Michael Lauber

    Michael Lauber droht Verfahren wegen möglicher Begünstigung

    Raphael Wyder
    Raphael Wyder

    Bern,

    Die Bundesanwaltschaft liess eine Anzeige von Andreas Frank fast drei Jahre liegen. Noch-Bundesanwalt Michael Lauber droht nun ein Verfahren wegen Begünstigung.

    Michael Lauber Alexia Heine
    Alexia Heine leitete das Verfahren gegen Michael Lauber. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Am Montag entscheidet sich, ob gegen Michael Lauber ermittelt werden darf.
    • Neben der Infantino-Geschichte droht nun schon ein neuer Vorwurf.
    • Der Noch-Bundesanwalt soll ein Strafverfahren für knapp drei Jahre verhindert haben.

    Am Montag wird erwartet, dass die Immunitätskommission des Nationalrats Michael Laubers Schutz aufhebt. Dann wäre der Noch-Bundesanwalt nicht mehr vor Strafverfahren geschützt. Neben dem Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino droht nun ein neuer Vorwurf.

    Gianni Infantino
    Fifa-Präsident Gianni Infantino. - Keystone

    Der deutsche Geldwäscherei-Experte Andreas Frank reichte im September 2017 eine Anzeige bei der Bundesanwaltschaft ein. Darin wirft Frank zwei Genfer Vermögensverwalter und einem Zuger Anwalt falsche Anschuldigungen vor. Weil sich die Zuger Justiz nicht um seine Anzeige kümmern wollte, wandte er sich an die Bundesanwaltschaft.

    Im Oktober 2017 teilte diese ihm eine Verfahrensnummer mit. Den Entscheid über die Anzeige werde sie ihm «baldmöglichst zustellen». Es vergingen zuerst Monate ohne Meldung und dann Jahre.

    Zwei Jahre bis zur ersten Reaktion

    Laut dem «Tagesanzeiger» fragten Frank und sein Anwalt sechsmal nach, wie es nun um seine Anzeige stehe. Im November 2019 kam die erste Reaktion: «Wir entschuldigen uns in aller Form für die bis heute ausgebliebene Antwort», schrieb die Leiterin der Zentralen Eingangsbearbeitung (ZEB). Man versprach Frank, den Entscheid betreffend Zuständigkeit nun «so rasch als möglich» mitzuteilen.

    Bundesanwaltschaft
    Das Gebäude der Bundesanwaltschaft, der Bundeskriminalpolizei und des Bundessicherheitsdienstes. - Keystone

    Da wieder nichts passierte, stellte Frank der ZEB im Frühjahr 2020 ein Ultimatum. Sollte er bis zum 15. März nichts gehört haben, werde er die Aufsicht oder weitere Institutionen einschalten. Das schien zu wirken – vorerst.

    Am 15. März um 22.32 Uhr traf folgende E-Mail bei Frank ein. «Wir sind daran, Ihre Eingabe zu prüfen und werden Ihnen unsere Antwort so rasch als möglich zukommen lassen.» Nach gerade mal einer Minute rief die ZEB-Leiterin die E-Mail wieder zurück. Es handle sich um eine «Fehlmanipulation» und er solle die Nachricht ignorieren.

    Laubers Stellvertreter wendet sich an Frank

    Nach zweieinhalb Jahren der Anzeigeerstattung war Frank überzeugt, dass die Bundesanwaltschaft seine Anzeige «systematisch verschleppt». Dies richtete er der ZEB-Leiterin aus. Diese antwortete: «Ich bitte Sie höflich um Verständnis, dass aufgrund der derzeitigen Situation die Beantwortung Ihres Anliegens eine Verzögerung erhalten hat. Wir werden uns so rasch wie möglich wieder bei Ihnen melden.»

    Michael Laube
    Bundesanwalt Michael Lauber, Mitte, sitzt bei der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses neben Ruedi Montanari, rechts, und Jacques Rayroud, stellvertretende Bundesanwaelte, auf der Tribuene des Nationalrats, waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am 25. September 2019 in Bern. - Keystone

    Vor zwei Wochen wandte sich der «Tagesanzeiger» mit Fragen zum Fall Frank an die Bundesanwaltschaft – mit Wirkung. Schon am Tag danach erhielt Franks Anwalt einen eingeschriebenen Brief vom stellvertretenden Bundesanwalt Ruedi Montanari. Darin erklärt Montanari knapp, dass die Bundesanwaltschaft nicht zuständig sei für den Fall. Die verzögerte Bearbeitung sei «einem bedauerlichen internen Fehler» zuzuschreiben.

    Andreas Frank kauft das der Bundesanwaltschaft nicht ab. Deshalb zeigt er Michael Lauber wegen Begünstigung durch Unterlassung von Ermittlungen an. In der Anzeige wird auf eine mögliche Verbindung zum Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher hingewiesen.

    Michael Lauber soll keine Kenntnisse von Franks Anzeige gehabt haben

    Lüscher vertrat die ehemalige Firma der beiden Genfer Vermögensverwalter. Es wäre nicht das erste Mal, dass dem Anwalt vorgeworfen wird, gute Beziehungen mit Michael Lauber zu unterhalten. Und diese für seine Zwecke zu nutzen.

    fdp standard
    Christian Lüscher, Genfer FDP-Nationalrat. - Keystone

    Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft meint nur dazu: «Bundesanwalt Michael Lauber hatte keine Kenntnis von dieser Anzeige und war nicht damit befasst. Er konnte daher keinen Einfluss auf die Bearbeitung der Strafanzeige nehmen.»

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