Lindt

Deutsche boykottieren reduzierte Lindt-Hasen

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Zürich,

Nach Ostern bieten die Supermärkte unter anderem den Lindt-Schoggihasen zum Spottpreis an. Deutsche Kunden zeigen den Angeboten die kalte Schulter.

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Roman Sommer aus Deutschland hätte die Osterprodukte lieber vor dem Fest günstig angeboten bekommen. - Instagram/romansommer.sportphysio

Das Wichtigste in Kürze

  • Den Lindt-Goldhasen gibt es in den Läden inzwischen zum halben Preis.
  • «Sollen sie darauf schön sitzen bleiben», schreibt eine deutsche Kundin.
  • Grossverteiler verteidigen die Preise.

Die Grossverteiler stecken noch mitten in den Ostern. Die Regale sind rund eine Woche nach dem Fest voller Schokoladenhasen, Eili und Pralinés. Beim Preis ist aber alles anders.

Die Grossverteiler bieten die Produkte zum halben Preis an. Selbst den teuren Lindt-Goldhasen gibt es jetzt zum Spottpreis.

Zur Erinnerung: Vor Ostern schmiss ein Hamburger Supermarkt die goldenen Hasen aus dem Sortiment. Wegen des Preises blieb er auf den Hasen sitzen. Knapp zehn Franken kostet ein solcher in der Schweiz.

Ärgert es dich auch, wenn vorher teure Schoggi nach Ostern plötzlich 50 Prozent günstiger angeboten werden kann?

«50 Prozent – hättet ihr euch vorher überlegen können», wirft Roman Sommer nun den Läden vor.

Er ist Betreiber einer Sportphysiotherapie in Deutschland und zählt auf Instagram über 130'000 Follower. Im Video dazu richtet er die Kamera auf Regale voller vergünstigter Lindt-Hasen. «Die Preise waren so bodenlos!», schimpft er.

«Für dumm verkaufen!»

Die deutschen User lassen sich von den Rabatten nicht verlocken.

Sie habe keine Schokoladenhasen gekauft und werde auch keine zum halben Preis kaufen, schreibt eine Userin.

«Sollen sie darauf schön sitzen bleiben.» Ein User schreibt: «Selbst die 50 Prozent können sie behalten.»

Eine Userin ruft auf: «Boykottieren, wir brauchen sie auch nicht reduziert.»

Jemand kritisiert: «Die glauben wohl, sie können uns für dumm verkaufen!» Zuerst würden Wucherpreise verlangt und nach Ostern würden 50 Prozent Rabatt draufgepackt.

Ähnlich ärgern dürften sich Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten, die sich zu Ostern keine Schoggihasen leisten konnten.

Migros betont: Hasen-Preise vor Ostern sind fair

Was sagen die Schweizer Detailhändler dazu?

Die Migros setzte vor Ostern gezielt auf Aktionen, die den Hauptumsatz förderten, sagt Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir auf Anfrage.

Vergünstigungen nach Ostern seien eine etablierte Praxis, um Restbestände abzubauen. «Und gleichzeitig eine Gelegenheit für preisbewusste Kundinnen und Kunden zu schaffen.»

Die Produkte bereits vor Ostern günstiger anzubieten, hält die Migros aber nicht für prüfenswert.

Die Migros orientierte sich an Erfahrungswerten und Marktpreisen, sagt die Mediensprecherin. Vor Ostern werde die Schokolade zu fairen Preisen und durch gezielte Angebote zu einem attraktiven Aktionspreis angeboten.

«Vergünstigungen nach Ostern dienen dem Abbau von Restbeständen und sind daher sinnvoll, um auch Food-Waste zu verhindern.»

Coop macht darauf aufmerksam, dass Kundinnen und Kunden vor Ostern von diversen Aktionen auf Osterschokolade hätten profitieren können. «Beispielsweise von 30 Prozent auf das gesamte Ostersortiment der Marke Halba», sagt Mediensprecher Kevin Blättler.

Konsumentenschützerin versteht Aufregung nicht

Die Präsidentin des Konsumentenforums versteht die Aufregung um die Rabatte nach Ostern nicht. Es handle sich um einen völlig normalen Vorgang, sagt Babette Sigg zu Nau.ch. «Nach allen Feiertagen werden Produkte vergünstigt abgegeben.»

Sie zählt Schoggi-Samichläuse, Adventskerzen, Tiefkühl-Chinoise, Erst-August-Fähnchen und -Girlanden als Beispiele auf. Auch Airlines orientierten sich an den Feiertagen. «So spielt der Markt, und es nennt sich Angebot und Nachfrage.»

Doch: Bekanntlich ist die Lust, Osterprodukte zu kaufen, vor dem Fest grösser als danach.

Kaufst du reduzierte Osterschoggi?

Einem Bedürfnis entsprächen die angebotenen Produkte nach Ostern vermutlich nicht gerade, sagt Babette Sigg.

«Aber warum nicht ein vergünstigtes Produkt, das einwandfrei ist, kaufen?» Es handle sich um Schokolade ohne unmittelbares Verfalldatum, einfach in einer speziellen Form.

Rest-Schokolade geht an Bedürftige

Osterschokolade, die übrig bleibt, landet nicht im Abfall. Etwa die Stiftung Schweizer Tafel sammelt pro Jahr mehrere Tonnen Osterschokolade «im zweistelligen Bereich» und verteilt diese an Bedürftige.

«Wir sammeln nebst bei den Grossverteilern auch Osterschokolade direkt bei Herstellern ein», sagt Roger Biedermann. Er ist Mediensprecher der Stiftung. «Dabei handelt es sich meistens um Ware aus Fehlproduktionen.»

Die Schweizer Tafel schätzt, dass die Menge an Osterschokolade unabhängig der abgebenden Stellen über die Jahre insgesamt leicht zugenommen hat.

Kommentare

User #2468 (nicht angemeldet)

Ich kaufe für mich , auch immer nach Ostern. Nur jenen die ich was schenken möchte nicht. Als Mittagstisch Deko kaufte ich oft den kleinen Goldigen, mit dem hat ja die Geschichte, angefangen, aber diesmal kam er nicht auf den Tisch. 10,- dafür gebe ich nicht aus. Und kann unsere Nachbarn verstehen, dass sie es nun boykottieren. Der Kons.schutz scheint nicht zu verstehen, um was es geht.

User #788 (nicht angemeldet)

Ich kaufe aus Prinzip keine Lindtschoggi- Goldhasen und Eili, da alle im Ausland produziert werden ( Deutschland (4)und Italien (8 ) Ländererkennungszahl! Man hat hier soviel gute Schokoladeproduzenten, da will ich auch diese Arbeitsplätze erhalten!!!!!

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