Die Rütlifeier im Banne von Trachten und einem roten Käppi
Trachten und Kleidung sind an der Bundesfeier auf dem Rütli im Zentrum gestanden. Bundespräsident Guy Parmelin bezeichnete in seiner Ansprache zum 1. August die lebendigen und vielfältigen Traditionen als ein Fundament der Schweiz.

Nach Angaben der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), welche die Feier organisierte, kamen am Samstag über 1100 Personen auf das Rütli. Mehrere Hundert trugen eine Tracht. Ehrengast war dieses Jahr nämlich die Schweizerische Trachtenvereinigung, die vor hundert Jahren in Luzern gegründet worden ist.
Die äusserst vielfältigen Trachten sorgten an der Feier für Farbtupfer. Hauben und Strohhüte bei den Frauen, lange und knielange Hosen bei den Männern, elegante Schuhe mit Schnallen und klobige Zoccoli waren zu sehen. Schon auf der Fahrt über den See von Brunnen SZ zum Rütli sorgten einige Trachtenleute für Stimmung und schwangen zu live gespielter Ländlermusik das Tanzbein.
«Kleider machen Leute», sagte SGG-Präsident Anders Stokholm zur Begrüssung. Denise Hintermann, Präsidentin der Schweizerischen Trachtenvereinigung und Trägerin einer Aargauer Festtracht, sagte, die Tracht sei für sie nicht nur ein Kleid. Mit der Tracht sei sie Teil von etwas Grösserem und einer Geschichte, «die wir heute fortschreiben».
Auch Bundespräsident Parmelin nahm Bezug auf die Trachten. Tradition bleibe lebendig, wenn Menschen sie – auch im wörtlichen Sinne – tragen würden, erklärte er. Kleidung mache sichtbar, «wer wir sind, woher wir kommen oder wozu wir uns zugehörig fühlen», sagte Parmelin. Die Schweiz kenne nicht nur viele Kleidersprachen, sondern auch Landessprachen, Regionen und Traditionen. «Diese Vielfalt trennt uns nicht.»
Nicht nur die Kleidung, auch das Rütli erzählt für Parmelin von Herkunft und Zugehörigkeit. Es erzähle, dass die Schweiz nie wegen ihrer Grösse gross gewesen sei, sondern wegen ihres Willens, das eigene Schicksal selbst zu bestimmen.
Das Rütli sei weder ein Palast noch eine Festung, sagte Parmelin. «Es ist eine einfache Wiese.» Sie zeige, dass in der Schweiz die Menschen im Zentrum stünden. Die Schweiz ruhe nicht auf einer Person oder Institution, sondern auf Millionen Menschen, die täglich Verantwortung übernehmen würden.
Das Rütli zeige auch, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam stärker seien als allein, sagte der aus der Waadt stammende Bundespräsident. Die Schweiz sei nicht nur ein Erbe, sondern auch eine Verantwortung, die jede Generation aufs Neue übernehmen müsse. «Egal welche Kleider sie tragen. Ob Tracht, Anzug, kurze Hosen oder rote Baseball-Kappe», sagte Parmelin, und schwenkte sein berühmtes «Switzerland – Great Since 1291»-Käppi.
Parmelin hatte sich das Käppi bereits übergezogen, als er die Rütliwiese betrat. Der Beifall und «Bravo»-Rufe der auf ihn wartenden Menge waren ihm gewiss. Später erklärte der Bundespräsident, dass das Käppchen nicht seine Idee gewesen sei, sondern von Präsenz Schweiz stamme, welche zum Aussendepartement gehört. Er bezeichnete das Käppi als «Augenzwinkern» gegenüber den USA.










