Ein 34-Jähriger soll seine Stellung als Inhaber einer Model-Agentur ausgenutzt und junge Männer sexuell bedrängt haben. Es seien viele Falschaussagen gemacht worden, sagte der Beschuldigte am Mittwoch vor dem Zürcher Bezirksgericht. Ansonsten schwieg er zu den Vorwürfen.
Bezirksgericht Zürich
Das Bezirksgericht in Zürich. - Keystone

Wie ein Anwalt eines Opfers vor Gericht ausführte, stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich erfolgt seien - es sei aber ganz anders gewesen. Es habe ein grosses Abhängigkeitsverhältnis bestanden.

Der Inhaber der Model-Agentur sei «ein Blender erster Güte», sagte der Anwalt. Er habe sich gut verkaufen können, er sei so eloquent, dass er seine Opfer von seinen Macherfähigkeiten überzeugt habe. Dann habe er sich «zu einem Sexmonster» gewandelt.

«Warum sagen so viele Personen aus, dass Sie sie auf unterschiedliche Arten im beruflichen Kontext belästigt haben?», fragte der vorsitzende Richter den Beschuldigten.

Ob er den jungen Männern wirklich gesagt habe, dass dies dazugehöre, wenn sie eine Modelkarriere machen wollten. Auf diese - und viele weiteren Fragen - antwortete der Beschuldigte mit «keine Auskunft».

Auch der Hinweis des Richters, dass er sich doch erklären könnte und dabei auch Entlastendes vorbringen könnte, änderte die Haltung des 34-Jährigen nicht.

Die Aussagen der verschiedenen Opfer seien klar, hielt der Staatsanwalt in seinem kurzen Plädoyer fest. Der Beschuldigte habe sein Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt - er habe jungen, naiven Männern vorgegaukelt, dass er der Einzige sei, der ihnen den Traum der Modelkarriere ermöglichen könne.

Der Staatsanwalt fordert, dass der Beschuldigte mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren zu verurteilen sei, wovon ein Jahr zu vollziehen wäre. Zudem beantragt er ein Berufsverbot, das mindestens für die Modebranche gelten soll.

Der Verteidiger des früheren Chefs der auch international erfolgreichen Model-Agentur pochte demgegenüber auf vollumfängliche Freisprüche, wie er zu Beginn seines Plädoyers festhielt. Dieses dauert noch an. Das Urteil dürfte noch am späten Mittwochnachmittag gefällt und eröffnet werden.

Mehr zum Thema:

Staatsanwalt Gericht