Droht Pandemie? So ansteckend ist das gefährliche Hantavirus

Patient Null oder Isolation: Diese Ausdrücke zum Hantavirus lassen Corona-Erinnerungen hochkommen. Wie gefährlich ist das Virus für die Schweiz und die Welt?

Hantavirus
Pflegerinnen und Pfleger treffen in Praia auf den Kapverden ein, um Patienten des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius zu evakuieren. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In Zürich wird ein Mann wegen des Hantavirus behandelt. Sein Zustand ist «stabil».
  • 29 Passagiere verliessen das Schiff bei einem Zwischenstopp – darunter dieser Schweizer.
  • Droht nun eine Pandemie? Virologin Isabella Eckerle schätzt ein.

Die Meldung am Mittwoch liess aufhorchen: Ein mit dem Hantavirus infizierter Mann wird am Unispital in Zürich (USZ) behandelt.

Er ist einer der Passagiere, die sich auf dem Atlantik-Kreuzfahrtschiff Hondius befanden und nun das Virus in sich tragen.

«Der Patient ist seit Eintritt am 4. Mai ins Spital stabil», schreibt Mediensprecher Moritz Suter vom Unispital Zürich am Donnerstag auf Anfrage von Nau.ch.

Hast du Angst, dich mit dem Hantavirus anzustecken?

Heute wurde ebenfalls bekannt: Der Schweizer hatte das Schiff am 24. April bei einem Zwischenstopp in St. Helena verlassen. Zusammen mit 28 weiteren Passagieren. Dies war gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falles.

Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verliess auf der Insel das Schiff. Etwa zwei Wochen zuvor war bereits ihr Mann an Bord gestorben. Ein Deutscher verstarb ebenfalls.

Bis 45 Tage in Zürich in Quarantäne

In Zürich wurde der Patient von Beginn weg mit den erforderlichen Schutzmassahmen betreut, so USZ-Sprecher Suter. «Der Patient hatte Krankheitssymptome, passend zu einer Hantavirus-Infektion: leichte Verminderung des Allgemeinzustands, leichtes Fieber, Gliederschmerzen, Husten.»

Er wurde in Isolation gebracht. «Die Isolation entspricht dem Protokoll, das wir bei anderen Viren mit respiratorischem Übertragungspotential anwenden.»

Dies beinhalte die Unterbringung in einer Einheit mit kontrollierter Lüftung, gesicherten Zugängen und persönlichem Schutzmaterial für das Personal.

Suter erklärt: «Die Quarantäne ist strikt und muss bis maximal 45 Tage aufrechterhalten werden.»

Warst du damals in Corona-Quarantäne?

Wie gefährlich ist diese Infektion nun für sein Umfeld und die Bevölkerung in der Schweiz? «Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist grundsätzlich möglich», so Suter. Selbst naher Kontakt im gemeinsamen Haushalt führe nach aktuellem Wissensstand jedoch nur in wenigen Fällen zu einer Infektion.

Eine Infektion mit der amerikanischen Hantavirus-Variante Andes erfolge normalerweise durch Kontakt mit dem Kot von Nagetieren.

Droht Epidemie oder gar Pandemie?

Begriffe wie «Patient Null», «Isolation» und «Virus-Übertragung» wecken böse Erinnerungen an die Corona-Pandemie.

Das BAG sieht aber keine erneute Pandemie kommen. Es hält «das Auftreten weiterer Fälle in der Schweiz für unwahrscheinlich.» Das Risiko für die Bevölkerung in der Schweiz sei deshalb gering.

Denn die Übertragungen erfolgen gemäss BAG «nur bei engem Kontakt». Doch was heisst «eng» genau?

Hantavirus
Die Atlantik-Kreuzfahrt der MV Hondius endete im der Katastrophe. - keystone

Als es in der Vergangenheit zu Mensch-zu-Mensch Übertragungen gekommen sei, «standen diese in der Regel im Zusammenhang mit engem und längerem Kontakt, wie sie zwischen Haushaltsmitgliedern oder Lebenspartnern stattfinden», erklärt BAG-Mediensprecher Simon Ming gegenüber Nau.ch.

Zudem scheine die Übertragung «am wahrscheinlichsten in der frühen Krankheitsphase zu sein, wenn das Virus am ansteckendsten ist.»

Die genauen Hintergründe, wie es zu den Ansteckungen auf dem Schiff gekommen sei, sei jedoch noch Gegenstand der Untersuchungen, so Ming.

Virologin zeigt sich nicht beunruhigt

Die Genfer Virologin Isabella Eckerle war schon bei der Coronavirus-Pandemie an forderster Front mit dabei.

Sie sagt: «Die Gefahr für die Bevölkerung ist sehr gering. Ich rechne nicht mit dem nächsten Pandemie-Virus.»

Aufgrund der komplexen Situation mit Reisenden, die zu verschiedenen Zeiten auf dem Schiff waren, halte sie es aber für vorstellbar, dass noch weitere Personen in den kommenden Tagen diagnostiziert werden. Oder dass noch Infektions-Cluster auftreten mit Personen, die in engem Kontakt mit Erkrankten waren.

Isabella Eckerle
Virologin Isabella Eckerle rechnet beim Hantavirus nicht mit dem nächsten Pandemie-Virus. - keystone

Deswegen sei es wichtig, dass eine schnelle und intensive Aufarbeitung der epidemiologischen Situation stattfindet und Verdachtsfälle schnell getestet werden können. «Wie dies gestern an unserem Zentrum geschehen ist.»

Auch Manuel Schibler, verantwortlicher Arzt am Labor für Virologie der Genfer Universitätsspitäler, schätzt das Risiko einer weitreichenden Epidemie als gering ein, wie er gegenüber Keystone-sda erklärt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigt, dass die Infektionsgefahr klein sei und dass dies nicht mit dem Coronavirus zu vergleichen sei. Nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen sei eine Ansteckung möglich.

Seuchen-Experte mahnt zu Vorsicht

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mahnt dennoch zu Vorsicht. Sie ruft zum Handeln gegen die Ansteckung auf. Und empfiehlt, Massnahmen zur Prävention und Kontrolle der Infektionen zu ergreifen.

Menschen mit möglichen Symptomen sollten sich Blut- oder PCR-Tests unterziehen.

Hantavirus
Das Hantavirus kann von einem grippeähnlichen Verlauf bis zu schweren Atemwegserkrankungen oder hämorrhagischem Fieber reichen. - Screenshot/X

Auch der reine Blick auf die Inkubationszeit reiche nicht aus: Diese beträgt laut ECDC in der Regel zwei Wochen, könne aber zwischen sieben Tagen und sechs Wochen schwanken.

Deshalb gelte es auch nach Wochen noch, wachsam zu bleiben, so Hofmann. Und sich nicht an einem reinen Zeitraum zu orientieren, sondern etwa auch an Symptomen und Testergebnissen.

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Kommentare

Butler Bloch

Skeptiker hamstern schon wieder Pferdesalbe.

Sledge Hammer

Wir sollten diese Virus und die WHO im Blick behalten.

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