Krankenkasse: Prämien haben sich in 30 Jahren verdreifacht
Seit 30 Jahren ist die Krankenkasse in der Schweiz obligatorisch. Die Krankenkassenprämien haben sich seither mehr als verdreifacht, wie neue BAG-Zahlen zeigen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die mittlere Prämie stieg seit 1996 von 128 auf 393 Franken monatlich.
- Der Anstieg von 207 Prozent übertrifft die allgemeine Teuerung von 20 Prozent deutlich.
- Am stärksten steigt die Prämie im Tessin, am tiefsten ist sie in Zug.
Am 1. Januar 1996 trat das Krankenversicherungsgesetz in Kraft und machte die Grundversicherung für alle in der Schweiz wohnhaften Personen zur Pflicht. Seither können Versicherte ihre Krankenkasse zwar frei wählen, dem Obligatorium selbst entkommen sie aber nicht.
30 Jahre später zeigt sich: Die Krankenkassenprämien sind in dieser Zeit massiv gestiegen. Lag die mittlere Prämie 1996 noch bei rund 128 Franken im Monat, veranschlagt das BAG für 2026 bereits 393 Franken. Das entspricht einem Plus von 207 Prozent.
Zum Vergleich: Die allgemeinen Lebenshaltungskosten in der Schweiz legten im gleichen Zeitraum nur um rund 20 Prozent zu.
Verändert hat sich auch das Verhalten der Versicherten. Wählten 1996 gerade einmal zwei Prozent ein Modell mit eingeschränkter Arztwahl, sind es heute über 80 Prozent.
Der Grund liegt auf der Hand: Solche Modelle sind günstiger als die freie Arztwahl.
Tessin hat die teuerste Krankenkasse
Zwischen den Kantonen zeigen sich grosse Unterschiede. Am stärksten kletterte die Prämie prozentual in Appenzell Ausserrhoden, von 91 auf 341 Franken – ein Plus von 276 Prozent. Der Kanton liegt damit aber immer noch unter dem Schweizer Durchschnitt.
Am moderatesten fiel der Anstieg in der Waadt aus, wo die Prämie um knapp 150 Prozent auf 442 Franken stieg. Günstig ist es dort dennoch nicht: 2026 liegt der Kanton auf dem sechsthöchsten Platz der Schweiz. Die höchste mittlere Prämie zahlt das Tessin mit rund 502 Franken, die tiefste gilt in Zug mit 264 Franken.

Immer mehr Menschen sind deshalb auf Unterstützung angewiesen. 1996 erhielten rund 1,65 Millionen Personen (23%) eine Prämienverbilligung, 2025 waren es 2,64 Millionen (29%). Auch die ausbezahlten Summen wuchsen deutlich: Von 1,47 Milliarden Franken im Jahr 1996 auf mittlerweile 7,3 Milliarden Franken.
Gründe für den Prämienwachstum
Für den Kostenanstieg der Krankenkasse gibt es laut Bundesrat mehrere Gründe: Die alternde Gesellschaft, der medizinisch-technologische Fortschritt, eine steigende Nachfrage nach Leistungen sowie falsche Anreize im Tarifsystem. Neue Therapien und hochpreisige Medikamente erweitern zwar die Behandlungsmöglichkeiten, treiben die Kosten aber zusätzlich in die Höhe.

Die Politik versucht seit Jahren gegenzusteuern, bisher mit überschaubarem Erfolg. Geplant sind unter anderem eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen ab 2028. Der Bundesrat will ausserdem Ende 2026 erstmals konkrete Kostenziele festlegen.












