Kaum Knallerei am 1. August – Tierschützer wittern Chance
Das Feuerwerksverbot am 1. August war für die Tiere ein Segen. Vermisstenmeldungen gibt es kaum. Eine Tierschützerin blickt jetzt positiv auf die Abstimmung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantonspolizeien registrieren am 1. August nur vereinzelt Meldungen wegen Abfeuerns von Feuerwerk.
- Dieses Jahr müssen auch weniger Halter um ihr Haustier bangen.
- «Es ist eine laute Minderheit, welche die Knallerei will», sagt Netap-Präsidentin Esther Geisser.
Der Nationalfeiertag war so ruhig wie noch nie. Die übliche Knallerei in den Städten und Dörfern blieb wegen des Feuer- und Feuerwerksverbots aus. Die Kantonspolizeien registrieren am 1. August lediglich einzelne Meldungen.
Im Kanton Zürich gingen 40 Meldungen wegen des Abfeuerns von Feuerwerk ein. Im Kanton Bern waren es 15 und im Kanton Aargau 33.
Die Kantonspolizei St. Gallen registriert acht Verstösse. «Mehrheitlichen waren es Meldungen über Böller, die gezündet wurden», sagt eine Mediensprecherin zu Nau.ch.
«In einem Fall war es das Zünden von sogenannten Thundern, in einem anderen das mutmassliche Zünden einer Batterie.»
Normalerweise «20 Prozent mehr Meldungen nach 1. August»
Gerade für Haustiere war der ruhige 1. August ein Segen. Denn: Die Knallerei versetzt viele Hunde und Katzen in Stress, Angst und Schrecken.
Manche Hunde verbringen den Tag zitternd, während Katzen sich stundenlang verkriechen. Regelmässig entlaufen Hunde und Katzen vor lauter Panik sogar.
Bernadette Christen ist Geschäftsführerin der Schweizerischen Tiermeldezentrale STMZ. «In den ersten drei Tagen nach dem 1. August registrieren wir jeweils 20 Prozent mehr Vermisstmeldungen», sagt sie. Diese beträfen Hunde und Katzen.
Vögel haben weitergezwitschert
Doch dieses Jahr müssen weniger Frauchen und Herrchen nach dem Feiertag um ihr Tier bangen. Dies zeigt ein Blick auf die Vermisstenanzeigen am Montagmittag.
Unter den aktuell 70 Meldungen vermisster Hunde trägt keine den 1. August als Datum. Bei den Katzen sind es zwölf – allerdings von total über 5600 Vermisstenanzeigen.
Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Netap, schwärmt vom diesjährigen 1. August. «Das Feuerwerksverbot ist wohltuend für die Natur, die Tiere und viele Menschen», sagt sie.
«Ich hörte so viele Vögel zwitschern wie vor dem 1. August.» Nach Feuerwerken sei es am nächsten Tag normalerweise beängstigend ruhig.
Grund dafür ist, dass Vögel panisch auf Feuerwerkslärm reagieren. Es kann vorkommen, dass sie nach dem Schock für mehrere Tage aus einem Gebiet verschwinden.
Durch die Panikreaktion sind auch Kollisionen mit Fassaden möglich. Auch nachgewiesen ist, dass Störungen wie Feuerwerk die Fortpflanzungsrate sowie die Lebensdauer von Vögeln reduzieren.
Nur «laute Minderheit» will «Knallerei»
Esther Geisser hat nach dem 1. August viele glückliche Menschen gehört.
«Ob mit oder ohne Haustier – alle Leute schätzten, wie schön und ruhig es gewesen sei», sagt sie. Die Mehrheit der Menschen wolle die Knallerei nicht, ist Geisser überzeugt. «Es ist eine laute Minderheit, welche die Knallerei will.»
Die Tierschützerin sieht im diesjährigen Nationalfeiertag gute Chancen für die Feuerwerksinitiative, die im November vors Volk kommt. Diese fordert ein Verbot für privates lautes Feuerwerk zum Wohl von Mensch und Tier. «Der 1. August hat gezeigt, dass es uns nicht schwerfällt, auf die Knallerei zu verzichten», sagt Geisser.



















