch einen weiteren Service zur Verfügung gestellt haben soll.
Er verkaufte demnach den Zugriff auf die Infrastruktur des Unternehmens an private Überwachungsunternehmen, die wiederum staatliche Sicherheitsbehörden als Kunden hatten. So soll es Regierungen ermöglicht worden sein, Personen mithilfe ihrer Mobiltelefone heimlich zu überwachen und zu verfolgen.
Die Existenz dieses «Zusatzdienstes» war laut ehemaligen Mitarbeiter nur sehr wenigen Personen im Unternehmen bekannt. Kunden und Mobilfunknetze seien nicht über den Missbrauch informiert gewesen.
Mitto AG bestreitet Vorwürfe
Die Zuger Firma bestreitet die Vorwürfe auf Anfrage von «Bureau of Investigative Journalism». Mitto sei nicht an einem Überwachungsgeschäft beteiligt, hiess es. Es wurde eine interne Untersuchung eingeleitet, «um festzustellen, ob unsere Technologie und unser Geschäft kompromittiert wurden». Bei Bedarf würden «Korrekturmassnahmen» ergriffen werden.
Über die Vorwürfe an Ilja Gorelik zeigte sich das Unternehmen «schockiert». «Um es klar zu sagen, Mitto hat und wird kein separates Geschäft, keine Abteilung oder Einheit organisieren und betreiben, die Überwachungsunternehmen Zugang zur Telekommunikationsinfrastruktur bietet, um heimlich Personen über ihre Mobiltelefone oder andere illegale Handlungen zu lokalisieren.»
Mit-Gründer Gorelik reagierte laut dem Bericht nicht auf Anfragen nach einem Kommentar. Ein Mitto-Vertreter habe es abgelehnt, sich zu dessen derzeitiger Rolle im Unternehmen zu äussern, so die Journalisten.
Auch die meisten betroffenen Unternehmen wollten keinen Kommentar abgeben.








