Die Post druckt Casino-Werbung jetzt sogar auf Wartezetteli
Die Post druckt Casino-Werbung neu auch auf Ticket-Zettel für die Warteschlange. Das sorgt für Kritik – die Post verteidigt ihr Vorgehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Post druckt weiter Casino-Werbung auf Quittungen und Ticketzettel.
- Das Unternehmen sagt, es müsse die Werbung zulassen. Der Bundesrat stützt die Post.
- SP-Nationalrat Ueli Schmezer fordert nun strengere Regeln.
Wer bei der Post etwas aufgibt, schaut oft genau auf die Quittung. Viele bewahren sie sogar sorgfältig auf. Genau das macht sich die Post zunutze.
Seit über einem Jahr verkauft die Post Werbeflächen auf ihren Quittungen. Zu den auffälligsten Kunden gehören Schweizer Casinos.
Doch Die Werbung sorgt für Kritik.
Bereits im März 2025 sagte die Stiftung «Sucht Schweiz» zu Nau.ch: «Wir bedauern, dass solche Werbung möglich ist.»
Der Grund: «Jede Art von Geldspielwerbung kann einen Einfluss auf die Absicht, um Geld zu spielen, sowie auf das Spielverhalten haben. Gerade Bonus-Versprechungen stellen ein Risiko dar.»
Jetzt erscheint die Werbung sogar auf den Wartezetteln
Trotz der Kritik druckt die Post die Casino-Werbung weiterhin auf ihre Quittungen.
Neu kommt sogar eine weitere Werbefläche dazu: Die Tickets, die man beim Anstehen in den Postfilialen lösen muss, um bedient zu werden.
Nau.ch weiss: Bis Ende 2025 nutzte die Post diese Fläche teilweise für Eigenwerbung. Seit Anfang Jahr können auch externe Werbekunden darauf Werbung schalten.
Das sorgt bei SP-Nationalrat Ueli Schmezer für Unverständnis.

Er sagt zu Nau.ch: «Statt auf Werbung auf den Quittungen zu verzichten, die ganz offensichtlich auch Jugendliche erreicht, setzt die Post noch einen drauf.»
Für ihn ist klar, dass die Wartezettel sogar noch problematischer sind.
«Eine Quittung schmeisst man vielleicht direkt weg. Auf das Nummernzetteli schaut man x-mal, während man wartet und Zeit hat, zu schauen, was da draufsteht.»
Sein Fazit: Die Post habe aus der Kritik «nichts gelernt».
Die Post weist die Vorwürfe zurück
Die Post verteidigt ihr Vorgehen.
Sprecherin Silvana Grellmann erklärt gegenüber Nau.ch: «Die Post ist verpflichtet, bei der Nutzung von Werbeflächen in ihren Filialen die Gleichbehandlung sowie das Willkürverbot einzuhalten.»
Konkret bedeute das: «Solange Werbung keine strafbaren Äusserungen, Verstösse gegen andere Gesetzesvorschriften oder überwiegende Einschränkungen von Grundrechten Dritter enthält, darf die Post keine Vorauswahl der Werbeinhalte treffen.»
Anders gesagt: Die Post darf legale Werbung nicht einfach ablehnen.
Verboten sind laut Post nur bestimmte Inhalte, etwa Werbung für Spirituosen oder Tabakwaren sowie sittenwidrige oder gesetzeswidrige Inhalte.
Darum stünden die Werbeflächen grundsätzlich allen Interessierten offen.
Bundesrat stützt die Haltung der Post
Schmezer hatte das Thema bereits im vergangenen Jahr nach Bern gebracht.
Mit einer Anfrage an den Bundesrat wollte er wissen, wie die Regierung die Casino-Werbung auf Post-Quittungen beurteilt.
Die Antwort fiel im Sinne der Post aus: Würde sie bestimmte legale Werbekunden ausschliessen, könnte das als Diskriminierung gewertet werden.
Für Schmezer ist das aber keine überzeugende Erklärung. «Man wolle niemanden diskriminieren, ist für mich eine Ausrede», sagt er. Er findet die Haltung der Post «immer noch daneben».
Der Berner Nationalrat ist überzeugt: «Die Post könnte auch anders handeln. Denn der Bund als Eigner schreibt ihr eine Unternehmensstrategie vor, die sich nicht nur ans Gesetz hält. Sondern auch ‹an moralische Prinzipien›.»
Die Post bleibt jedoch bei ihrer Haltung und betont, dass sie alle gesetzlichen Vorgaben einhalte.
In seiner Antwort verwies der Bundesrat auch darauf, dass das Geldspielgesetz derzeit evaluiert wird. Dabei geht es insbesondere auch um die Auswirkungen auf den Schutz vor den Gefahren des Geldspieles. Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet.
Casino-Verband sieht anderes Problem
Auch der Schweizer Casino-Verband verweist darauf, dass bei der Casino-Werbung in der Post sämtliche Gesetze eingehalten werden.
Gegenüber Nau.ch betont Geschäftsführer Mathias Moser: «Für die legalen und lizenzierten Schweizer Casinos ist der Schutz der Spielerinnen und Spieler ein zentrales Anliegen. Wir wollen ein sauberes, verantwortungsvolles Spiel und sind uns der Risiken des Geldspiels bewusst.»
Er verweist auf den Spielerschutz-Kodex, den alle lizenzierten Schweizer Casinos einhalten.
Illegale Online-Anbieter sind das Problem
Moser ergänzt: «Zugleich nehmen wir den Hinweis ernst, den der Bundesrat im selben Schreiben anbringt: Dass Werbung die Attraktivität des Spiels erhöhen und die Risikowahrnehmung mindern kann. Und dass gerade junge und vulnerable Personen dafür anfällig sind.»
Das grösste Problem sieht der Verband jedoch bei illegalen Online-Anbietern aus dem Ausland. «Dort fehlen Sozialkonzept, Früherkennung und Sperrsystem vollständig», warnt er.

Und weiter: «Für viele Spielende ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, welches Angebot legal und welches illegal ist. Dass die legalen, kontrollierten Anbieter überhaupt sichtbar sind, ist deshalb kein Widerspruch zum Spielerschutz, sondern ein Beitrag dazu.»
Schmezer fordert strengere Regeln
SP-Politiker Ueli Schmezer will die Diskussion nun weiterführen.
Seine Forderung ist klar: «Die Glücksspiel-Werbung darf Jugendliche nicht erreichen. Punkt. Das muss die Forderung sein.»
Als Vorbild nennt er die Niederlande. Dort gilt grundsätzlich ein Verbot für Glücksspiel-Werbung zum Schutz von Minderjährigen. Erreicht die Werbung viele Jugendliche, müssen Werbetreibende nachweisen, dass mindestens 95 Prozent der erreichten Personen über 24 Jahre alt sind.
Der SPler meint: «Damit wäre der Fall der Post erledigt.»
Die Post will sich zu diesem Vorschlag nicht äussern. Sie verweist darauf, dass solche Regeln Sache der Politik seien.
«Ob diese Regeln verschärft werden sollen, entscheidet der Gesetzgeber. Sollte der Gesetzgeber die Vorgaben ändern, wird die Post diese umsetzen», schreibt die Post zu Schmezers Vorschlag.
















