Peter Schellenberg ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren verstorben. 16 Jahre lang war er der Fernsehdirektor von SRF.
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Peter Schellenberg ist im Alter von 81 Jahren verstorben. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Peter Schellenberg ist im Alter von 81 Jahren verstorben.
  • Schellenberg war von 1988 bis 2003 Direktor beim Schweizer Fernsehen.
  • Während dieser 16 Jahren beim SRF baute er den Sender grundlegend um.

Der frühere Direktor des Schweizer Fernsehens, Peter Schellenberg, ist tot. Im Alter von 81 Jahren starb der Zürcher am Donnerstag. Er war von 1988 bis 2003 im Amt – so lange wie keiner seiner Vorgänger. In 16 Jahren baute er das damalige SF DRS grundlegend um.

SRG-Mediensprecher Edi Estermann bestätigte der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Samstagabend den Hinschied der prägenden Figur der Schweizer Medienlandschaft. Zuvor hatte die «NZZ am Sonntag» über den Todesfall berichtet.

Gewählt worden war SP-Mitglied Schellenberg 1987 als Überraschungskandidat. Wegen seines Images als Linker befürchteten Bürgerliche definitiv die «linke Machtergreifung» beim öffentlich-rechtlichen TV. Sein Image streifte der zum Fernsehdirektor avancierte langjährige TV-Journalist und Moderator jedoch schnell ab.

Mit einem Gespür für TV-Trends verpasste der gelernte Speditionskaufmann dem öffentlich-rechtlichen Sender ein neues Erscheinungsbild. Er modernisierte den Sender durch für die Schweiz noch ungewohnte Sendungsformate.

Schellenberg entwickelte mehrere SRF-Formate

«Schälli», wie er von Kollegen genannt wurde, setzte mit Sendungen wie «10vor10» auf Infotainment. Komplexe Sachverhalte sollten attraktiv und unterhaltend an die Zuschauerinnen und Zuschauer gebracht werden.

SRF Schellenberg
Schellenberg war bis 2003 bei SRF tätig. - Keystone

Livesendungen oder eigenproduzierte Soaps brachten die notwendige Publikumsnähe, um im Kampf gegen die Privatsender zu bestehen. Zuschauerquoten wurden zum Damoklesschwert über den meisten Sendungen.

Fernsehdirektor Schellenberg führte unter anderem den Infokanal ein und setzte auf Eigenproduktionen wie «Viktors Programm» und «Lüthi und Blanc». Auch die langjährige Sendung «Sternstunde Philosophie» wurde unter seiner Ägide ins Leben gerufen. Und die tiefgreifende Strukturreform von 1992 brachte den notwendigen unternehmerischen Handlungsspielraum.

Budget bei SRF verfiervacht

In seiner Amtszeit vervielfachte sich die Zahl der Konkurrenzsender auf 50. SF DRS konnte jedoch dank des Modernisierungsschubs den hohen Marktanteil von 42 Prozent halten. In der Zeit Schellenbergs vervierfachte sich das Budget von SF DRS auf rund eine halbe Milliarde Franken.

Seine einsame Stellung im Schweizer TV-Markt verdankt Fernsehdirektor Schellenberg allerdings auch der SRG-freundlichen Politik. Promotoren sprachregionaler und nationaler Privatsender kämpften in den 90er Jahren vergeblich für liberalere Werbegesetze oder um einen Anteil am Gebührenkuchen.

Den Rest besorgten die wirtschaftlichen Turbulenzen, womit SF DRS fast konkurrenzlos in der Schweizer TV-Landschaft stand. Und weil sich Schellenberg 1997 mit seinem Konzept eines Senders auf zwei Kanälen beim Bundesrat definitiv durchsetzte. Somit konnte SF DRS danach mit doppelter Kraft um die Gunst der Zuschauer buhlen.

Freier Journalist und Fotograf

Der 1940 in Zürich geborene Schellenberg hatte nach seiner kaufmännischen Lehre als freier Journalist und Fotograf gearbeitet. 1964 stiess er zum Schweizer Fernsehen.

Schellenberg
Peter Schellenberg hat zuvor als Journalist und Fotograf gearbeitet. - Keystone

Er machte mehrere Auftragsfilme, unter anderem für die deutsche Bundeswehr und Hilfswerke. Daneben leitete er mehrere Sendungen im Schweizer Fernsehen («Antenne», «CH», «DRS-aktuell») und hatte verschiedene Stabsfunktionen in der Fernsehdirektion. Schellenbergs Nachfolgerin in der Fernsehdirektion wurde Ingrid Deltenre.

Nach der Pensionierung lebte Schellenberg laut «NZZ am Sonntag» in Zürich und Marseille. Er hinterlässt eine Frau und zwei Söhne.

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