Hörbehinderte oder gehörlose Menschen wurden vergangenes Jahr so oft diskrminiert wie noch nie. Der Schweizerische Gehörlosenbund stellt deshalb Forderungen.
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Eine Person trägt ein Hörgerät. - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • 127 Fälle von Diskriminierung hat der Schweizer Gehörhosenbund 2022 registriert.
  • Die Zahl ist so hoch wie noch nie zuvor.
  • Hörbehinderte oder gehörlose Menschen sollen nun tatsächliche gleichgestellt werden.

Der Schweizerische Gehörlosenbund hat im vergangenen Jahr 127 Fälle von Diskriminierung bearbeitet. Das sind so viele wie nie zuvor. Die Organisation fordert nun vom Bund Massnahmen für eine tatsächliche Gleichstellung von hörbehinderten oder gehörlosen Menschen.

2022 verdoppelte sich die Zahl von Diskriminierungen gegenüber Gehörlosen im Vergleich zu 2017, wie der Schweizerische Gehörlosenbund am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt.

Dieser Trend bestätige den Bericht des Uno-Ausschusses für Menschen mit Behinderungen vom vergangenen Jahr, wonach die Schweiz die Rechte von Menschen mit Einschränkungen noch auf allen Staatsebenen und in der Gesellschaft verletze, kritisiert die Organisation.

Bei Arbeit, Bildung und Gesundheit

Am meisten Diskriminierungen wurden laut dem Verband erneut in den Bereichen Arbeit und Bildung und Gesundheit registriert. Obwohl diese Bereiche zentral seien, würden Menschen mit Behinderungen immer noch zu oft wissentlich ausgeschlossen und ihnen Rechte und Chancen verwehrt, moniert der Gehörlosenbund.

Die Finanzierung von Gebärdensprachedolmetscherinnen – und dolmetschern ist nach Ansicht des Verbands ein zentraler Ansatzpunkt, um die Situation von hörbehinderten und gehörlosen Menschen in der Schweiz zu verbessern. Gehörlose Menschen seien darauf angewiesen, in der Gebärdensprache kommunizieren zu können.

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Gehörlose Menschen betteln nicht auf der Strasse, sondern kämpfen für ihre gesellschaftliche Integration, wie der Schweizerische Gehörlosenbund betont. (Symbolbild) - sda - Keystone/DPA/ARNE DEDERT

Nur so könnten sie gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, betont die Organisation. Zu häufig werde ihnen dieser Zugang jedoch verwehrt. Als Beispiel für dieses Problem erwähnt der Verband die Gesundheitsversorgung.

Wohl rund 10‘000 Menschen in der Schweiz vollständig gehörlos

Der Gehörlosenbund fordert den Bundesrat auf, den Auftrag des Parlaments zur Schaffung eines Gebärdensprachegesetzes zur Anerkennung der Gebärdensprache und zur Gleichstellung hörbehinderter Menschen umzusetzen. National- und Ständerat hatten 2022 eine entsprechende Motion gutgeheissen. Im Gegensatz zur Mehrheit der europäischen Länder gehört die Schweiz zu den Staaten, welche die Gebärdensprache noch nicht ausdrücklich anerkennen.

Die Zahl der hörbehinderten und gehörlosen Menschen in der Schweiz ist nicht bekannt, da keine Statistik zu Behinderungsarten erhoben wird. Man geht jedoch von rund 10‘000 vollständig gehörlosen Personen aus. Bis zu 600‘000 Personen sind leicht bis hochgradig schwerhörig und gelten als hörbehindert.

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