Stadt Zürich

    Darum ist die Erbschaftssteuer in der Schweiz so günstig

    Samantha Reimer
    Samantha Reimer

    Zürich,

    Seit Jahrzehnten sinkt die Erbschaftssteuer in der Schweiz. Historische Entwicklungen und steuerpolitischer Wettbewerb erklären diesen Trend.

    Erbschaftssteuer Bescheid
    Die Erbschaftssteuer wird im internationalen Vergleich äusserst unterschiedlich gehandhabt. (Symbolbild) - Keystone

    Die Schweiz stimmt am 30. November über eine nationale Erbschaftssteuer ab. Bisher regeln die Kantone, wie Erbschaften besteuert werden.

    Juso will Abgaben einführen

    Laut dem «SRF» will die Juso mit ihrer Initiative Abgaben auf Vermögen ab 50 Millionen Franken einführen. Gegnerinnen und Gegner warnen vor einer Abwanderung reicher Erblasser.

    Die Erbschaftssteuer hat in der Schweiz eine lange Entwicklung hinter sich. Das «SRF» berichtet, dass Erben heute im Schnitt nur ein Drittel jenes Betrags zahlen, der 1990 üblich war.

    Wirtschaftshistorikerin Gisela Hürlimann erklärt, dass der Rückgang stark mit dem Steuerwettbewerb der Kantone zusammenhängt.

    Steuerwettbewerb als zentraler Faktor

    Besonders in den 1990er- und 2000er-Jahren verschärfte sich der Konkurrenzkampf der Kantone. In vielen Regionen wurde die Erbschaftssteuer für Ehegatten und direkte Nachkommen aufgehoben.

    erbschaftssteuer
    Die Erbschaftssteuerinitiative der Juso fordert einen Steuersatz von 50 Prozent ab einer Summe von 50 Millionen Franken bei Nachlass und Schenkungen. (Archivbild) - keystone

    Dies geschah im Zuge der Steuerharmonisierung von 1990. Ironischerweise sollte diese Reform ursprünglich mehr Gerechtigkeit schaffen.

    Doch die Harmonisierung enthielt keine Vorgaben für Erbschaftssteuern. Damit konnten die Kantone diese Steuern eigenständig senken oder gar abschaffen, erläutert Hürlimann gegenüber dem «SRF».

    Historische Wurzeln der Erbschaftssteuer

    Die Idee, vererbtes Vermögen zu besteuern, stammt aus der Zeit der Französischen Revolution. So wurde die Erbschaftssteuer 1798 auch in der Helvetischen Republik eingeführt.

    Ziel war es, unverdientes Vermögen stärker zu belasten. Dieser Gedanke blieb bestehen, verlor im Verlauf des 20. Jahrhunderts aber an politischer Unterstützung.

    Findest du die Forderung von der Juso sinnvoll?

    Konservative Kreise und wirtschaftsliberale Kräfte setzten sich in den Kantonen zunehmend durch.

    Abschaffung durch die Hintertür

    Laut einer Analyse von «Social Change Switzerland» wurden die Erbschafts- und Schenkungssteuern in den letzten drei Jahrzehnten schrittweise gesenkt.

    Für direkte Nachkommen entfielen sie weitgehend. Der wirtschaftliche Wettbewerb machte eine Erhöhung der Abgaben unattraktiv.

    Gleichzeitig wuchs die Ungleichheit: Immer mehr Privatvermögen stammen heute aus Erbschaften statt aus Arbeitseinkommen, wie das «SRF» hervorhebt.

    Linke fordert Wende

    Die Juso-Initiative will nun Vermögen ab 50 Millionen Franken stärker belasten. Für sie ist die Erbschaftssteuer ein Mittel gegen wachsende Vermögensungleichheit.

    erbschaftssteuer
    Die Juso-Erbschaftssteuer findet beim Bundesrat keine Unterstützung. (Symbolbild) - Depositphotos

    Konservative Parteien lehnen den Eingriff ab und befürchten Standortnachteile.

    Die Abstimmung Ende November wird zeigen, ob die Schweiz ein neues Kapitel in ihrer langen Geschichte der Erbschaftssteuer aufschlägt.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #1449 (nicht angemeldet)

    Vermögensungleichheit kann man mit 100% Arbeiten ausgleichen. Die Erbschaft wurde ja schon etwa dreimal versteuert.

    User #1148 (nicht angemeldet)

    Die Frage ist die: Kann der Staat mit meinem selbst verdienten Geld besser umgehen als ich?

    Weiterlesen

    Service Citoyen
    2 Interaktionen
    Vorlagen
    Schweizer Franken
    63 Interaktionen
    Bundesrat
    Erbschaftssteuer Bescheid
    29 Interaktionen
    Zankapfel
    Amorana
    Abwechslung

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    FC Zürich Kamberi Kosovo
    4 Interaktionen
    Nati-Premiere
    SMI
    Rückgang
    GC
    6 Interaktionen
    Kellerduell
    17 Interaktionen
    Stadt Zürich