«Etikettenschwindel»: SRF-Chef nahm zwei Wochen Sabbatical
SRF-Chefredaktor Tristan Brenn nennt seine zweiwöchige Auszeit ein Sabbatical. Ein HR-Experte hält das für irreführend und stellt klare Regeln infrage.

Das Wichtigste in Kürze
- Tristan Brenns zweiwöchiges «Sabbatical» sorgt in der Fischer-Affäre für neue Fragen.
- HR-Experte Buckmann sagt: Ein echtes Sabbatical dauert Monate, nicht Wochen.
- Er nennt die Bezeichnung für Brenns kurze Auszeit eher Etikettenschwindel.
Aus der Affäre Patrick Fischer ist längst eine zweite geworden. Der ehemalige Schweizer Eishockey-Nationaltrainer verlor seinen Job, nachdem bekannt wurde, dass er sich ein Covid-Zertifikat fälschen liess. Aufgedeckt hatte den Fall SRF-Journalist Pascal Schmitz.
Doch danach geriet Schmitz selbst ins Zentrum der Debatte. Die «Weltwoche» veröffentlichte alte Facebook-Posts von ihm, teils mehr als 15 Jahre alt, teils rassistisch. Moderator Schmitz wurde daraufhin bei SRF vorerst vom Bildschirm genommen.
Auch seinen Job als Stadionspeaker der Rapperswil-Jona Lakers gab er ab.
Während sich die Empörung verlagerte, blieb einer auffallend lange still: SRF-Chefredaktor Tristan Brenn.
Warum schwieg Brenn fast zwei Wochen?
Fast zwei Wochen lang äusserte er sich öffentlich nicht. Als er es schliesslich tat, erklärte er sein Schweigen mit einem «seit langem geplanten Sabbatical». Gleichzeitig betonte er, er sei «in alle Entscheide zur Berichterstattung über Patrick Fischer eingebunden» gewesen.
Nau.ch wollte es genau wissen. Und erfährt von SRF: Brenn sei «ein zweiwöchiges Sabbatical im Rahmen der vertraglichen Konditionen gewährt» worden.
Der Grund sei, dass Sabbaticals «einen Perspektivenwechsel erlauben und neue Inputs für die Tätigkeit geben». Weitere Auskünfte erteile man dazu nicht.
Doch was ist ein Sabbatical überhaupt? Und kann eine zweiwöchige Auszeit als solches gelten?
HR-Experte zerlegt das Zwei-Wochen-Sabbatical
HR-Experte Jörg Buckmann ordnet klar ein: «Ein Sabbatical unterscheidet sich fundamental von Ferien.»
Ferien seien gerade für Führungskräfte oft keine echte Abkoppelung vom Tagesgeschäft. Ein Sabbatical solle dagegen genau das ermöglichen: «Wirklich runterfahren, Distanz gewinnen, Energie tanken und Raum schaffen für neue Ideen.»
Entscheidend sei dabei die Dauer. Buckmann sagt: «Die relevante Einheit sind Monate, nicht Wochen.» Üblich seien mindestens ein Monat, oft aber auch sechs oder zwölf Monate.
Sein Urteil über Brenns zweiwöchige Auszeit fällt entsprechend deutlich aus: «Zwei Wochen als Sabbatical zu bezeichnen, ist eher ein Etikettenschwindel als Realität.»

Für Buckmann geht es aber nicht nur um die Länge. Ein Sabbatical müsse gut vorbereitet sein. Die Stellvertretung müsse «glasklar geregelt» werden.
Tristan Brenns Stellvertreter Gregor Meier liess sich aber auch nur im SRF-«Club» zum Fall Fischer einspielen und sass nicht im Studio.
Ebenso braucht es für Buckmann klare Regeln für Krisenfälle: Wann wird die abwesende Führungskraft informiert? Bei welchen Ereignissen muss sie wieder eingreifen?
Gerade in der Affäre Fischer/Schmitz ist das ein zentraler Punkt. Denn Brenn war zwar offiziell im Sabbatical, nach eigener Aussage aber dennoch in die Entscheide eingebunden.
In der Krise war Brenn trotzdem an Bord
Für Buckmann ist das kein Widerspruch – solange es um Ausnahmen geht. «Ein Sabbatical bedeutet nicht, dass eine Führungsperson vollständig abtaucht», sagt er.
«Vom operativen Alltag – ja. Aber bei strategischen Entscheidungen oder ernsthaften Krisen ist es aus meiner Sicht selbstverständlich, dass sie wieder in Charge kommt.» Dann sei die Auszeit «faktisch unterbrochen.»
Buckmanns Fazit: «Ein Sabbatical ist kein verlängerter Urlaub, sondern eine bewusst gestaltete Auszeit mit klaren Spielregeln.»
Genau diese scheinen im Fall Brenn gefehlt zu haben. Damit bleibt offen: War es wirklich ein Sabbatical – oder wurde eine kurze Abwesenheit mit einem grossen Begriff versehen?
Übrigens: SRG-Chefin Susanne Wille «plant kein Sabbatical», wie die SRG gegenüber Nau.ch erklärt. Sie «ist auf die unternehmensweite Transformation der SRG im Rahmen von Enavant fokussiert».















