Darum gibts trotz guter Warnsysteme viele Lawinen-Tote
Die Technik wird besser, die Prognosen präziser – und trotzdem fordern Lawinen jedes Jahr Todesopfer. Ein Experte sieht die Gründe vor allem in der Schneedecke.

Das Wichtigste in Kürze
- 125 Menschen sind diesen Winter in Europa durch Lawinen ums Leben gekommen.
- Auch in der Schweiz haben die Schneemassen 15 Tote gefordert – trotz Warnsystemen.
- Ein Experte erklärt, warum der ausgeprägte Altschnee das Problem ist.
Die aktuelle Wintersaison hat eine düstere Bilanz: Mindestens 125 Menschen sind in Europas Gebirgen durch Lawinen ums Leben gekommen. Es ist eine der tödlichsten Saisons der vergangenen Jahre.
Nur 2017/18 gab es in Europa noch mehr Lawinen-Todesopfer, nämlich 147.
Am Samstag starben im Südtirol erneut zwei Skitourengänger.
Auch die Schweiz bleibt nicht verschont. Seit Oktober haben Lawinen hierzulande 15 Todesopfer gefordert. Die Zahlen stammen vom European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss verschiedener Lawinenwarndienste.
Dabei werden die Warnsysteme laufend präziser, die Informationslage verbessert sich stetig. Und dennoch kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Woran liegt das?
Schwierige Schneedecke als Hauptursache
Für Benjamin Zweifel, Lawinenprognostiker am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), ist die Ursache klar: «Hauptsächlich ist der Grund in der Schneedeckensituation.»
«Wir haben verbreitet ein ausgeprägtes Altschneeproblem, das selbst für Experten sehr schwierig einzuschätzen ist», sagt er gegenüber Nau.ch.
Doch wie kommt dieses «Altschneeproblem» überhaupt zustande? «Meist bilden sich Schwachschichten in langanhaltenden Schönwetterperioden», erklärt Zweifel.
Als sogenannte «Schwachschichten» werden brüchige und lockere Schichten innerhalb der Schneedecke beschrieben. Sie gelten als Sollbruchstelle für Lawinen, also dort, wo der Schnee zu rutschen beginnt.
Instabile Schichten im Schnee
Laut Zweifel entstehen diese kritischen Schichten durch eine sogenannte «aufbauende Schneeumwandlung».
Dabei verändern sich die Schneekristalle durch Temperaturunterschiede. Es entstehen kantige, schlecht verbundene Körner, die kaum Stabilität bieten. Genau dieses Phänomen sei in den Monaten Dezember und Januar verbreitet aufgetreten.
«Wir haben derzeit eine durchschnittliche Anzahl Todesopfer, aber überdurchschnittliche Anzahl erfasster Personen», sagt Zweifel und ergänzt: «Wir haben schon einen Winter mit vielen Lawinenunfällen.»
Keine generelle Verschärfung der Lage
Trotz der aktuellen Zahlen sieht der Experte keine langfristige Verschlechterung.
Die Zahl der Todesopfer nehme über die Jahre hinweg nicht zu, betont Zweifel. «Obwohl immer mehr Leute im winterlichen – potenziell lawinengefährdeten – Gelände unterwegs sind.»
«Das heisst, dass viele Leute auch gute Entscheidungen fällen und die Grundlagen durchaus nützlich sind.» Dennoch bleibt die Arbeit an den Prognosen zentral. Ausbildung, Prävention und Rettung sollen weiter verbessert werden.














