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Hirntumor: Zürcher Arzt (66) wird selbst zum Patienten!

Stefan Müller
Stefan Müller

Zürich,

Seit 13 Jahren lebt Thomas Gerber mit einem Hirntumor. Trotz seiner Erkrankung arbeitet der Zürcher weiter als Arzt.

Gerber
Die Rückkehr ins Erwerbsleben schaffte Dr. Gerber nicht zuletzt dank seines Praxisteams, besonders seiner langjährigen Sekretärin Myriam Fischer. - pd

Am 8. April 2013 nahm sein Leben eine jähe Wendung. Der damals 52-jährige Thomas Gerber hatte einen epileptischen Krampfanfall.

Und ein solcher Anfall kommt in diesem Alter meist nicht aus heiterem Himmel: Die Ursache ist ein Gliom, ein bösartiger Gehirntumor, der nur schwer behandelbar ist.

700 Personen erkranken jährlich neu an einem Gehirntumor. Das sind aber weit weniger Neuerkrankungen als bei Prostata- oder Brustkrebs, mit 7800 respektive 6600 Neuerkrankungen.

Mehr als nur Glück

«Das war ein Schock – ich dachte, ich müsse bald sterben», erinnert sich der heute 66-jährige Rheumatologe, als er die Diagnose erhielt. Hirnoperation und Chemotherapie folgten.

Wenige Monate später eine Hirnblutung, ein weiterer Eingriff. «Danach hatte ich zehn Jahre Ruhe», sagt der Arzt. Gerber hatte seine Arbeit insgesamt nur wenige Wochen unterbrochen, als Rheumatologe mit eigener Praxis in Zürich.

Wie hat er das geschafft? «Ich hatte Glück», findet der Arzt. Doch da steckt mehr dahinter – er trotzte seinem Schicksal. Nach der ersten Operation war er komplett halbseitig gelähmt.

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700 Personen erkranken jährlich neu an einem Hirntumor. (Symbolbild) - keystone

«Ich wollte aber rasch wieder in meinen Beruf zurück!» Gerber kam in die Neuro-Rehabilitation nach Wald ZH – zwar nicht mehr im Rollstuhl, aber mit schwachem Arm und Bein links und monotoner Stimme seit dem Eingriff.

Dort nahm ihn eine Physiotherapeutin unter ihre Fittiche, von der ersten Stunde an mit intensiven Gehübungen. Der Ergotherapeut verlor ebenfalls keine Zeit. Mit Spritzen, Nadeln, Tupfer und Äpfeln und Orangen trainierte er mit dem Patienten Tag für Tag das Spritzen.

«So gewann ich mein Selbstvertrauen wieder», sagt Gerber. Am Schluss der Reha durfte er der eigenen Mutter Cortison in die Schulter spritzen. «Ein Erfolgserlebnis», so Gerber.

Jetzt stand Gerber nichts mehr im Wege, seine Arbeit kontinuierlich wieder aufzunehmen, wöchentlich zwei Nachmittage plus Homeoffice, die Lohneinbussen waren gedeckt durch Krankentaggelder und die Invalidenversicherung.

Die Rückkehr ins Erwerbsleben verdankt Gerber nicht zuletzt seinem hilfsbereiten Praxisteam, vorab der langjährigen Sekretärin. «Sie ist Gold wert.» Sie schirmt den Arzt vor Druck ab und filtert alles mundgerecht.

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, überfordert Gerber. Eine Erleichterung war zudem die Übergabe der Praxis an einen Kollegen. Und schliesslich griff ihm seine Familie tatkräftig unter die Arme.

Immer transparent

Wenn der Arzt selbst krank wird, fürchten sich chronischkranke Menschen oft davor, ihren vertrauten Arzt zu verlieren. «Ich war immer transparent», sagt Gerber.

Dies habe sich bewährt, wenn auch manche schockiert waren. Das Vertrauen blieb. Trotzdem muss Gerber aufpassen, dass er nicht unversehens seine Rolle wechselt, vom Arzt zum Patienten.

Deshalb reagiert er reflexartig, wenn jemand nach seinem Befinden fragt: «Mir geht es super, wie geht es Ihnen mit dem neuen Medikament?»

Der Patient ist sofort abgelenkt. Die «guten Tipps» seiner Berufskolleginnen und -kollegen waren nie ein Problem. Diese sind laut Gerber meistens zurückhaltend, einzelne haben sich zurückgezogen.

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Wenn der Arzt selbst krank wird, fürchten sich chronischkranke Menschen oft davor, ihren vertrauten Arzt zu verlieren. (Symbolbild) - keystone

Auch als Patient hat der Arzt nur gute Erfahrungen mit dem medizinischen Personal gemacht. «Wir können zufrieden sein mit unserem Gesundheitssystem», stellt er fest. Und das ist gut so, denn er hadert gelegentlich mit sich selbst, angesichts der Angst vor dem Sterben.

So überwand er seine Skepsis und nahm sich von Anfang an einen Psychiater. Gerbers Sicht aufs Leben hat sich verändert, ebenso der Stellenwert der Arbeit – er arbeite heute nur noch so viel, wie es ihm Freude mache, was dank der Pensionierung unterdessen auch gut möglich sei.

Zuversicht geschöpft

Gleichwohl holte ihn das Schicksal im Dezember 2024 wieder ein. Der Tumor war leicht gewachsen. Gerber: «Ich bin aus allen Wolken gefallen, ich spürte nichts!» Weil er aber Angst vor einem erneuten epileptischen Anfall hatte, stimmte er einer weiteren Operation zu.

Andernfalls hätte es sein können, dass der Tumor plötzlich nicht mehr operabel gewesen wäre. Der Eingriff im Frühling vergangenen Jahres ging gut. Sofortige Ergotherapie konnte die leichte, linksseitige Lähmung rasch bessern.

Zuversichtlich stimmt ihn auch ein neues Medikament, sogenannte IDH-Hemmer, die das Wachstum des Tumors bremsen sollen. Seit letzten Juni nimmt Gerber täglich eine Tablette nach dem Nachtessen, ohne nennenswerten Nebenwirkungen, nur eine leichte Müdigkeit.

Kennst du jemanden, der trotz einer schweren Krankheit berufstätig ist?

Es ist nun ein Jahr her, seit er diese IDH-Hemmer einnimmt. Eine MRI-Kontrolle vom Mai ergab stabile Verhältnisse, der Tumor wächst nicht. «Dies ist ein ausserordentlich guter Krankheitsverlauf», freut sich der Arzt.

Er habe nach wie vor keine Nebenwirkungen vom Medikament. Ebenso vom Eingriff ein Jahr zuvor habe er sich gut erholt und könne wieder mehrere Stunden wandern und arbeiten, nach wie vor in reduziertem Pensum.

Gerber: «Ich hätte mir damals beim Krankheitsausbruch nie erträumt, dass ich 13 Jahre später mein Leben in gutem Zustand weiter geniessen werde!»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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Kommentare

User #5407 (nicht angemeldet)

Alles Gute und Gesundheit Dr. Thomas Gerber !🙏♥️

User #5705 (nicht angemeldet)

Ja und andere arbeiten auch weiter und brauchen keine Publicity

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