Im Bosnienkrieg: Schweiz prüft Anzeigen gegen «Sniper-Touristen»

    Im Bosnienkrieg sollen reiche Kriegstouristen aus Westeuropa auf Zivilisten geschossen haben. Nun prüft die Bundesanwaltschaft, ob auch Schweizer dabei waren.

    Bosnienkrieg
    Im Bosnienkrieg Anfang der Neunzigerjahre sollen westeuropäische Kriegstouristen auf Zivilisten geschossen haben. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Bosnienkrieg soll es zu Kriegstourismus aus Westeuropa gekommen sein.
    • Reiche Leute sollen dafür bezahlt haben, auf Zivilisten schiessen zu dürfen.
    • Nun prüft die Schweizer Bundesanwaltschaft Anzeigen gegen mögliche Täter.

    Es sind grausame Szenen, die sich bei den «Sarajevo-Safaris» im Bosnienkrieg Anfang der Neunzigerjahre abgespielt haben sollen: Reiche Leute aus Westeuropa haben offenbar dafür bezahlt, während der Belagerung Sarajevos auf Zivilisten zu schiessen.

    Aus den umliegenden Hügeln sollen die «Sniper-Touristen» zur eigenen Belustigung auf die Menschen geschossen haben. In mehreren europäischen Ländern, darunter Italien, Österreich und Belgien, laufen derzeit Ermittlungen diesbezüglich.

    Noch im März hiess es auf Anfrage von Nau.ch, dass bei der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) nicht ermittelt werde. Es sei kein Verfahren zu diesem Fall eröffnet worden.

    Laut dem «Sonntagsblick» ist nach wie vor kein Verfahren am Laufen. Die BA prüft nun jedoch Anzeigen gegen mögliche Täter.

    «Wir prüfen die Anzeigen»

    Das bestätigt BA-Sprecher Maximilian Tikhomirov gegenüber der Zeitung: «Wir prüfen die Anzeigen nach dem üblichen Vorgehen.» Es sei unklar, ob ein hinreichender Tatverdacht bestehe und ob die BA für solche Fälle zuständig sei.

    Der Mailänder Autor Ezio Gavazzeni hatte bezüglich der «Sniper-Safaris» in Sarajevo mit einem kleinen Team Licht ins Dunkle gebracht.

    Anfang 2026 hat das Team um Autor Gavazzeni mit dem Buch «I cecchini del weekend» (Die Wochenendschützen) für Aufsehen gesorgt. Während vorher nur Gerüchte bestanden, befasste sich das Team in umfassenden Recherchen mit den Kriegstouristen.

    Experten zweifeln an den Menschenjagden

    Experten äusserten Zweifel an den von Gavazzeni geschilderten systematischen Menschenjagden in Bosnien und verwiesen auf Unstimmigkeiten in seinen Recherchen.

    Zwei Kronzeugen distanzierten sich später von den Darstellungen im Buch, belastbare Beweise für die Vorwürfe fehlen bislang. Gavazzeni soll auch die Schweizer Bundesanwaltschaft mit Informationen und mutmasslichen Zeugennamen versorgt haben.

    Schockieren dich die Entwicklungen rund um die «Sarajevo-Safaris»?

    Die Schweizer Bundesanwaltschaft wird prüfen müssen, ob die Verdachtsmomente für ein Strafverfahren ausreichen.

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