Margrit Winter begeisterte als Anne Bäbi Jowäger und Lady Macbeth
Sie war in Heimatfilmen, aber auch auf der Bühne in grossen Rollen der Weltliteratur zu Hause: Margrit Winter gehörte ab den 1940er-Jahren während 30 Jahren zu den populärsten Schauspielerinnen der Schweiz. Vor 25 Jahren ist sie gestorben.

Margrit Winter, geboren am 13. November 1917 in Basel, wuchs in Luzern auf. Ihre Eltern führten eine Tuchhandelsfirma, und sie machte eine Schneiderlehre.
Winters Leidenschaft war aber eine andere: 1934 begann sie bei der vom Regisseur und Dramatiker Oskar Eberle geführten «Luzerner Spielleute» zu spielen. Das Amateurtheater, das noch heute existiert, pflegte vor allem das Volks- und Passionsspiel. 1939 wurde Winter für das Truppentheater engagiert.
1941 erlangte die Nachwuchsschauspielerin schlagartig Berühmtheit. Sie spielte in Hans Trommers Verfilmung von Gottfried Kellers «Romeo und Julia auf dem Dorfe» die weibliche Hauptrolle, das Vreneli. Erwin Kohlund war der Sali.
Beeindruckt von Winter zeigte sich Schriftsteller Max Frisch. Er attestierte ihr für die Rolle des Vreneli «das gewisse Etwas». Der Filmkritiker Martin Schlappner erklärte 1997 in «Schweiz aktuell» von Fernsehen SRF den Erfolg von Winter als Vreneli damit, dass sie das damalige Publikum mit erotischer Ausstrahlung und gleichzeitiger Keuschheit gerührt habe.
Im Gegensatz zum Film, kam es im wahren Leben für das Filmpaar Winter und Kohlund 1943 mit ihrer Heirat zum Happy End. Sie blieben bis zum Tod von Erwin 1992 ein Paar. Sohn Christian («Die Schwarzwaldklinik», «Der Zürich-Krimi») und Tochter Franziska ergriffen ebenfalls den Schauspielberuf.
Winter wurde vor allem in den späteren 1950er- und den früheren 1960er-Jahren für zahlreiche Schweizer Filme engagiert, so von Leopold Lindtberg für «Marie-Louise»oder von Kurt Früh für «Bäckerei Zürrer» und «Dällebach Kari». In «Es geschah am helllichten Tag» spielte sie mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Heinrich Gretler.
Besonders populär wurde Winter mit den Heimatfilmen von Franz Schnyder: Zusammen mit ihrem Mann Erwin Kohlund spielte sie in den Gotthelf-Verfilmungen «Die Käserei in der Vehfreude», «Anne Bäbi Jowäger» sowie «Geld und Geist».
Winter machte auch auf der Bühne Karriere. Nach dem Erfolg mit der Gottfried-Keller-Verfilmung gab sie am Städtebundtheater Biel-Solothurn ihr Debut als professionelle Darstellerin, wie es im «Theaterlexikon der Schweiz» heisst. Oskar Wälterlin holte sie ans Basler Theater und dann ans Schauspielhaus Zürich; es folgten Engagements an weiteren Schweizer Bühnen sowie in Deutschland.
Oft spielte Winter grosse Rollen der Theaterliteratur, unter ihnen Margarethe in Goethes «Faust», Lady Macbeth in Shakespeares «Macbeth» oder die Hauptrollen in Schillers «Maria Stuart» und Brechts «Mutter Courage». 1957 erhielt sie die grösste Auszeichnung des Schweizer Theaters, den Hans-Reinhart-Ring. 1961 folgte der Kunstpreis der Stadt Luzern.
Im Verlauf der 60er-Jahre schien der Stern von Winter zu verblassen. Die junge Generation der Filmregisseure zeigten kein Interesse an ihr, auch im Schauspielhaus wurde sie weniger berücksichtigt. Die Rollen seien an ihr vorbeigegangen, sagte Winter 1998 in der Sendung «Persönlich» von Radio SRF.
Winter zog die Konsequenzen und kehrte der Bühne den Rücken. 1984 gab sie, zusammen mit ihrem Gatten, in der Freien Szene ihr Comeback, nämlich in der Theatergruppe «Il Soggetto», die ihre Tochter Franziska gegründet hatte.
«Es war wie eine Renaissance», sagte Winter anlässlich ihres 80. Geburtstags gegenüber dem Schweizer Feuilletondienst zu ihrer neuen Aufgabe. «Mein Mann und ich konnten nochmals ein neues Feld beackern». Besonders schätzte sie die Freiheit, ihre Arbeit für das Theater zu gestalten.
Ihren letzten grossen Auftritt hatte Winter 1998 im Landschaftstheater Ballenberg im Stück «Der Drache». Sie starb am 18. Juni 2001 im Alter von 83 Jahren in ihrem Haus im zürcherischen Stäfa. Ein Jahr später erhielt sie postum den Ehrenpreis der Armin Ziegler Stiftung für ihr Lebenswerk.






