Stadt Zürich

Im Zürcher Kreis 4 verlieren über 300 Menschen ihr Heim

Sina Barnert
Sina Barnert

Zürich,

Erneut kommt es in Zürich zu Leerkündigungen im grossen Stil. Rund um den Hardplatz im Kreis 4 verlieren in 16 Häusern über 300 Menschen ihr Zuhause.

Zürich Massenkündigungen
Über 300 Menschen müssen im Kreis 4 in Zürich (im Bild die Hardstrasse 94-96) wegen Leerkündigungen ihre Wohnungen verlassen. - Google Maps

Das Wichtigste in Kürze

  • Über 300 Menschen verlieren im Zürcher Kreis 4 bis 2030 ihre Wohnungen.
  • Grund dafür: 16 in die Jahre gekommene Wohnblöcke sollen totalsaniert werden.
  • Die Mietenden fürchten, keine preisgünstigen Alternativen zu finden.

In Zürich verlieren einmal mehr Menschen ihr Zuhause wegen Leerkündigungen.

Mitten in der ohnehin bereits angespannten Wohnsituation in der grössten Stadt der Schweiz verschwindet noch mehr günstiger Wohnraum.

Betroffen sind dieses Mal die Bewohnenden von insgesamt 16 Häusern rund um den Hardplatz im Kreis 4. Die Wohnungen sollen einer Totalsanierung unterzogen werden.

Ist dir schon einmal deine Wohnung gekündigt worden?

Dies treibt den Mietzins meist massiv in die Höhe. Das zeigt auch der Fall einer Siedlung an der Carl Spitteler-Strasse in Zürich Witikon.

Dort hat sich die Schnäppchenpreis-Miete «mehr als verdoppelt», wie ein ehemaliger Mieter gegenüber Nau.ch erzählt.

«Die Liegenschaften sind in die Jahre gekommen»

Im Zürcher Kreis 4 sind derweil insgesamt 146 Wohnungen von den Leerkündigungen betroffen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Über 300 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen.

Betroffen sind vor allem die spanische und portugiesische Community in Zürich. Die Mietenden müssen die Wohnungen bis spätestens 2030 verlassen.

Grund dafür sei der schlechte Zustand der Gebäude. Im Kündigungsschreiben heisst es dazu: «Die Liegenschaften sind generell in die Jahre gekommen.»

Die Fenster, die Elektroinstallationen und weitere Gebäudeteile müssten ersetzt werden. Eine Totalsanierung sei «unumgänglich», wenn man weitere Schäden an den Gebäuden verhindern wolle.

Mietende «fürchten sich davor, keine bezahlbare Wohnung mehr zu finden»

«Die Gebäude stammen aus den 1950ern und weisen einen schlechten bis desolaten Zustand auf», so die Immobilienverwaltung. Das zeige sich unter anderem an den in den letzten Jahren häufig aufgetretenen Wasserschäden, die nur unzureichend behoben werden konnten.

Zwar will die Verwaltung die jetzigen Mietenden bei der Wohnungssuche unterstützen. Doch eine Bewohnerin hat bereits den Widerstand gegen die Kündigungen organisiert.

Hattest du auch schon Probleme bei der Wohnungssuche?

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärt sie: «Es gibt Menschen, die hier seit über 40 Jahren wohnen. Sie fürchten sich davor, keine bezahlbare Wohnung mehr zu finden.»

Auch ihr selbst gehe es ähnlich. Und: «Ich würde sehr gern im Quartier bleiben. Aber etwas Bezahlbares zu finden, wird sehr schwierig.»

«Es geht darum, die Wohnungen danach viel teurer zu vermieten»

Wie teuer die Wohnungen nach der Sanierung sein werden, ist indes noch nicht bekannt. Aber es heisst vonseiten der Immobilienverwaltung: «Momentan ist keine komplette Veränderung des Wohnungsmixes geplant.»

Google Maps
Auch Häuser an der Eichbühlstrasse in Zürich sind von den Leerkündigungen betroffen. - Google Maps

Den Mieterinnen und Mietern nützt dies derweil wenig. Sie fragen sich: «Wieso bietet man uns nicht an, während der Baumassnahmen innerhalb der Wohnungen umzuziehen?»

Dies sei in anderen Siedlungen passiert, die in Zürich saniert wurden. Für sie ist deshalb klar: «Es geht darum, die Wohnungen danach viel teurer zu vermieten.»

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Kommentare

User #5570 (nicht angemeldet)

Auf der anderen seite hat Zürich noch genügend Einfamilienhäuser. Denn es ist ja egal ob andere platz haben, wenn es ums Eigenheim geht.

User #2468 (nicht angemeldet)

Die Auflagen der Grünen, machen eine Sanierung auch nicht kostengünstiger. Und der Haken beim Vorkaufsrecht der Stadt ist, dass sie keine Neubauten kaufen werden ( Budget ) sondern alte Wohnungen und Häuser. Da sie günstig sind für den Mieter, wird auch nichts gemacht. Das geht für eine Weile aber nicht länger. Kenne das von St.Gallen. Z.B. uralte Fenster die nie ersetzt werden und überall reinziehen. Am Schluss bezahlt man unheimlich viel Heizkosten. Soll was repariert werden, wird mit allen Mitteln versucht, die Schuld auf den Mieter abzuwälzen. Und wird nur Notbedürftig repariert Haupt Bewohner sind Studenten und solche die überall rausfliegen. Mieterschutz hilft auch nicht, weil Stadt gegen Stadt wäre.

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