Stadt Zürich

Zürcher Chefärztin: «Socken befeuchten und ins Eisfach legen»

Sacha Beuth
Sacha Beuth

Zürich,

Die Hitzetage belasten den Körper stark. Die Zürcher Chefärztin Christiane Meier erklärt, worauf zu achten ist und wie man sich wirksam schützt.

Christiane Meier
Dr. med. Christiane Meier weiss, wie man sich an den Hitzetagen drinnen und draussen am besten schützt. - PD

Die Hitzewelle geht mit Temperaturen von über 30 Grad weiter. Dr. med. Christiane Meier, Chefärztin Public Health der Städtischen Gesundheitsdienste Zürich, gibt Tipps, wie man gesund durch die heissen Tage kommt.

Redaktion: Ab welchen Temperaturen besteht allgemein Gefahr für den menschlichen Organismus?

Dr. med. Christiane Meier: Ab einer Körperkerntemperatur von 39 Grad wird es für den Menschen gefährlich. Entscheidend ist deshalb, wie gut der Körper auch bei hohen Aussentemperaturen seine normale Temperatur von etwa 37 Grad halten kann.

Dies hängt unter anderem ab von Vorbelastungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder von der körperlichen Aktivität.

Redaktion: Inwieweit spielt die Luftfeuchtigkeit dabei eine Rolle?

Dr. med. Meier: Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst stark, wie wir Hitze wahrnehmen und aushalten. Bei hoher Luftfeuchtigkeit können wir unseren Körper schlechter durch Schweiss-Verdunstung abkühlen. Darum sollte in Innenräumen nebst der Temperatur immer auch die Luftfeuchtigkeit beachtet werden.

Redaktion: Welche Gefahren drohen bei Überhitzung und was sind die Symptome dafür?

Dr. med. Meier: Bei Hitze versucht der Körper, sich durch Schwitzen und eine Erweiterung der oberflächlichen Blutgefässe zu kühlen. Dies belastet das Herz-Kreislauf-System und kann zu Flüssigkeits- sowie Elektrolytverlust und niedrigem Blutdruck führen.

Hitzewelle
Die Hitzewelle geht mit Temperaturen von über 30 Grad weiter. (Symbolbild) - keystone

Symptome können dann Schwäche, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen, Krämpfe oder Erbrechen sein. Bei solchen Symptomen muss der Körper sofort mit zum Beispiel kalten Umschlägen gekühlt werden und – bei Bewusstsein–Wasser getrunken werden.

Wenn keine Besserung eintritt, Notarzt rufen. Und: Kinder und Tiere dürfen bei Hitze niemals im Auto zurückgelassen werden – selbst wenige Minuten sind gefährlich.

Redaktion: Wie kühle ich meinen Körper am effektivsten und nachhaltigsten?

Dr. med. Meier: Damit wir unser körpereigenes Kühlsystem aufrechterhalten können, müssen wir ausreichend und regelmässig trinken – am besten Wasser. Als Trinkmotivation eignen sich Tee, elektrolythaltige Mineralwasser oder eine Bouillon.

Hilfreich ist auch, Arme und Beine zu kühlen, beispielsweise in dem wir diese immer mal wieder in kaltes Brunnenwasser tauchen.

Redaktion: Was ist mit duschen oder schwimmen im kalten/m Wasser?

Dr. med. Meier: Wie gut jemand kaltes Wasser erträgt, ist von Person zu Person verschieden und auch Gewohnheitssache. Wichtig ist, dem Körper Zeit zu geben, sich an die Kälte zu gewöhnen.

Springt man überhitzt ins kalte Wasser, verengen sich die oberflächlichen Blutgefässe schlagartig. Dadurch steigt der Blutdruck rasch an und das Herz-Kreislauf-System wird stark belastet.

Redaktion: Welche Kleidung und Schuhe eignen sich an heissen Tagen?

Dr. med. Meier: An heissen Tagen bewähren sich luftige, nicht anliegende Kleider. Deren Bewegung führt zu Luftzirkulation, was eine angenehme Körperkühlung bewirkt.

Wenn man sich oft draussen aufhält, sollte die Kleidung hell sein und trotzdem einen Sonnenschutz bieten. Schuhe sollten offen und leicht sein, geschlossene Schuhe aus Kunststoff eignen sich nicht.

Redaktion: Wann sollte man lüften?

Dr. med. Meier: Lüften sollte man vor allem dann, wenn es draussen kühler ist, also nachts möglichst viele Fenster öffnen, damit die Luft gut zirkulieren kann. Wenn die Temperaturen draussen ansteigen, sollten Fenster und Läden geschlossen werden.

Wichtig ist jedoch, dass die Luftfeuchtigkeit drinnen nicht zu hoch wird. Je nach Situation kann es deshalb sinnvoll sein, zwischendurch die Türe zu einem kühlen Treppenhaus oder zur schattigen Hausseite zu öffnen.

Hitzewelle
Die Hitzetage belasten den Körper stark. (Symbolbild) - keystone

Redaktion: Wie kommt man trotz Hitze zu einem erholsamen Schlaf?

Dr. med. Meier: Wie man bei erhöhten Temperaturen gut schläft, ist individuell. Manche schlafen besser ganz ohne Decke, andere nur mit einem Leintuch oder dem Bettanzug ohne Inhalt. Baumwolle wird oft als angenehmer empfunden als andere Materialien.

Schliesslich hängt die Schlafzimmertemperatur auch davon ab, wie gut es über den Tag gelungen ist, die eigenen vier Wände kühl zu halten.

Redaktion: Inwieweit kann ich mit der Ernährung und Trinkverhalten die Gefahr der Überhitzung reduzieren?

Dr. med. Meier: Wer genügend trinkt, unterstützt das eigene Kühlsystem des Körpers und verringert das Risiko einer Überhitzung. Eiskalte oder heisse Getränke werden im Verdauungssystem auf Körpertemperatur angeglichen, der Effekt von beispielsweise Eiswasser auf den ganzen Körper ist also klein.

Entscheidend ist vor allem, ausreichend und regelmässig zu trinken. Wer stark schwitzt, sollte zudem auch Elektrolyte zuführen.

Redaktion: Welche weiteren Massnahmen zur Kühlung sind in den vier eigenen Wänden empfehlenswert?

Dr. med. Meier: Feuchte Tücher können genutzt werden, um den Körper direkt auf der Haut oder indirekt durch eine Platzierung an Stellen mit Luftzug zu kühlen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch wird, da dies das Hitzeempfinden steigert.

Tagsüber sollte die Sonneneinstrahlung durch Verdunkelung gemindert und die Hitze von draussen nicht reingelassen werden.

Redaktion: Welche Massnahmen kann man bei der Arbeit im Büro ergreifen, insbesondere wenn eine Klimaanlage fehlt?

Dr. med. Meier: Da fällt mir der Tipp einer Bürokollegin ein: Socken befeuchten und ins Eisfach legen, diese dann während der Schreibtischarbeit anziehen.

Leidest du unter der grossen Hitze?

Es können auch bei engen Kniesocken die Fusspartien abgeschnitten und sie so zur Kühlung um die Waden verwendet werden. Oder die Füsse in ein Becken mit kaltem Wasser stellen. Und auch im Büro gilt: Genügend trinken!

Redaktion: Inwieweit sollte man seine Outdoor-Aktivitäten (Sport, Gartenarbeit etc.) einschränken?

Dr. med. Meier: Bei Hitze noch körperlich aktiv zu sein, fordert das Herz-Kreislauf-System zusätzlich. Wie gut das vertragen wird, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt auch vom Ort der Aktivität ab.

Während einer Hitzewelle ist es sinnvoll, solche Aktivitäten in die Morgenstunden zu verlegen. Denn obwohl abends die direkte Sonneneinstrahlung abnimmt, bleiben Hitze und Luftfeuchtigkeit oft noch längere Zeit hoch. Zudem steigen im Tagesverlauf die Ozonwerte.

Redaktion: Haben Sie noch einen weiteren wichtigen Tipp?

Dr. med. Meier: Für alleinlebende ältere Menschen kann Hitze sehr belastend sein, es ist daher gut, die Notfallnummern gut sichtbar aufzuschreiben.

Manchen fällt es auch schwer, bei hohen Temperaturen Einkäufe zu erledigen oder die Rollläden regelmässig zu bedienen. Nachbarschaftliche Hilfe kann hier eine grosse Unterstützung sein.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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Kommentare

User #9833 (nicht angemeldet)

sie würden im Eisfach kleben bleiben

User #9833 (nicht angemeldet)

ich will doch keine Blasenentzündung

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