Migros: Podcaster genervt von Playmobil-Sammelgier der Eltern

Die Playmobil-Aktion der Migros ist begehrt – sorgt aber auch für Kritik. Ein Podcaster ärgert sich vor allem über die Sammlerinnen und Sammler.

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Bei der Migros werden derzeit verschiedene Sets von Playmobil zum Sammeln angeboten. - Migros

Das Wichtigste in Kürze

  • Migros-Kunden können bis Ende September wieder Playmobil-Sets sammeln.
  • Ein Podcaster kritisiert nun das Verhalten bestimmter Eltern im Rahmen der Aktion.
  • Derweil sieht ein Wirtschaftspsychologe eher den Detailhändler in der Verantwortung.

Wer in der Migros einkauft, kann aktuell wieder Playmobil-Kleberli sammeln. Für 20 Franken Einkauf gibt es einen Sticker – 20 Sticker braucht es, um einen Bogen zu füllen. Dieser Bogen kann dann gegen ein Playmobil-Set eingetauscht werden.

Um alle fünf Sets zu haben, müsste man also bis zum Ende der Aktion am 29. September für 2000 Franken in der Migros einkaufen gehen.

Es gibt durchaus auch Kritik an der Aktion des Detailhändlers. Gegner befürchten beispielsweise, dass dadurch Überkonsum oder Lebensmittelverschwendung gefördert werden.

«Ich muss immer alles haben»-Mentalität nervt Podcaster

Podcaster Nico Leuenberger nervt sich jedoch nicht über die Migros, sondern über die Sammlerinnen und Sammler. Genauer gesagt über «gewisse Eltern», wie er in einem Linkedin-Post schreibt.

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Podcaster Nico Leuenberger nervt sich über gierige Eltern bei Migros-Playmobil. - zVg

«Jetzt gibt es im Ernst Eltern, die der Migros Abzockerei vorwerfen», so Leuenberger. Sie würden sich darüber beschweren, dass man 2000 Franken ausgeben müsse, wenn man alle Sets haben wolle. Das Ziel, alle Sets zu haben, ist aus der Sicht des Podcasters aber genau das Problem.

«Mich nervt diese ‹Ich muss immer alles haben›-Mentalität», sagt Leuenberger, der mehrere Jahre selbst für den Migros-Genossenschafts-Bund gearbeitet hat. «Wer sagt, dass dein Kind jedes Set braucht? Niemand!»

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Wer bei der Migros genügend einkauft, wird derzeit mit einem Playmobil-Set belohnt. - keystone

Man solle den Kindern beibringen, sich über die kleinen Dinge zu freuen. Schon ein Set kann grosse Freude auslösen, ist sich Leuenberger sicher. Er führt aus: «Es gibt so viel schönere Arten, seinem Kind Liebe zu zeigen, als es mit Plastikspielzeug zu überhäufen.»

Auf Anfrage von Nau.ch führt Leuenberger aus, dass er sich überhaupt nicht unter Druck fühle. «Meine Kinder wären gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie jedes Set brauchen.»

Die beiden Kinder im Alter von neun, beziehungsweise elf Jahren hätten zwar ebenfalls gesammelt. Mittlerweile habe man zwei Bögen voll. Aber das Interesse an den Sets hält sich in Grenzen, wie Leuenberger erzählt: «Mein Sohn hat von sich aus vorgeschlagen, sie zu verschenken, da er die Sets eh nicht braucht.»

Psychologe: «Menschen haben Bedürfnis nach Vollständigkeit»

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter nimmt die Migros dagegen auch in die Verantwortung.

Er sagt gegenüber Nau.ch: «Natürlich kann man sagen: Jeder Erwachsene ist selbst verantwortlich. Aber man darf nicht vergessen, dass hier gezielt Kinder als Hebel benutzt werden, um Kaufdruck zu erzeugen.»

Christian Fichter
Wirtschaftspsychologe Christian Fichter. - FSP

Er halte diese Strategie für «unethisch». Kinder seien noch nicht in der Lage, solche Marketing-Mechanismen zu durchschauen.

Der psychologische Effekt solcher Aktionen funktioniere sowohl bei Kindern als auch bei Eltern, so Fichter. «Wir Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach Vollständigkeit. Ein Set wirkt erst dann ‹richtig›, wenn alle Teile vorhanden sind.»

Sammelst du die Playmobil-Sticker der Migros?

Eltern können so in eine Zwickmühle geraten. «Kinder wollen die Sets unbedingt haben. Eltern geraten unter Druck – und geben dann oft deutlich mehr Geld aus, als sie eigentlich vorhatten.»

Kurzfristig sei die Aktion für die Migros ein Erfolg, so Fichter. «Langfristig schadet es aber der Marke, wenn Eltern frustriert zurückbleiben. Ich weiss von vielen, dass sie wegen solcher Aktionen bewusst einen Bogen um die Migros machen.» Stattdessen würden sie dann bei Aldi oder Lidl einkaufen.

Migros: «Auch mit nur einem Set gut spielbar»

Die Migros sagt auf Anfrage, man möchte mit der Aktion die treuen Kundinnen und Kunden belohnen.

Der Detailhändler betont, dass es tatsächlich nicht alle fünf Sets brauche. «Wir sind uns bewusst, dass gewisse Haushalte bis zum Ende der Promotion nicht alle Sammelelemente sammeln können. Die Playmobil-Sets sind auch mit nur einem Set gut spielbar und garantieren Spielspass.»

Kommentare

User #7243 (nicht angemeldet)

Ja das ist so,das teuerste,grösste Auto,natürlich nur gemietet,Markenkleider,Kinder,Hunde ,nicht nur ein Hund sondern 3 .Dann noch 2 Katzen,total verschuldet ,aber der Schein ist wichtig.Eines Tages werden sie dann aus der Wohnung geworfen,da sie die Miete nicht bezahlen.Letzthin in einer Liegenschaft,3 Mieter von 4 Mietparteien werden zwangsgeräumt.Dann das grosse wehklagen.Wieviele junge Menschen sind so hoch verschuldet,dass sie Hilfe brauchen? Das ist Eure Erziehung.Alles muss man haben

User #6335 (nicht angemeldet)

Für welche Kinder ?! Die Playmobil Set‘s Sammle ich für mich 🤫

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