Stadt Zürich

Zürcher Ärzte stellen 160 «Soziale Rezepte» aus

Keystone-SDA Regional
Keystone-SDA Regional

Zürich,

Schuldenberatung oder neue Wohnung auf Rezept: Die Stadt Zürich verschreibt seit einem halben Jahr so genannt «Soziale Rezepte». 160 solcher Rezepte stellten Ärztinnen und Ärzte bisher aus.

In der Stadt Zürich stellen Ärztinnen und Ärzte neu auch «Soziale Rezepte» aus. Damit sollen soziale Belastungen gelindert werden, die sich direkt auf die Gesundheit auswirken könne...
In der Stadt Zürich stellen Ärztinnen und Ärzte neu auch «Soziale Rezepte» aus. Damit sollen soziale Belastungen gelindert werden, die sich direkt auf die Gesundheit auswirken könne... - KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER

Die «Sozialen Rezepte» richten sich primär an Patientinnen und Patienten, bei denen eine medizinische Behandlung alleine keine Verbesserung bringt, etwa Long-Covid-Betroffene oder Schmerzpatienten. Bei ihnen soll der Heilungsprozess mit einem solchen Unterstützungsangebot ergänzt werden.

So etwa bei einer 40-jährigen Patientin mit starkem Müdigkeits-Syndrom durch Long Covid. Bei ihr ging die Partnerschaft durch die Erkrankung in die Brüche. Der Ex-Partner unterstützt sie und das gemeinsame Kind weiter, musste aber sein Pensum reduzieren. Per «Sozialem Rezept» boten Ärzte eine Sozialarbeiterin auf, welche die finanziellen Belange des Ex-Paares klären half.

In einem zweiten Beispiel pflegte ein etwa 60-jähriger Rheumapatient seinen an Parkinson erkrankten Vater, weil dieser eine andere Betreuung verweigerte. Per «Sozialem Rezept» boten Ärzte auch hier eine Sozialarbeiterin auf.

Verschrieben werden die «Sozialen Rezepte» in fünf Ambulatorien des Stadtspitals: in der Memory Clinic für Hirnkrankheiten, in der Long-Covid-Sprechstunde, im Rheumatologischen Ambulatorium, im Adipositas-Zentrum und in der Dermatologie an der Europaallee. Die Ärztinnen und Ärzte leiten Betroffene an so genannte «Link Worker» weiter, die dann die passenden Angebote für sie organisieren.

Im Jahr 2024 hatte das Stadtparlament für einen Pilotversuch 2,5 Millionen Franken genehmigt. Im Juli 2025 startete das Projekt. Die Stadt zeigt sich mit den ersten sechs Monaten zufrieden.

Über 160 «Soziale Rezepte» seien ausgestellt worden, teilte sie am Dienstag mit. Im Fokus standen meist soziale Belastungen, die sich direkt auf die Gesundheit auswirken können, beispielsweise ein drückender Schuldenberg oder eine problematische Wohnsituation.

65 Prozent der «Sozialen Rezepte» gingen an Frauen, 35 Prozent an Männer, wobei die meisten Patientinnen und Patienten entweder unter 34 Jahren oder dann über 50 waren. Die meisten von ihnen sind nicht oder nicht mehr erwerbstätig.

Die Idee wurde in den 1990er-Jahren in Grossbritannien entwickelt, dort unter dem Namen «Social Prescribing». Das Konzept gibt es seit einigen Jahren auch in Österreich.

Lanciert wurde das Zürcher Projekt wegen eines Vorstosses der AL. Es bestehe natürlich auch die Hoffnung, dass damit das Gesundheitswesen entlastet werden könne, sagte AL-Gemeinderat Moritz Bögli 2024 der dazugehörigen Debatte im Parlament.

Dagegen stimmten damals die Bürgerlichen. Mit den bisherigen Strukturen könnten die Bedürfnisse doch bereits abgedeckt werden, fanden sie. Das sei eine Bewirtschaftung von Luxusproblemen.

Kommentare

Weiterlesen

ICE
19 Interaktionen
Trotz Protesten
Wohnungsmangel
415 Interaktionen
Umfrage

MEHR AUS STADT ZüRICH

4 Interaktionen
Zürcher Altstadt
Absage
148 Interaktionen
«Anforderungen»
Michael Frey GC
31 Interaktionen
Jetzt offiziell
6 Interaktionen
Zürich