Mängel bei Stellenvergaben der Stadt Genf aufgedeckt
Bei der Vergabe von Stellen in der Genfer Stadtverwaltung gibt es erhebliche Mängel. In mehr als der Hälfte der untersuchten Fälle liess sich die Wahl der Bewerber nicht ausreichend nachvollziehen. Das zeigt eine Untersuchung der kantonalen Finanzkontrollbehörde nach Hinweisen auf mögliche Vetternwirtschaft und Interessenkonflikte.

Der am Dienstag vorgestellte Bericht des Genfer Rechnungshofs (Cour des comptes de Genève) kritisiert unzureichend dokumentierte Personalentscheide, den mangelhaften Umgang mit Interessenkonflikten und uneinheitliche Einstellungsverfahren. Zudem dauere die Besetzung einer Stelle mit durchschnittlich 172 Tagen zu lange.
Der Rechnungshof hatte die Untersuchung im September 2025 nach rund 15 Hinweisen auf mögliche Interessenkonflikte und Ungleichbehandlungen eingeleitet. Er prüfte 64 Einstellungsdossiers aus sämtlichen Departementen der Stadtverwaltung.
In mehr als der Hälfte der Fälle fehlten Unterlagen, um die Wahl der eingestellten Person zu begründen. Teilweise waren die Dokumente unvollständig oder widersprüchlich. In einem Fall erhielt ein Bewerber die Stelle, obwohl er nach dem ersten Vorstellungsgespräch schlecht abgeschnitten hatte.
Der Rechnungshof kritisiert zudem unterschiedliche Einstellungsverfahren innerhalb der Stadtverwaltung. Die geltenden Vorschriften liessen zu viel Spielraum und erhöhten das Risiko einer Ungleichbehandlung.
Auch interne Stellenausschreibungen seien zu häufig. Jede fünfte Stelle werde ausschliesslich intern ausgeschrieben, obwohl dies eine Ausnahme bleiben sollte. Dadurch entgingen der Stadt möglicherweise qualifizierte Bewerber.
Der Rechnungshof formulierte neun Empfehlungen, die die Stadtregierung allesamt akzeptierte. Sie betonte jedoch, dass die Untersuchung den Verdacht auf Vetternwirtschaft nicht bestätigt habe.
Rechnungshofpräsident Pierre Henri Pingeon hielt dagegen, bei funktionierenden internen Kontrollen hätten die beanstandeten Fälle gar nicht erst beim Rechnungshof landen dürfen. Die Stadt habe bei der Personalrekrutierung Nachholbedarf. Frühere Empfehlungen seien nicht umgesetzt worden.
Die Stadt verweist auf bereits eingeleitete Verbesserungen, darunter neue Richtlinien für Einstellungsverfahren. Sie beschäftigte 2025 insgesamt 4408 Personen und stellte im selben Jahr 830 neue Mitarbeitende ein.










