Vor acht Jahrzehnten hiess es in Locarno erstmals «Film ab!»

Keystone-SDA
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Locarno,

Das Locarno Film Festival macht seit 80 Jahren Kino zum Grossereignis. Gegründet wurde es 1946, der Film «O Sole Mio» eröffnete die erste Ausgabe. Und seit 1971 verwandelt es jeweils im Spätsommer die Piazza Grande in das grösste Freiluftkino Europas.

Locarno
Eine Leinwand ist im Rahmen des Filmfestivals in Locarno aufgebaut. - keystone

Kurz bevor die Sonne untergeht, tummeln sich auf Locarnos Piazza Grande seit Jahrzehnten bis zu rund 8000 Menschen für ein einmaliges Filmerlebnis. Bis heute bleibt der Kinogenuss auf der Piazza einzigartig – und erinnert in Zeiten der kleinen Screens auch an das grossartige Potenzial des Kinos.

Entstanden war der jährliche Anlass ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Da fand er noch im Park Grand Hotel Muralto statt. Seit seiner Gründung macht es sich das Festival zur Aufgabe, unzensiert avantgardistisches, provokantes und kreatives Kino zu sich zu holen.

Ein Unterfangen, dass nicht nur einfach ist. Weil 1951 die finanziellen Mittel fehlten, war dieses Jahr erst die 79. Ausgabe. Dass das Festival Gewagtes zeigte, sorgte aber auch schon für Kontroversen. In den 1960er-Jahren etwa geriet es unter Druck, weil Filmen von jenseits des eisernen Vorhangs eine Leinwand geboten wurden.

Ein Beispiel für die Wagnisse ist auch Pier Paolo Pasolinis radikaler und expliziter Film «Salò o le 120 giornate di Sodoma» («120 Tage von Sodom»), der massiver Zensur unterlag. Er wurde 1975 am Festival mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Generell spiegelte das Programm in den 70er-Jahren gesellschaftlichen Wandel, so auch die sexuelle Befreiung.

Seit den 1980er-Jahren, in der Ära, in der David Streiff, späterer Leiter des Bundesamtes für Kultur, das Festival leitete, ist das Leopardenmuster Wiedererkennungsmerkmal des Festivals. Ab den 1990er-Jahren richtete das Festival seinen Blick vermehrt auf das Nachwuchskino. So wurde beispielsweise die Sektion «Pardi di Domani» eingeführt, die sich ersten Kurz- und Mittellangfilmen junger Talente widmet.

Das war die Zeit als auch dieses Bild entstanden ist: 1991. Die 44. Ausgabe des Locarno Film Festivals fand statt und mit «Johnny Suede», dem Regiedebüt von Tom DiCillo, gewann ein Film den Goldenen Leoparden, der später für die Karriere seines Hauptdarstellers von Bedeutung sein sollte.

Realisiert hatte den Film unter anderem die Schweizer Produzentin Ruth Waldburger. Sie hatte sich dafür eingesetzt, dass ein gewisser Brad Pitt die Hauptrolle übernehmen konnte. Der Preis in Locarno half, den Film in die ganze Welt zu verkaufen.

Das Pärchen auf dem Bild wird den späteren Hollywoodstar aber nicht gesehen haben. Denn die Wettbewerbsfilme laufen in den regulären Kinosälen, während auf der Piazza Grande die am meisten erwarteten Filme des Jahres gezeigt werden. Die unterhalten nicht nur Cinephile – ausser die Müdigkeit schlägt zu.

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