Bauernverband

    Landwirtinnen und Landwirte attackieren den Bauernverband

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Bern,

    In einem Offenen Brief an den Schweizer Bauernverband und dessen Präsidenten Markus Ritter haben sich nach eigenen Angaben mehrere hundert Bäuerinnen und Bauern darüber beschwert, dass ihre Nöte im Verband keine Beachtung fänden.

    Brief
    In einem Offenen Brief an den Schweizer Bauernverband haben sich Schweizer Landwirte beschwert. - keystone

    Die Hitze und Trockenheit erschwere die Lebensmittelproduktion in der Schweiz zunehmend, heisst es in dem von angeblich über 370 Personen unterzeichneten Brief an Verbandspräsident Markus Ritter und den Vorstand, der auch Keystone-SDA vorliegt. «Während sich der Schweizer Bauernverband (SBV) diesen Sommer noch kein einziges Mal offiziell zur Hitze und Trockenheit geäussert hat, arbeiten wir bei fast 40°C den ganzen Tag draussen», werfen die Protestierenden dem Bauernverband an den Kopf.

    «Unsere Tiere werden krank, unser Futter reicht nicht für den Winter und unsere Kulturen vertrocknen auf dem Feld», heisst es weiter.

    Der SBV habe sich wider besseres Wissen in der Vergangenheit immer wieder gegen Klimaschutzmassnahmen ausgesprochen und die Dringlichkeit der Klimakrise ignoriert. Er habe sich für den Autobahnausbau ausgesprochen und zusammen mit den Wirtschaftsverbänden jede umwelt- und klimapolitische Vorlage bekämpft.

    Gleichzeitig habe sich der Bauernverband jedoch in verschiedenen landwirtschaftsfernen Abstimmungskampagnen engagiert: unter anderem gegen die Prämien-Entlastungs-Initiative und gegen die 13. AHV-Rente. «Es drängt sich uns immer wieder der Verdacht auf: Unser Berufsverband vertritt uns nicht mehr!», klagen die Brief-Unterzeichner.

    «Wir teilen die Sorge der Menschen, welche diese Petition, respektive den offenen Brief unterschrieben haben bezüglich der Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft», konterte der Bauernverband am Dienstag in einer Stellungnahme. Er anerkenne sowohl die besondere Betroffenheit als auch die Verantwortung der Landwirtschaft.

    Dies zeige sich auch in dessen politischen Entscheiden: So habe die Landwirtschaftskammer 2021 mit deutlicher Mehrheit die Ja-Parole zum CO2-Gesetz beschlossen. Auch zum Klima- und Innovationsgesetz, dem indirekten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative, habe die Landwirtschaftskammer im April 2023 die Ja-Parole beschlossen. Und ebenso engagiere sich der Bauernverband auf der praktischen Ebene seit Jahren für den Klimaschutz.

    Befremdet zeigte sich der Verband über das Vorgehen der Brief-Unterzeichner. «Unsere Mitglieder können sich direkt mit ihren Anliegen an uns wenden. Alle unsere Entscheide fallen zudem in unseren demokratisch zusammengesetzten Gremien», schrieb der Bauernverband. Und unter den eingereichten Namen im Offenen Brief befänden sich «auf jeden Fall einige, die ganz offenbar nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben».

    Kommentare

    User #1051 (nicht angemeldet)

    diese streitereien sind einfach nur beschämend. ich sehe von meinem balkon aus jeden tag bauern, 7 tage in der woche, wie sie beschäftigt sind. tiere versorgen, sich um wiesen und weiden kümmern.- herzlichen dank an diese wundervollen menschen

    User #3625 (nicht angemeldet)

    Bauern klagen immer! Man fragt sich, warum sie dann überhaupt sowas geworden sind! Arme Minderheit!

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