Messerangriff in Winterthur: Braucht es mehr Bahnhof-Security?

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Winterthur Stadt,

Nach der Attacke eines Messerstechers am Bahnhof Winterthur ZH fühlen sich Pendlerinnen und Pendler weniger sicher. Sicherheitspolitiker fordern Massnahmen.

Sicherheit
Ob zum Zeitpunkt der Attacke am Bahnhof Winterthur auch Sicherheitspersonal patrouillierte, ist aktuell unklar. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • An Schweizer Bahnhöfen patrouillieren über 200 Polizistinnen und Polizisten.
  • Dennoch kam es am Bahnhof Winterthur am helllichten Tag zu einer Messerattacke.
  • SVP-Nationalrat Mauro Tuena hält mehr Sicherheitspersonal für prüfenswert.

Der Messerangriff vom Bahnhof Winterthur sorgt für Verunsicherung unter Pendlerinnen und Pendlern. Ein Passant (84) sagt zu Nau.ch: «Vor 30, 40 Jahren musste man keine Angst haben, wenn man sich am Bahnhof aufhielt.»

Ähnlich geht es einer 58-Jährigen. «Man fühlt sich nicht mehr sicher, wenn man jeden Tag pendelt», sagt sie.

Eine 18-Jährige berichtet, sich am Freitagmorgen am Bahnhof Winterthur ZH «schon etwas unwohl gefühlt» zu haben. «Ich erinnerte mich daran, dass der Täter schon gefasst wurde. Darum war es dann wieder okay.»

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Nach der Messerattacke am Bahnhof von Winterthur ist Verunsicherung zu spüren. - Nau.ch / Nico Leuthold

Am Donnerstagmorgen mitten in der Stosszeit schrie ein Mann am Bahnhof Winterthur «Allahu Akbar» und stach auf drei Passanten ein. Die Kantonspolizei Zürich gab in einer Medienkonferenz am Donnerstag an, den Täter um halb neun Uhr festgenommen zu haben.

Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr sprach von Terror. Der Mann hatte psychische Probleme. Der genaue Hintergrund der Tat ist noch unklar.

Messerstecher, Postauto-Brand und Zugschubser

Die SBB setzt in Arealen des ÖVs schweizweit über 200 Polizistinnen und Polizisten an. Diese sorgen für Sicherheit und Ordnung.

Ob zum Zeitpunkt der Attacke am Bahnhof Winterthur ZH auch Sicherheitspersonal patrouillierte, ist aktuell unklar. Zu einem Security-Mitarbeiter, der den Täter überwältigt haben soll, konnte die Kantonspolizei Zürich an der Medienkonferenz am Donnerstag nichts sagen.

Braucht es mehr Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen?

Das Sicherheitsgefühl am Bahnhof und im ÖV war schon vor der Attacke in Winterthur angekratzt. Am Mittwoch flüchtete ein Dieb am Bahnhof Dietikon und stach dort auf zwei Personen ein.

Im März zündete sich ein Mann am helllichten Tag in einem Postauto in Kerzers FR an. Er riss fünf Menschen in den Tod. Immer wieder sorgen zudem Fälle von Zugschubsern für Schlagzeilen.

«Es ist bitter»

Sicherheitspolitikerinnen und -politikern bereiten die Vorfälle Sorgen.

«Überall, wo Menschenansammlungen derart gross sind wie an Bahnhöfen, sind solche Attacken möglich», sagt SVP-Nationalrat Mauro Tuena zu Nau.ch. Die Polizei mache, was sie könne. «Wir können nicht hinter jede Person einen Polizisten stellen.»

Markus Weyermann, Kommandant der Kantonspolizei Zürich, hat angekündigt, die Polizeipräsenz zu verstärken.

Mauro Tuena begrüsst dies. «Es ist nach dem Vorfall wichtig, den Bürgern das Sicherheitsgefühl zurückzugeben», sagt er.

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Eine Frau hat den Moment gefilmt, als der Täter in Winterthur davonrannte. - Facebook / Yvonne Kussmann

Für prüfenswert hält er auch eine Aufstockung des Sicherheitspersonals an den Bahnhöfen. «Es ist bitter, dass wir uns jetzt überhaupt solche Überlegungen machen müssen.»

Mit der Steuerung der Zuwanderung, schärferen Grenzkontrollen und konsequenten Landesverweisen wäre es zu einer Tat wie in Winterthur nicht gekommen. Davon ist Tuena überzeugt.

«Bahnhöfe werden nicht sicherer»

SP-Nationalrätin Andrea Zryd zeigt sich betroffen von der Tat am Bahnhof Winterthur. «Das ist Horror», sagt sie.

Bei der Sicherheit an den Bahnhöfen sieht sie aktuell jedoch kein Verbesserungspotenzial. «Bahnhöfe werden nicht sicherer, wenn mehr Polizisten oder Securitys patrouillieren.»

Die Radikalisierung sei ein Problem, sagt sie. Wichtig sei die Früherkennung. «Der Informationsaustausch mit der EU-Sicherheitsbehörden und die Integrationsmassnahmen müssen besser funktionieren.» Auf diese Weise könnten solche Personen schon gar nicht zu solchen Taten schreiten.

Sicherheit
SP-Nationalrätin sieht beim Informationsaustausch mit den EU-Sicherheitsbehörden mehr Handlungsbedarf als beim Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen. - keystone

Die SBB teilt mit, dass die Sicherheit ihrer Kunden und Mitarbeitenden an erster Stelle stehe. «Sie sollen sich in Bahnhöfen und Zügen sicher und wohl fühlen.»

Die Transportpolizei sorgt mit rund 200 Polizistinnen und Polizisten für die Sicherheit an den Bahnhöfen und in den Zügen. Dies sei rund um die Uhr schweizweit der Fall.

«Die Transportpolizei analysiert permanent die Lage in den Bahnhöfen und Zügen», teilt die SBB weiter mit. Sie stehe schweizweit in engem Kontakt mit den jeweils zuständigen Behörden.

«Um wenn nötig, das Sicherheitsdispositiv anzupassen und mit der jeweiligen Stadt- oder Kantonspolizei zu koordinieren.»

Kommentare

User #2992 (nicht angemeldet)

Nein es braucht weniger aber nicht vom Sicherheitspersonal

User #5538 (nicht angemeldet)

Jans soll zurücktreten, er schützt unsere Bevölkerung auf keine Art.

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