Immer mehr Ausländer reisen zum Sterben in die Schweiz

Luna Gerber
Luna Gerber

Greifensee,

Für viele Menschen ist die Schweiz das letzte Ziel. Sie kommen hierhin, um zu sterben. Besonders viele Sterbewillige kommen aus dem englischsprachigen Raum.

sterbehilfe
Schweizer Sterbehilfe zieht Menschen aus aller Welt an. Neue Organisationen drängen – nicht ohne Kontroversen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz wird zum globalen Ziel für Sterbehilfe.
  • Die meisten Sterbewilligen kommen aus den USA oder Grossbritannien.
  • Immer mehr Organisationen entstehen – und das nicht ohne Kontroversen.

Die Schweiz wird für Menschen aus aller Welt zum letzten Reiseziel. Immer mehr Personen kommen hierher, um zu sterben.

«Going to Switzerland» (Deutsch: «In die Schweiz gehen») ist in den USA und Grossbritannien zum Synonym für Sterbehilfe geworden.

Ein bekanntes Beispiel: Die US-amerikanische Bildhauerin Jackie Ferrara (†95) reiste letztes Jahr nach Nunningen SO. Dort nahm sie die Sterbehilfe der Basler Stiftung «Pegasos» in Anspruch. Zahlreiche US-Medien berichteten über Ferraras Tod.

jackie ferrara
Jackie Ferrara ist mit 95 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. - Instagram

Viele Sterbehilfe-Organisationen gelangen gemäss dem «Tagesanzeiger» mittlerweile sogar an die Grenzen ihrer Kapazitäten.

Die Nachfrage steigt stetig. Gleichzeitig entsteht ein Konkurrenzkampf um die Kunden von weit her.

Jede fünfte Person kommt aus den USA

Dignitas, gegründet von Ludwig A. Minelli (†92), ist die grösste Organisation für ausländische Sterbewillige. Sie begleitete 2024 so viele Menschen wie noch nie.

Jede fünfte von 280 Personen stammte dabei aus den USA, fast jede sechste aus Grossbritannien.

Noch höhere Zahlen weist die Organisation Pegasos auf: Sie führt jährlich bis zu 340 Freitodbegleitungen durch. Auch dort kommen die meisten Kunden von Übersee.

Schweizer Gesetz bleibt liberal

Die Schweiz gilt als besonders liberal, wenn es um Sterbehilfe geht. Das Strafgesetz untersagt die Beihilfe nur, wenn sie aus eigennützigen Motiven erfolgt.

Wer sterben möchte, muss urteilsfähig sein und den Suizid eigenständig durchführen. Eine tödliche Krankheit ist dabei nicht zwingend Voraussetzung.

Politische Versuche zur Verschärfung des Gesetzes scheiterten bisher. Der Bundesrat lehnte letzten Herbst erneut eine Rahmenregulierung ab. Diese forderte eine offizielle Aufsicht über die Organisationen.

Neue Anbieter drängen auf den Markt

Die Geschichte der Branche ist geprägt von Abspaltungen: Aus der ersten Organisation Exit entstand 1998 Dignitas. Daraus wiederum entstand Lifecircle und später Pegasos.

In den letzten Jahren entstanden mehrere neue Sterbehilfe-Organisationen.

Sterbehilfe – eine gute Sache?

Neu auf dem Markt ist The Last Resort des Australiers Philip Nitschke. Er kündigte kürzlich ein Suizid-Halsband an.

Zuvor erfand er bereits die umstrittene Suizidkapsel Sarco. 2024 sorgte sie schweizweit für Aufsehen – und für mehrere Verhaftungen.

sarco erfinder nitschke
Eine 64-jährige Amerikanerin war die erste, die mithilfe der Sarco-Kapsel ihr Leben beendete. - zVg

Zwischen den Organisationen herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf. Nitschke und Pegasos-Chef Ruedi Habegger zerstritten sich 2022.

Seither streut Exit International Zweifel an Pegasos' Arbeitsweise. Nitschke wirft seinem ehemaligen Partner vor, ein «Business-Modell» zu verfolgen.

Angehörige tappen im Dunkeln

Britische Medien etwa berichteten vermehrt über Fälle, wo Bürger der Insel auf Organisationen in der Schweiz zurückgriffen. Angehörige wurden dabei im Dunkeln gelassen – sie erfuhren erst im Nachhinein vom Tod.

Viele aufgebrachte Angehörige wandten sich an die Schweizer Behörden. Diese können jedoch nicht eingreifen, da es keine gesetzliche Pflicht für Sterbehilfeorganisationen gibt, die Familie zu informieren.

Kommentare

User #5316 (nicht angemeldet)

Das Empörende an der aktiven Sterbehilfe ist, dass damit ein Geschäft gemacht wird, obwohl bei Suizidbeihilfe laut Gesetz nur der Sterbehelfer das nicht aus finanziellen Gründen tun darf. Zudem muss nach einem begleitenden Suizid die Staatsanwaltschaft vor Ort erscheinen, und das berappt dann der Steuerzahler.

User #1976 (nicht angemeldet)

In der Schweiz wohnhafte Menschen reisen wohl kaum aus dem Ausland an um in der Schweiz zu sterben. Darf man das Wort Ausländer überhaupt noch schreiben?

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