Gemeindepräsident von Crans-Montana VS bricht sein Schweigen
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, hatte 126 Tage zur Brandkatastrophe in seiner Gemeinde geschwiegen. Am Mittwochabend äusserte er sich erstmals wieder öffentlich zu der Sache.

In wenigen Tagen werde er sich anlässlich einer Bürgerversammlung direkt an die Bürgerinnen und Bürger wenden, sagte er gegenüber dem Lokalfernsehsender Canal 9. Es sei wichtig, transparent Bilanz zur Angelegenheit zu ziehen. Dabei gehe es darum, zu erläutern, wie die Gemeinde seit dem 1. Januar funktioniert habe «und wie die Zukunftsaussichten aussehen».
Diese Bürgerversammlung vom 16. Juni könnte auf Antrag der Versammlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, also ohne Anwesenheit von Medienschaffenden, stattfinden. Er könne die Verärgerung einiger Mitbürgerinnen und Mitbürger nachvollziehen, da sie sich durch den Medienrummel beeinträchtigt gefühlt hätten, sagte er. Er werde sich aber gegen einen Ausschluss der Öffentlichkeit einsetzen.
Rücktritt steht nicht zur Debatte
Seit dem 1. Januar wurden verschiedene Forderungen zum Rücktritt von Féraud laut, insbesondere in italienischen Medien – «als ob mein Rücktritt irgendetwas wieder gutmachen könnte», sagte er. Aufzugeben wäre Feigheit, wäre Desertion, so Féraud weiter. «Ich wurde gewählt, um die kommunalen Angelegenheiten zu regeln, in guten wie in schlechten Zeiten.» Ein Rücktritt stehe nicht zur Debatte.
«Im Gemeinderat sind wir so eng verbunden wie nie zuvor, auch wenn nichts mehr so sein wird wie früher», so der Gemeindepräsident weiter. Wenn es um die Verantwortlichkeiten von ihm und dem Mitangeklagten Gemeinderat Patrick Clivaz gehe, würden sie den Saal verlassen. Derzeit drehe sich ein Grossteil der Arbeit um die Folgen der Katastrophe – insbesondere in Sachen Sicherheit, Beziehungen zur Justiz und zu den Familien.
Mit erneuter Vernehmung gerechnet
Am 21. April dieses Jahres wurde Féraud im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlungen fast 12 Stunden lang vernommen. «Ich bin erleichtert, dass ich mich endlich vor den Staatsanwältinnen äussern konnte», sagte er. «Es war lang und nicht wirklich angenehm. Ich werde wahrscheinlich erneut vernommen werden.»
Einige Stunden nachdem er den Vernehmungsort verlassen hatte, traf sich der Gemeindepräsident auf einen Kaffee mit einem anderen Beschuldigten, dem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde, der zwei Tage nach ihm vorgeladen werden sollte. Es war ein Treffen, das für viel Aufsehen sorgte.
Vorwurf der Absprachen zurückgewiesen
«Ich habe nichts Illegales getan», nahm sich Féraud in Schutz. Es sei ein normaler Akt der Freundschaft, des Respekts und der Unterstützung gewesen und keine Form der Absprache. «Hätten wir etwas anzetteln wollen, hätten wir vier Monate Zeit dafür gehabt.» Die Wahrheit werde von der Justiz festgestellt werden.
Bleibt die Frage nach den wirtschaftlichen Auswirkungen der Katastrophe vom 1. Januar für die Gemeinde Crans-Montana. «Derzeit gibt es keinerlei Absicht, die Steuern zu erhöhen», sagte Féraud. «Was das Risiko einer Insolvenz der Gemeinde angeht, wird die Zukunft zeigen.» Das Zivilverfahren dürfte mindestens fünfzehn Jahre dauern und die Gemeinde laufe Gefahr, in dieser Zeit keine Rücklagen bilden zu können. Eines ist für den Gemeindepräsidenten aber sicher: «Eine Zwangsverwaltung wäre völlig sinnlos.»










