Dank App: Einkaufstouris müssen bald nicht mehr Stempeln am Zoll

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Deutschland,

Mit einer neuen App will Deutschland das Grenzshopping einfacher machen. Das verschärft die Debatte über den Einkaufstourismus in der Schweiz.

Zoll-App
Eine neue App des deutschen Zolls soll Einkaufstouristen das Leben einfacher machen. - keystone, zoll.de

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine neue Zoll-App soll Wartezeiten für Einkaufstouristen deutlich verkürzen.
  • Sie ersetzt das manuelle Stempeln von Ausfuhrbelegen an der Schweizer Grenze.
  • Bisher beschäftigte der deutsche Zoll nur für diese Aufgabe rund 200 Mitarbeitende.

Viele Schweizer Sparfüchse kennen den Vorgang: Nach dem Einkaufen in Deutschland kann beim Zoll an der Grenze der Ausfuhrschein abgestempelt werden. Danach kann man die deutsche Mehrwertsteuer beim Händler zurückfordern.

Das Prozedere funktioniert ab einem Mindesteinkauf von 50 Euro. So sparen Einkaufstouristen bis zu 19 Prozent (so hoch ist meist die Mehrwertsteuer in Deutschland).

Dabei gibt es ein Problem: Das Verfahren ist aufwendig. Es kostet Zeit, sowohl für die Einkaufenden als auch für die Zollbeamten.

Antje Bendel, Sprecherin des Hauptzollamts Lörrach, erklärt gegenüber SRF: «Wir setzen etwa 200 Beschäftigte entlang der Schweizer Grenze ein, die ausschliesslich Ausfuhrbelege stempeln.» Das zeigt, wie viel Aufwand das Abstempeln verursacht. Doch damit soll bald Schluss sein.

Der deutsche Zoll hat diesbezüglich nun eine Lösung namens «dAKZ» entwickelt. Die Abkürzung dAKZ steht für digitaler Ausfuhrkassenzettel. Dabei handelt es sich um eine App, die sich seit dem 16. Juni in der Pilotphase befindet.

So funktionierts

Beim Einkaufen in Deutschland können Einkaufstouristen den Barcode in der App vom Verkaufspersonal einscannen lassen. Dadurch wird der Kassenbeleg digital hinterlegt.

Da die App Standort-Tracking verwendet, erkennt sie, wenn der Nutzer mit der Ware den Zoll passiert. Während bisher einer der 200 extra dafür angestellten Zollbeamten den Ausfuhrbeleg abstempeln musste, erstellt die App neu automatisch einen Ausfuhrschein.

Die App weist noch Mängel auf

Einkaufstouristen in Konstanz begrüssen die Lösung. Eine Schweizerin spricht gegenüber SRF von 35 bis 40 Minuten, die sie zum Abstempeln jeweils vor dem Schalter warten musste. Diese Wartezeit könnte durch die App gänzlich wegfallen.

Wie SRF feststellt, funktioniert die App aber noch nicht immer wunschgemäss. Die Grenze konnte erst nach mehreren Versuchen überquert werden, während die App dies bemerkte.

Schweizer generieren Umsatz in Milliardenhöhe

Etwa ein Drittel aller Einkaufenden im grenznahen Gebiet in Deutschland kommen aus der Schweiz. Das sagt Uwe Böhm, Geschäftsführer der Handelskammer Hochrhein-Bodensee gegenüber dem Sender.

Die Universität St. Gallen zeigt zudem: Schweizer Einkaufstouristen generieren einen Umsatz von gut neun Milliarden Franken in grenznahen Geschäften. Alleine im süddeutschen Raum dürften es über zwei Milliarden Franken sein.

Sollte die Zollfreigrenze weiter reduziert werden?

Schon 2025 wurde die Zollfreigrenze von 300 auf 150 Franken reduziert. Heisst: Bleiben Einkäufe im Ausland unter dem Gesamtwert von 150 Franken, sind die Waren mehrwertsteuer- und zollfrei. Doch Schweizer Händler fordern bereits eine nächste Reduktion – auf 50 Franken.

So soll das Einkaufen ennet der Grenze unattraktiver werden.

Wann die neue App offiziell lanciert wird, ist noch offen. Derzeit ist sie in der Pilotphase.

Kommentare

User #5705 (nicht angemeldet)

In Deutschland Hauptsache billig. Qualität unwichtig

User #2915 (nicht angemeldet)

Mit den richtigen Apps könnte man die Freigrenze auf Null senken: es würde sich immer noch lohnen 🤷‍♂️

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