«Ernst nehmen»: Schweizer Linksextreme wollen «KI kurzschliessen»

Im Kampf gegen KI seien «verfügbare Mittel» legitim, kündigen Linksextreme an. Ein Extremismus-Forscher sagt: Wir müssen die Drohung «ernst nehmen».

KI
Die Gruppierung «Aufstände der Allmende» plant, die KI kurzzuschliessen. - Screenshot Instagram / keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine linksextreme Schweizer Gruppierung kündigt Widerstand gegen KI an.
  • Für Juli ist in Schaffhausen ein Protestcamp gegen neue Datenzentren geplant.
  • Auch militante Aktionen schliesst die Gruppierung nicht aus.
  • Ein Experte sagt, wie hoch das Radikalisierungs-Potenzial bei KI ist.

Der Begriff «Künstliche Intelligenz» sei «pure Propaganda». «KI ist nicht intelligent, sondern einfach ‹Statistik auf Steroiden›.»

Das Zitat stammt aus einem Aufruf auf dem linksextremen Portal «Barrikade». Die Schweizer Gruppierung «Aufstände der Allmende» kritisiert dort den KI-Hype scharf.

Mit den Vorwürfen geizt sie dabei nicht. KI sei ein «Brandbeschleuniger für die Klimakrise», eine «Überwachungs- und Kriegstechnologie» und fördere die «Ausbeutung des Globalen Südens».

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Ein maskierter Mann ruft zum Widerstand gegen KI auf. - instagram/@aufstaende.der.allmendes

Die KI sei «ein Angriff von Staat und Kapital gegen uns alle». Entsprechend ruft die Gruppierung zum Widerstand auf.

Auf der Website teilt sie eine Karte mit möglichen «Angriffspunkten» – darunter etwa Rechenzentren – und fordert: «KI kurzschliessen».

Bislang gab es erste Schmierereien – unter anderem beim Schweizer Google-Büro in Zürich.

Linksextreme: «Alle Mittel legitim»

Gegenüber Nau.ch erklärt Aktivist Laurent von «Aufstände der Allmende»: «Der Ausbau von KI-Infrastruktur muss gestoppt werden.»

Neben Protesten und «kreativen Aktionen» – gemeint sind wohl Störaktionen – nennt Laurent auch «militantere Formen von Widerstand».

Dabei wird er deutlich: «Wo die persönlichen Grenzen von selbstorganisierten Aktionen aus der Bevölkerung liegen, müssen alle für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich halten wir alle verfügbaren Mittel für legitim.»

Heisst also: Die linksextreme Gruppierung hält auch Vandalismus, Sabotage oder sogar Gewalt für legitim.

Linksextreme legten Berliner Stromnetz lahm

Ein Blick ins Nachbarland Deutschland zeigt, wie das ausgehen kann: Dort kommt es immer wieder zu Sachbeschädigungen und Brandanschlägen gegen kritische Infrastrukturen und Wirtschaftsunternehmen.

Laut dem deutschen Inlandsgeheimdienst, dem sogenannten Verfassungsschutz, verursachen Linksextremisten jährlich Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe.

Das bekannteste Beispiel dafür ist der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar, der einen grossen Stromausfall zur Folge hatte.

Berlin
Dunkle Strasse im Berliner Stadtteil Lichterfelde: Linksextreme griffen im Januar 2026 das Berliner Stromnetz an. - keystone

Auf Anfrage von Nau.ch zum KI-Kurzschluss-Aufruf der Schweizer Gruppierung warnt Extremismus-Forscher Dirk Baier: «Auch in der Schweiz ist davon auszugehen, dass linksextreme Gruppierungen eine Bereitschaft aufweisen, Gewalt gegen Sachen einzusetzen.»

Seine Empfehlung: «Ich würde den Aufruf daher in jedem Fall ernst nehmen. Ich würde prüfen, wie sich die Gruppierungen in nächster Zeit äussern und vernetzen.»

Mit einem Gewaltausbruch rechnet Baier aber nicht, da es in der Schweiz in der Regel ruhiger bleibt als anderswo. «Wachsam sollten wir aber in jedem Fall sein.»

Linksextreme sind im Visier des Nachrichtendienstes

Die Zahlen des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) zeigen: 2024 gab es in der Schweiz 196 linksextremistisch motivierte Ereignisse – 60 davon waren gewaltsam.

Die meisten Fälle sind laut Baier Sachbeschädigungen, die zwar «zweifellos ärgerlich» seien.

Doch: «Die Sachbeschädigungen haben durchschnittlich einen geringeren Wert. Ich gehe daher nicht davon aus, dass diese sich zu Schäden in Millionenhöhe summieren.»

Linksextremismus
Der NDB verzeichnet mehr linksextremistische Ereignisse als rechtsextremistische. - NDB

Der Extremismus-Forscher sagt, dass das Radikalisierungs-Potenzial auf der linken Seite bei der KI derzeit noch schwer einschätzbar sei.

Baier erklärt: «Wie bei jeder neuen Technologie ist auch KI erstmal weder gut noch schlecht. Sie eröffnet neue Optionen und die Menschen müssen am Ende entscheiden, wie sie eingesetzt wird.»

Doch: Wenn sie vor allem Freiheit einschränkt und politische Meinungen unterdrückt, werde der Widerstand wahrscheinlich wachsen. «Bis hin zu gewaltsamem Widerstand.»

So weit müsse es aber nicht kommen: «Wenn die Entscheidungsträger sich dafür entscheiden, KI umsichtig und verantwortungsvoll einzusetzen, wird der Aufstand gegen die KI ausbleiben.»

Widerstandscamp in Schaffhausen geplant

Die Gruppierung «Aufstände der Allmende» hält zwar alle Mittel für legitim, ruft bislang jedoch nicht direkt zu Gewalt auf. Erst einmal ist ein «Widerstandscamp» Anfang Juli in Schaffhausen geplant.

Dieses soll sich gegen den Ausbau an Datenzentren richten. Dabei soll es sich um einen «zugänglichen Raum handeln, wo verschiedene Menschen für Programm, Austausch und für den Bewegungsaufbau zusammenkommen».

Die Schaffhauser Polizei teilt auf Anfrage mit, dass ihr der Aufruf bekannt sei. Sie stehe mit den Gemeinden in Kontakt.

Schmierereien
Bei diesen Schmierereien soll es nicht bleiben. - Screenshot Telegram

Auch dem Fedpol ist der Aufruf bekannt. «Nach dem derzeitigen Informationsstand betreffen die geplanten Aktionen in erster Linie private Unternehmen. Die Zuständigkeit liegt daher bei den kantonalen Behörden.»

Nur, wenn kritische Infrastruktur bedroht wird, könne eine Zuständigkeit des Bundes in Betracht kommen.

«Aufstände der Allmende» betont gegenüber Nau.ch jedoch, dass sich die Kritik gegen «Tech-Oligarchen wie Peter Thiel oder Elon Musk» richte.

«Die Schweiz rollt ihnen dabei den roten Teppich aus: Sie hat bereits eine der höchsten Dichten an KI-Datenzentren weltweit. Und in den nächsten drei Jahren sollen mindestens zehn weitere gebaut werden», sagt Laurent.

Diese würden «gewaltige Mengen an Energie und Trinkwasser» verbrauchen.

Kapitalismus-Kritik trifft auf Umweltbedenken

Dirk Baier sieht bei der KI-Schelte zwei Kritiklinien, die zusammenkommen. «Einerseits ist das weniger die Kritik an KI, sondern an der kapitalistischen Verwertung der KI.»

Der Gedanke dabei: «Die KI wird von Unternehmen eingesetzt, um den Menschen zu schaden.» Durch das Sammeln von Daten werde einerseits viel Geld verdient und andererseits die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt, so die Kritik.

Wie bist du gegenüber KI eingestellt?

Die zweite Kritiklinie sei der Umweltschutz, so Baier. «Für das Betreiben von KI braucht es grosse Mengen an Energie.» Dabei dürfte der Strom aus erneuerbaren Quellen nicht ausreichen.

«Aufgrund des grossen Energiehungers der KI-Unternehmen wird unter anderem über neue Kernkraftwerke diskutiert. Gerade die Kernkraft war von Beginn an im linken Spektrum eine stark kritisierte Energiequelle», weiss der Experte.

Eine Ipsos-Umfrage aus dem Herbst 2025 zeigte die Skepsis gegenüber KI in der Schweizer Bevölkerung auf: 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie gegenüber KI-Produkten und -Dienstleistungen eher Nervosität empfinden.

Kommentare

User #1647 (nicht angemeldet)

Also Queerfeministische Terroristen?

User #5245 (nicht angemeldet)

Ach Kindes.... ihr dürt sehr gerne diese Ansicht vertreten, ihr dürft auch gerne persönlich auf KI verzichten, ihr dürft sie hassen, verachten, aber... ihr habt kein Recht, diese Entscheidung für andere zu treffen. Das ist der Unterschied zwischen Demokratie und Terrorismus.

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