Zirkus Knie

Hier gastiert Circus Knie gratis – andernorts wird's teuer

Gerry Reinhardt
Gerry Reinhardt

Rapperswil-Jona,

Der Circus Knie zahlt überall andere Gebühren. In Bern sind es 35'000 Franken, in Rapperswil null. Eine Recherche zeigt: Bei den Kosten fehlt oft Transparenz.

Circus Knie
Der Circus Knie ist auf Tournee in der ganzen Schweiz unterwegs. Je nach Stadt gelten dabei sehr unterschiedliche Regeln und Kosten. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Rapperswil-Jona SG erlässt dem Circus Knie die Platzmiete.
  • Bern verlangte 2025 allein für Platz und Wiederherstellung 35'920 Franken.
  • Auch Zug und Aarau verrechneten dem Zirkus hohe Summen.
  • Knie will zu einzelnen Städten keine Angaben machen.

Der Circus Knie tourt jedes Jahr durch die Schweiz. Dabei fallen je nach Stadt sehr unterschiedliche Kosten für Platz, Strom und Infrastruktur an.

Doch: Die Unterschiede sind enorm. Und eine Stadt fällt dabei besonders auf: Rapperswil-Jona SG, die Heimatgemeinde des Circus Knie. Dort verzichtet die Stadt auf eine Platzmiete für den Traditionszirkus.

Dabei geht es nicht um einen kleinen Betrag. Laut Stadt läge die Grössenordnung bei aktuellen Tarifen sowie nach Dauer und Flächennutzung bei rund 75'000 Franken. Verrechnet wurde dieser Betrag aber nicht.

Soll eine Stadt dem Circus Knie die Platzmiete erlassen?

Begründet wird das mit Tradition und Standortpolitik. Die Regelung beruhe auf einer «historisch gewachsenen Praxis» und werde «im Sinne der Wirtschafts- und Standortförderung weitergeführt».

Andere Städte langen deutlich härter hin

Wird der Circus Knie auf Tournee also von Gemeinden mit grosszügigen Zückerchen verwöhnt? Eine exklusive Recherche von Nau.ch zeigt: Eher nicht. In mehreren Städten wird deutlich strenger verrechnet.

Besonders teuer ist das Gastspiel in Bern. Dort verlangten Stadt und Bernexpo 2025 allein für Platz, Auf- und Abbau, Spieltage sowie Wiederherstellung des Geländes insgesamt 35'920 Franken.

In dieser Summe sind Strom, Wasser, Abwasser und weitere Zusatzkosten noch gar nicht enthalten. Diese werden laut Stadt separat nach effektivem Aufwand verrechnet. Gratisleistungen habe es keine gegeben.

Auch in Zug wird der Circus Knie kräftig zur Kasse gebeten. Die bekannten Rechnungen summieren sich dort auf rund 24'000 Franken. Verrechnet wurden unter anderem Gebühren für den öffentlichen Grund, Auf- und Abbautage, Parkplatzersatz, Signalisation sowie Strom, Wasser und weitere Infrastrukturleistungen.

Aarau rechnet nach Tarif, Chur bei Strom und Wasser

Aarau liegt ebenfalls hoch. Dort kamen Platzmieten, Strom, Wasser und weiterverrechnete Leistungen auf rund 18'700 Franken. Auffällig ist dabei, dass sich die Platzmieten sehr genau an den publizierten Mietansätzen orientieren.

Auch Chur GR zeigt keine besondere Schonung. Dort liegen bisher zwar nur Rechnungen für Strom und Wasser vor, nicht aber die eigentliche Platzabrechnung. Doch selbst diese beiden Positionen summieren sich bereits auf 8451 Franken.

Circus Knie
Ein Zelt braucht Platz und ist aufwändig beim Aufbau. Hier in Zürich auf dem Sechseläutenplatz. - keystone

Solothurn nennt für 2025 eine pauschale Platzmiete von 4500 Franken. Strom und Wasser werden dort laut Stadt separat nach effektivem Verbrauch abgerechnet.

Winterthur bestätigt ebenfalls eine reguläre Verrechnung, rückte aber nicht alle Beträge heraus. Luzern wiederum koppelt die Nutzungsgebühr an den Umsatz. Dort werden vier Prozent der Bruttoeinnahmen nach Abzug der Billettsteuer fällig.

Die Beträge sind nicht überall eins zu eins vergleichbar, weil die Gastspiele unterschiedlich lange dauern und die Städte nicht dieselben Kostenblöcke offenlegen. Doch selbst auf die belegte Zeit heruntergebrochen bleibt der Unterschied deutlich: Rapperswil-Jona fällt mit dem Verzicht auf die Platzmiete klar aus dem Rahmen.

Rapperswil fällt klar aus dem Rahmen

Gerade weil mehrere Städte regulär und teils streng abrechnen, fällt Rapperswil-Jona umso stärker auf. Dort gilt auch 2026 voraussichtlich wieder ein ähnliches Modell.

Die Stadt macht aus der Sonderrolle keinen Hehl. Sie schreibt: «Die Familie Knie hat ihre Wurzeln in Rapperswil-Jona, und der Hauptsitz des Unternehmens ist bis heute hier.»

Weiter heisst es: «Diese Verbundenheit gehört zur kulturellen Identität von Rapperswil-Jona.»

Circus Knie
Der Circus Knie in Rapperswil-Jona. - keystone

Rapperswil begründet die Sonderbehandlung auch mit «publikumswirksamen Anlässen», die zur «Belebung und Vielfalt des öffentlichen Lebens» beitragen.

Damit zeigt sich: Für den Traditionszirkus gelten in der Schweiz keineswegs überall dieselben Spielregeln. Während einzelne Städte den öffentlichen Raum, Infrastruktur und Wiederherstellung konsequent verrechnen, zeigt sich Rapperswil deutlich kulanter.

In einer Ostschweizer Stadt läuft die Entlastung diskreter

Nicht überall wird Unterstützung so offen gewährt wie in Rapperswil. In einer weiteren Ostschweizer Stadt wurden offiziell keine Gebühren erlassen. Gleichzeitig zeigt die Antwort der Stadt, dass ein Teil der Kosten intern als Kulturbeitrag weiterverrechnet und dem Kulturbudget belastet wurde.

Das zeigt: Unterstützung kann sehr unterschiedlich aussehen. Mal offen über eine nicht verrechnete Platzmiete, mal indirekt über interne Budgettöpfe.

Beim Strom beginnt das grosse Schweigen

Während mehrere Städte Platzmieten, Werkhofleistungen oder Wiederherstellungskosten offenlegen, wird es beim Strom rasch intransparent. Oft verweisen die Verwaltungen auf externe Werke oder eigenständige Energieversorger.

Warst du schon einmal im Circus Knie?

Gerade dort stösst die Recherche an Grenzen. Selbst einfache Angaben dazu, ob regulär abgerechnet wurde und in welcher Höhe, bleiben teils unter Verschluss. Begründet wird dies mit Datenschutz und Kundengeheimnis.

Auch in St. Gallen zeigt sich dieses Muster. Die Stadt nennt ihr Modell bei der Platzmiete offen. Für das Gastspiel auf dem Festplatz werden vier Prozent der Bruttoeinnahmen fällig, mindestens aber 50 Franken pro Tag.

Dazu kommen Gebühren für Absperrungen sowie für Reinigung und Reparaturen. Beim Strombetrag bleibt es dagegen still.

Chur zeigt, dass Offenlegung möglich ist

Wie weit der Widerstand gehen kann, zeigte der Fall Chur. Dort verweigerte der lokale Versorger die Herausgabe der Rechnungen zunächst unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse.

Circus Knie
Ein Arbeiter auf der Kuppel am Circus Knie-Zelt beim Aufbau. - keystone

Erst nach einem formellen Verfahren wurden die Unterlagen herausgegeben. Sichtbar wurden eine Stromrechnung über 20'820 Kilowattstunden für 7652.20 Franken sowie eine Wasserrechnung von fast 800 Franken. Der Adressat blieb geschwärzt. Die Zahlen selbst lagen aber offen.

Gerade das wirft Fragen auf. Wenn anonymisierte oder teilweise geschwärzte Unterlagen in Chur zugänglich sind, weshalb sollen ähnliche Angaben anderswo grundsätzlich tabu sein?

Knie schweigt zu den konkreten Fällen

Der Circus Knie will die konkreten Fälle nicht kommentieren. Auf Nachfrage teilt die Medienstelle mit, man äussere sich «grundsätzlich nicht zu einzelnen Städten, konkreten Vereinbarungen oder internen Abrechnungsmodalitäten.»

Stattdessen verweist der Zirkus allgemein auf unterschiedliche gesetzliche Grundlagen, lokale Zuständigkeiten und individuell festgelegte Rahmenbedingungen. In einer ersten Sammelantwort schrieb die Medienstelle zudem, «pauschale Vergleiche zwischen einzelnen Städten» seien «nicht zielführend».

Circus Knie
Geraldine Knie beim Finale des diesjährigen Programms in Rapperswil. Zur aktuellen Gebührenpraxis der Städte will sich die Familie Knie nicht näher äussern. - keystone

Die eigene Rolle beschreibt Knie so: Man führe als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen Gastspiele unter den geltenden Bedingungen durch und suche mit den Austragungsorten «partnerschaftliche Lösungen».

Gerade die heiklen Fragen bleiben damit offen. Warum entfällt für Knie hier die Platzmiete, während andernorts hohe Beträge fällig werden?

Mühsame Recherche, zähe Antworten

Auffällig ist nicht nur der Gebührenflickenteppich, sondern auch die Transparenz. Manche Städte lieferten Rechnungen und Angaben relativ offen. Andere antworteten ausweichend, unvollständig oder erst nach mehrmaligem Nachhaken.

Besonders zäh verlief die Recherche in Zürich. Dort blockten die zuständigen Stellen, und nach dem Verweis auf das Öffentlichkeitsrecht meldete sich sogar ein Anwalt bei der Redaktion.

Das macht den Fall politisch heikel. Sind öffentliche Plätze und Infrastruktur betroffen, stellt sich die Frage, warum manche Städte entlasten und andere kassieren.

Kommentare

User #1244 (nicht angemeldet)

Zirkus ist von gestern; nicht mehr zeitgemäss.

User #1462 (nicht angemeldet)

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