Gletschergefahr – Bewohner von Randa VS: «Gehört zur Tagesordnung»
Am Hängegletscher Weisshorn Ost über dem Walliser Dorf Randa nehmen die Bewegungen zu. Unten im Tal ist man informiert – und nimmt es gelassen.

Das Wichtigste in Kürze
- Über Randa VS bröckelt der Hängegletscher am Weisshorn – die Überwachung wurde erhöht.
- Am Rande des Walliser Dorfes darf ein definiertes Gebiet nicht mehr betreten werden.
- In der Bevölkerung bricht dadurch keine Unruhe aus – man ist sich der Gefahren von oben bewusst.
Der Hängegletscher Weisshorn Ost, oberhalb des Walliser Dorfes Randa, bröckelt. Weil weitere Abbrüche möglich sind, wurde die Überwachung auf Stufe 3 erhöht. Eine Zone am Rande des Dorfes darf derzeit nicht betreten werden – Wohnhäuser sind nicht betroffen.
Anwohner bleiben ruhig
Bislang fanden keine Eisbrocken den Weg bis ins Mattertal hinunter. Im Dorf nimmt man die trotzdem bestehende Gefahr ruhig zur Kenntnis.
«Für uns hier ist das eigentlich nichts Neues», sagt ein Anwohner zu SRF. «Es gehört hier ein bisschen zur Tagesordnung, dass das Jahr durch ab und zu etwas herabfällt oder in Bewegung ist.»
Eine Anwohnerin meint, man lebe in Randa schon seit Jahren mit solchen Gefahren. «Ich habe keine Angst.»
Ein weiterer Walliser kommentiert: «Passierts, passierts. Da kann überall etwas geschehen.»
Abbruch-Prognose schwierig
Die Bewegungen am Gletscher beobachte man schon seit Juni genau, teilte die Gemeinde am Dienstag mit. Nun sei es aber zu einer «deutlichen Zunahme der Bewegungen und Beschleunigungen» gekommen.
Weitere Abbrüche sind möglich. Wegen der «aktuell schlechten Wetterbedingungen» gebe es derzeit aber «keine verlässliche Einschätzung der Abbruchvolumen».
Am Rande des Dorfes im Walliser Mattertal verhängte die Gemeinde eine Sperrzone. Das Betreten dieses Gefahrenperimeters ist verboten, da weitere Abbrüche bis dorthin reichen könnten. Die Wohnhäuser von Randa sind davon nicht betroffen.
Die Zugstrecke, die durch das gesperrte Gebiet führt, wird dank eines Frühwarnsystems weiterhin genutzt.

Bereits in der Vergangenheit sorgte die Natur in Randa für Gefahren – und tödliche Vorfälle. Neben Lawinen kam es 1991 zu einem grossen Bergsturz, bei dem Häuser und Tiere begraben wurden. Menschen kamen damals nicht ums Leben.
Glaziologe: Besser im Sommer als Winter
Ob es zum gröberen Gletscherabbruch kommt oder nicht – im Sommer fiele er wohl harmloser aus als im Winter. Das erklärt der emeritierte ETH-Professor Martin Funk gegenüber SRF.
«Es ist für die Sicherheit des Dorfes und Tals sicher günstiger», sagt Funk. «Im Sommer ist die gesamte Lawinenbahn vom Gletscher bis ins Dorf schneefrei. Das heisst, die Reibung ist entsprechend hoch und die Reichweite der Lawine wird kürzer.»













