Lawine: Daran stirbt man - und so überlebt man sie
Neuschnee heisst oft auch: Erhöhte Lawinengefahr. Zuletzt ist es gleich zu mehreren tödlichen Unfällen gekommen. Was eine Lawine so gefährlich macht.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer wieder sterben Menschen in Lawinen. Zuletzt gab es gleich mehrere Unfälle.
- Eine Expertin erklärt, was Lawinen so tödlich macht.
- Die meisten Opfer ersticken. Einige sterben wegen Kollisionen, etwa mit Bäumen.
Anfang Januar stirbt Snowboard-Legende Ueli Kestenholz in einer Lawine. Wenig später wird eine Skitourengruppe in Graubünden von einer Lawine erfasst – ein Deutscher stirbt. Eine weitere Lawine fordert Mitte Januar im Wallis zwei Tote.
Vor wenigen Tagen bereits die nächste Meldung: Eine junge Skitourengängerin stirbt im Spital, nachdem sie am Schilthorn von einer Lawine erfasst wurde.
Anfang Februar wurde am Piz Alv in Pontresina GR eine slowakische Skitourengruppe wurde von einer Lawine erfasst. Ein 53-jähriger Mann kam dabei ums Leben.

Die Gefahr lauert insbesondere abseits der Pisten – nach wie vor besteht in vielen Berggebieten ein erhöhtes Lawinenrisiko.
Dass die herabstürzenden Schneemassen tödlich sein können, ist den meisten bewusst – doch was genau macht sie so gefährlich? Eine Expertin erklärt.
Gefahr wird oft unterschätzt
Eine heranrollende Lawine sieht oft aus wie eine Wolke Pulverschnee. Abzuschätzen, welche Schneemassen sich dahinter verbergen und wie schnell sie ins Tal donnern, ist für Unerfahrene nicht einfach.
Immer wieder kursieren Videos, die zeigen, wie Menschen weiterfilmen und erst spät merken, dass sie im Weg der Lawine stehen.
Dabei wäre eine schnelle Reaktion wichtig, wie Lawinenwarnerin Christine Pielmeier vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos erklärt.
Entdeckt man eine Lawine, «sollte man, wenn es noch möglich ist, sich von Mulden, Felsblöcken oder Bäumen am Hangfuss fernhalten.»
Auch Felswände unterhalb des Hangs können zur Todesfalle werden. Hat man noch Zeit, solle man sich laut Pielmeier möglichst davon entfernen.
Bewegt sich die Lawine noch, kommt man leichter an die Oberfläche
Und was tun, wenn man nicht mehr ausweichen kann?
«Dann sollte man rufen, damit alle Kameradinnen und Kameraden mitbekommen, dass man erfasst wurde. Wenn möglich, sollte man aus der Lawine herausfahren», sagt Pielmeier.
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«Wenn das nicht möglich ist, die Stöcke loslassen. Denn: In der sich noch schnell bewegenden Lawine kann man versuchen, mit einer Schwimmbewegung mit dem Kopf zur Oberfläche zu gelangen.»
Wird die Lawine langsamer, sei es wichtig, die Atemwege zu schützen: «Mütze über’s Gesicht oder Schal nach oben ziehen. Oder versuchen, mit den Unterarmen das Gesicht zu schützen, damit kein Schnee die Atemwege verstopft.»
Häufigste Todesursache ist Ersticken – auch Kollisionen sind gefährlich
Das ist besonders wichtig. Pielmeier erklärt: «Die häufigste Todesursache beim Lawinenunfall ist das Ersticken.»
Bei ganz verschütteten Personen, also wenn der Kopf unter dem Schnee liegt, sei die Überlebenschance nur 50 Prozent.
«Die Suche und Bergung des Lawinenopfers muss sehr schnell gehen. Denn die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt in den ersten 30 Minuten auf 30 Prozent.»
Lawinen können Berggängerinnen und Skifahrer aber auch in die Tiefe reissen und so tödliche Verletzungen verursachen.
Die Lawinenwarnerin sagt: «Ein Teil der Opfer stirbt durch mechanische Verletzungen durch Absturz oder Kollision mit Felsen oder Bäumen.»
Worauf man im Voraus achten sollte
Im Idealfall minimiert man das Risiko, in eine Lawine zu geraten, bereits im Voraus. Etwa, indem man bei erhöhter Lawinengefahr die Route anpasst, wie die Expertin sagt.
Sie rät zudem, «in jedem Einzelhang die Situation zu prüfen und gegebenenfalls auf steile Hänge zu verzichten».

Weitere Strategien, um unnötige Risiken zu vermeiden: «Einzelabfahrten sowie Besammlungspunkte an sicheren Inseln im Gelände.»
Lawinen fordern 22 Opfer pro Jahr
Was das Risiko von Unfällen mit Lawinen aktuell zusätzlich erhöht: «Es kann davon ausgegangen werden, dass sich mehr Personen im freien Gelände aufhalten.»
Schneebedeckte Hänge neben den Pisten zu befahren oder als Tourengänger zu erklimmen, scheint also beliebter geworden zu sein.
Auf die Zahl der Todesopfer durch Lawinenunfälle hat sich diese Entwicklung bisher allerdings nicht ausgewirkt. Laut Pielmeier liegt der Durchschnitt der letzten 20 Jahre bei 22 Opfern pro Jahr.
















