Letzter Wunsch: Kranke Zürcherin (71) darf Elefanten füttern
Die Zürcher Wunschambulanz erfüllt schwerkranken Menschen kostenlos letzte Wünsche. Sie schenkt ihnen damit Zeit für besondere Momente.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Wunschambulanz erfüllt schwerkranken Menschen letzte Herzenswünsche.
- So konnte beispielsweise eine 71-jährige Zürcherin ihrem «Seelentier», dem Elefanten, begegnen.
Noch einmal das Wasser sehen. Die Freiheit spüren. Geliebte Menschen ein letztes Mal treffen. Für schwerkranke Menschen sind solche Anliegen oft von unschätzbarem Wert.
Die Wunschambulanz erfüllt ihnen diese letzten Herzenswünsche – kostenlos und mit speziell ausgerüsteten Ambulanzfahrzeugen.
Petar Sabovic und seine Partnerin, Nataša Stojanovic, haben vor bald zehn Jahren die schweizweit tätige Wunschambulanz gegründet. Der Verein hat seinen Sitz in Zürich, die operative Basis befindet sich in Schaffhausen. Ein Engagement, das viel Leidenschaft und Durchhaltevermögen erfordert.
Denn eine Ambulanz für ein individuelles Anliegen aufzubieten, ist nicht selbstverständlich. «Es braucht die passende Infrastruktur, medizinisches Fachwissen und viele Menschen, die bereit sind, ihre Zeit zur Verfügung zu stellen», sagt Petar Sabovic, der seinen schwerkranken Vater über längere Zeit betreute.
Er hätte ihm gerne einen letzten Wunsch erfüllt: Noch einmal seine Heimat Montenegro sehen, sein Herzensland.

«Es ist eine grosse Herausforderung, bettlägerige Menschen zu transportieren», sagt Sabovic. Genau hier setzt die Wunschambulanz an.
Die Fahrzeuge sind speziell für solche Einsätze ausgerüstet. Sie verfügen über medizinische Rolltragen und spezielle Lagerungssysteme, die einen möglichst schonenden und schmerzarmen Transport ermöglichen.
Ohne Spenden funktioniert es nicht. Doch auch das Zusammenspiel aller Beteiligten ist entscheidend. Sabovic und seine Partnerin, eine Pflegefachkraft mit 27 Jahren Berufserfahrung in der Notfallmedizin, begleiten viele Fahrten persönlich.
Unterstützt werden sie von Freiwilligen, darunter medizinisches Fachpersonal mit Erfahrung in palliative Care.
Momente, die berühren
Seit 2017 konnte die Wunschambulanz mehr als 650 Wünsche erfüllen.
Für einen Fahrgast war der Flughafen Zürich ein Sehnsuchtsort. Die Wunschambulanz brachte die Flugzeugliebhaberin an einen ihrer bevorzugten Beobachtungsplätze beim Flughafen Zürich, wo sie die grossen Maschinen starten und landen sehen konnte. Ein letztes Mal konnte sie ihnen nachwinken, bevor sie im Himmel verschwanden.
Ein Kantonspolizist mit Herzinsuffizienz wollte noch einmal im Zürichsee baden und die Leichtigkeit des Wassers spüren.
Eine 71-jährige Zürcherin, die an mehreren chronischen Erkrankungen litt, durfte dank der Wunschambulanz ihrem «Seelentier», dem Elefanten, begegnen. Im Kinderzoo Rapperswil durfte sie die Elefantendame Ceylon berühren und füttern.
Sven Fässler, Leiter Tiere und Unterhalt bei Knies Kinderzoo, nahm sich viel Zeit für sie und schenkte ihr zum Abschied einen Plüschelefanten. Manchmal sind es gerade die einfachen Anliegen, die besonders berühren.
«Oft haben Menschen im gesunden Zustand noch ein Ticket für eine Veranstaltung gekauft. Drei Monate später sind sie unheilbar krank. Dann wird die Zeit zum grössten Gegner», sagt Sabovic.
Derzeit suchen die Verantwortlichen im Raum Zürich nach einer geeigneten Einstellhalle für ihre hohen Ambulanzfahrzeuge. Diese müssen bei einem Einsatz möglichst schnell verfügbar sein.
«Meistens», sagt Sabovic, «möchten die Menschen noch einmal dorthin, wo sie glücklich waren. Oder ihre Liebsten sehen.»
Eine komplette Wunscherfüllung kostet zwischen 500 und 1500 Franken. Darin enthalten sind unter anderem Infrastruktur und Spesen.
«Unser Anliegen bleibt vordergründig, dem Fahrgast und den Angehörigen ein Erlebnis zu ermöglichen, das nicht zu belastend und ohne unnötige Risiken realisierbar ist», erklärt Petar Sabovic. Nun wollen die Gründer ihr Angebot ausweiten.
Mit dem Projekt Wunschmobile Bodensee soll ein grenzüberschreitendes Netzwerk für Wunscherfüllungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein entstehen. Sie suchen freiwillige Helferinnen und Helfer. «Wir setzen alles daran, letzte Wünsche wahr werden zu lassen.»
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








