Merkt, wenn du einsteigst: Neue Billett-App soll Bussen verhindern
Im öffentlichen Verkehr steht ein nächster Digitalisierungsschritt bevor. Mit einem neuen System soll künftig kein Ein- oder Auschecken mehr nötig sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Der ÖV-Branchenverband, Alliance Swisspass, testet derzeit ein neues Ticketing-System.
- «Bibo» soll das Ein- und Auschecken künftig überflüssig machen.
- Die dazugehörige App erkennt, wann sich jemand im ÖV befindet, und rechnet automatisch ab.
Wer heute ohne Generalabonnement im öffentlichen Verkehr unterwegs ist, greift oft zur Funktion «EasyRide» in der SBB-App. Vor der Fahrt einchecken, am Ziel wieder auschecken, Der Rest läuft automatisch.
So zumindest die Idee.
In der Praxis sorgte das System jedoch immer wieder für Frust. Unterschiedliche Preise für identische Strecken oder Probleme mit QR-Codes sorgten für Ärger und Kritik. Teilweise wurden Personen gebüsst, weil sie wenige Sekunden zu spät eincheckten.
Nau.ch berichtete gar über einen Fall, in dem einem Pendler wegen sieben Sekunden 90 Franken Busse aufgebrummt wurden.
Nun soll ein neues System genau hier ansetzen und das Ein- und Auschecken gleich ganz überflüssig machen. Mit «Be in – Be out», kurz «Bibo», will die Branche einen Schritt weitergehen.
Wer die entsprechende App auf dem Smartphone installiert hat, muss nichts mehr tun: Das System erkennt selbstständig, wann man sich im ÖV befindet. Der Fahrpreis wird automatisch berechnet, auch beim Umsteigen.
Technische Voraussetzungen sind bereits erfüllt
Wie SRF berichtet, wird die entsprechende App derzeit getestet. Michaela Ruoss vom Branchenverband des öffentlichen Verkehrs, Alliance Swisspass, zeigt sich zuversichtlich. Es sei ein weiterer innovativer Schritt hin zu einer noch einfacheren Nutzung des öffentlichen Verkehrs.
Auch die SBB sieht im System Potenzial. «Bibo» befriedige ein weiteres Kundenbedürfnis, heisst es auf Anfrage.
Technisch sind die Voraussetzungen weitgehend erfüllt. Die Züge der SBB sind bereits mit sogenannten Bluetooth-«Beacons» ausgerüstet.
Das sind kleine Signalsender, die in regelmässigen Zeitabständen Bluetooth-Signale aussenden. Das Smartphone kann diese erkennen und die Fahrt via App korrekt registrieren.
Nur vereinzelt gibt es noch Lücken: Internationale Züge sowie einige Spezialfälle sind gemäss Alliance Swisspass derzeit noch ausgenommen.
Testlauf mit 3000 Pendlern geplant
Auch aus Sicht des Datenschutzes steht dem Projekt nichts im Weg. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) begleitet das Vorhaben und will bei Bedarf eingreifen.
Ob sich «Bibo» im Alltag durchsetzt, dürfte sich bald zeigen. Ende April startet ein zweimonatiger Testlauf mit rund 3000 ÖV-Nutzerinnen und -Nutzern.
Fallen die Ergebnisse positiv aus, soll das System in die SBB-Mobile-App integriert werden. Die Funktion «EasyRide» soll – zumindest vorerst – erhalten bleiben.













