Mamis machen sich nach Deepfake-Skandal Sorgen um Buben
Die Vorwürfe gegen Christian Ulmen sorgen für Empörung. Mütter machen sich Sorgen, dass ihre Söhne mit Männern wie ihm in eine Schublade gesteckt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Er bezeichnete sich als Feminist. Nun wird Ungeheuerliches über Christian Ulmen bekannt.
- Dass seine mutmasslichen Taten ans Licht kommen, wird von Frauen mit Beifall bekundet.
- Sie sorgen sich aber auch – vor allem Mütter über die Zukunft ihrer Söhne. Und Töchter.
«Not all men – but Ulmen» oder «not all men – but always a man». Nicht alle Männer, aber immer ein Mann.
Dies die aktuelle Antwort im Netz auf «not all men» – was so viel bedeutet wie: Nicht alle Männer sind bei Männergewalt und Sexismus in den gleichen Topf zu werfen. Ein Argument, das viele Männer in der Debatte um Männergewalt bringen.
Auslöser für die neu aufgeflammte Debatte ist der Fall von Collien Fernandes (44) und Christian Ulmen (50).

Die Schauspielerin und Moderatorin hat ihren Ex-Mann angezeigt. Er soll über Jahre hinweg Fake-Profile von ihr in sozialen Medien erstellt haben.
Damit soll er Sexchats mit Männern aus ihrem beruflichen Umfeld geführt haben. Die Rede ist zudem von Telefonsex mittels KI-generierter Stimme sowie gefälschtem pornografischem Foto- und Videomaterial von Fernandes, sogenannten Deepfakes.
Der Fall steht sinnbildlich für eine grössere gesellschaftliche Unsicherheit: Nicht nur in Bezug auf digitale Übergriffe, sondern auch in Bezug auf Vertrauen in Beziehungen.
Mütter melden sich zu Wort
Dabei melden sich auf Instagram und Co. auch viele Mütter zu Wort.
Eine schreibt: «Die Welt braucht mehr Männer, die zuhören, die hinschauen, auf Frauen eingehen, (...). Also lasst uns bei unseren Söhnen anfangen. In der Hoffnung, dass unsere Töchter und Enkeltöchter sicher sein werden.»
Auch die Väter bleiben nicht stumm. «Neue Männer braucht das Land. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst», hält der deutsche Entertainer Bürger Lars Dietrich auf Instagram fest.
Und zeigt ein Foto, bei dem er seine beiden Kinder umarmt.
«Möchte nicht, dass Frauen Angst vor Söhnen haben»
SRF-Moderatorin Judith Wernli teilt in ihrer Instagram-Story die Reaktion einer Followerin, die ebenfalls «schockiert und angewidert» ist vom Fall Ulmen.
Als Mutter zweier Jungs (20 und 15 Jahre) habe sie aber noch einen weiteren Gedanken zur Sache, hält die Frau fest.

«Ich tue alles dafür, dass diese zwei gut erzogenen Menschen sind, sind sie auch, und ich bin stolz. Aber es macht mir unglaublich Angst, dass sie einfach irgendwann mit diesen ‹Schweinen› in eine Schublade gesteckt werden. Ja, ich möchte nicht, dass Frauen Angst vor meinen Söhnen haben», schreibt die Frau.
Und gleichzeitig fange man als Frau an, paranoid alle Männer im eigenen Leben kritisch zu hinterfragen.
Als Mami eines wunderbaren, ganz tollen Buben sei sie ganz fest bei ihr, schreibt Wernli zur Nachricht der Followerin.
Männer-Experte: «Kann Sorge verstehen»
Markus Theunert, Psychologe und Co-Geschäftsleiter der Fachstelle Männer.ch, hat sich auch mit dem Fall Ullmen beschäftigt.
«Ich kann die Sorge sehr gut verstehen, dass der eigene Sohn Männlichkeitsvorstellungen übernimmt, die im Kontrast zu dem stehen, was die Eltern vermittelt haben», sagt er.
«Männlichkeitsanforderungen sind schon lange gewaltbegünstigend und gesundheitsgefährdend.»
Insofern sei das keine neue Entwicklung. «Auch wenn ihre Popularität unter jungen Männern aktuell wieder zunimmt», so Der Männer-Experte.
Theunert entlastet aber die Eltern von Buben. «Da stehen in erster Linie wir als Gesellschaft in der Pflicht.» Wir könnten das nicht einfach den Eltern abdelegieren und ihnen ein schlechtes Gewissen machen, wenn der Sohn problematische Männlichkeitsvorstellungen übernimmt.
Theunert: Buben sollen «sich spüren» dürfen
Theunert erklärt, welche Aufgaben sich dabei der Gesellschaft stellen. «Wir müssen uns mit den patriarchalen Wurzeln auseinandersetzen, welche unsere Gesellschaft bis heute prägen.»
Und man müsse Jungen bereits in der Schule die Botschaft vermitteln: «Du darfst so oder anders Mann werden und musst keinen Männlichkeitsnormen genügen. Es ist wichtiger, dass du gut in Verbindung bist mit deinem Körper und deinen Gefühlen. Damit du dich auch gewaltfrei behaupten kannst.»

Es sei auch einer der grössten Fehler in der Buben-Erziehung, zu vermitteln, es sei «männlich», sich nicht zu spüren. «Das ist eine Form von psychischer Gewalt», so Theunert.
Um gleich klarzustellen, dass die Schweiz bei der ernsthaften Bearbeitung patriarchaler Männlichkeitsnormen «noch ganz am Anfang» steht.
Theunert nennt Beispiele: «Schon Eltern von Neugeborenen behandeln Babyjungs ruppiger als Babymädchen. Und auf dem Pausenplatz sind ‹du Schwuler› oder ‹du Mädchen› immer noch Schimpfwörter.»











