Die Spitäler im Kanton Luzern sind wegen des Coronavirus am Anschlag und bereiten sich auf die Triage vor. Der Kanton hat bereits Armee-Hilfe angefordert.
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Die Spitäler in Luzern stossen an ihre Grenzen und bereiten sich auf die Triage vor. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Spitäler im Kanton Luzern stossen an ihre Grenzen wegen Omikron.
  • Gesundheitsdirektor Guido Graf: «Es ist bereits 5 nach 12.»
  • Die Lage werde sich wegen Omikron noch weiter verschärfen.

Die Corona-Pandemie führt zu vollen Intensivstationen, das Spital-Personal ist unter Dauerbelastung. Um die Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten, eilt die Schweizer Armee zur Hilfe. In den Kantonen Freiburg, Wallis, Jura und Neuenburg helfen die Soldaten bereits in den Impfzentren aus. Bald beginnt in Freiburg und Jura auch der Spital-Einsatz.

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Auch im Kanton Freiburg hilft die Armee im Kampf gegen Corona mit. - Keystone

Nun haben drei weitere Kantone Unterstützung angefordert: Aargau, Nidwalden und Luzern. In Luzern bereitet man sich wegen der starken Auslastung der Spitäler sogar bereits auf die Triage vor, wie Vertreter des Kantons und der Spitäler in einer Medienkonferenz erklären.

Coronavirus: Triage noch nicht da, aber absehbar

Gesundheitsdirektor Guido Graf warnt eindringlich: «Es ist bereits 5 nach 12. Und die Lage spitzt sich noch weiter zu.»

Es sei davon auszugehen, dass viele Angestellte der Spitäler, Pflegeheimen und Spitex in den nächsten Wochen erkranken werden. Das Gesundheitssystem werde dadurch an ihre Grenzen stossen.

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Guido Graf ist Gesundheitsdirektor des Kantons Luzern. (Archivbild) - Keystone

«Die Triage ist noch nicht da, ist jedoch bereits absehbar», so Graf. Bereits seit Wochen würden Eingriffe verschoben, die Patienten müssten dann auf einen möglichst baldigen Termin warten und hoffen. Graf betont jedoch, die Triage werde sich auf Einzelfälle begrenzen.

«Ein Covid-Patient so aufwendig wie zehn Herz-Patienten»

Rund 90 Prozent der Patienten mit schweren Verläufen seien ungeimpft, erklärt Leiter des Pandemiestabs des Luzerner Kantonsspitals Christoph Henzen. Während der Behandlung würden Covid-Patienten enorm viele Ressourcen binden. Der Aufwand, um einen Corona-Patienten zu pflegen, sei vergleichbar mit acht bis zehn Herz-Patienten.

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Der Leiter Pandemiestab des Kantonsspital Luzern, Christoph Henzen anlässlich der Medienkonferenz zur aktuellen Covid-19 Situation und einer möglichen Triage in der Intensivmedizin bei ausserordentlichen Ressourcenknappheit im Kanton Luzern, am 28. Dezember 2021 in Luzern. - Keystone

Zurzeit herrsche Ruhe vor dem Sturm, doch die Bevölkerung werden bald mit Omikron durchseucht. Neu an Omikron sei, dass die Ansteckungen auch vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Spitäler nicht haltmache.

Wir müssten uns nur auf die sechste Omikron-Welle vorbereiten. Henzen ist überzeugt, diese werde durch die Ausfälle beim Spital-Personal charakterisiert sein. Ein Grund seien die krankheitsbedingten Ausfälle. Doch viele würden auch «ihre Masken an den Nagel hängen» aus Erschöpfung und Resignation – und dies bereits jetzt.

Guido Graf: «Wir brauchen schärfere Massnahmen!»

Viele der Behandlungen könnten vermieden werden, ärgert sich Guido Graf. Es gebe mit der Impfung ein Mittel dagegen und deshalb sei die Situation besonders frustrierend.

Der Kanton analysiere die Situation laufend und erwäge schärfere Massnahmen. Jedoch habe die Vergangenheit gezeigt, dass ein Flickenteppich nicht zum gewünschte Ergebnis führe. Wenn etwa die Clubs in Luzern geschlossen würden, weichen die Partygänger einfach auf Zürich und Aargau aus.

Befürworten Sie eine Verschärfung der nationalen Massnahmen?

Untätig bleibt der Kanton allerdings nicht. Am Standort Wolhusen werden zusätzliche Kapazitäten für Covid-Patienten geschaffen, die keine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Ausserdem haben die Spitäler beim Kantonalen Führungsstab Unterstützung durch Mitarbeitende der Armee und des Zivilschutzes angefordert. Als zusätzliche Massnahme gilt ab morgen Mittwoch ein Besuchsverbot in den Spitälern.

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