Auch Kinder und Jugendliche können durch eine Infektion mit dem Coronavirus an Long Covid erkranken. Betroffene erzählen dem SRF, wie sie darunter leiden.
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Die 13-jährige Jael von Wyl erzählt im «SRF», wie sie Long Covid beeinträchtigt. - Screenshot «SRF»

Das Wichtigste in Kürze

  • Jael von Wyl (13) leidet unter starken Kopfschmerzen seit ihrer Corona-Infektion.
  • Es wäre so, «als würde jemand mit dem Hammer gegen den Kopf schlagen», erzählt sie SRF.
  • Die Gruppe «Long Covid Kids» möchte, dass dem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, kann noch Wochen und Monate später an den Folgen leiden. Diese anhaltenden Folgen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus werden als Long Covid bezeichnet.

Davon betroffen sein können auch Kinder und Jugendliche. So erzählt etwa die 13-jährige Jael von Wyl der SRF-«Rundschau» von ihren ständigen Kopfschmerzen: «Als würde jemand die ganze Zeit mit dem Hammer gegen den Kopf schlagen.»

Darüber hinaus leidet die Jugendliche immer wieder an Bauchschmerzen, einer Entzündung der Nerven im rechten Arm, Gliederschmerzen, Erschöpfung. Dazu kommt: Jael kann immer noch nichts riechen – ebenfalls ein sehr typisches Symptom für Long Covid.

Horror für die Eltern der Betroffenen

Ein Horror auch für Mutter Judith von Wyl: «Das eigene Kind so zu sehen – die Schmerzen, das Weinen, die Müdigkeit – das macht enorm hilflos und betroffen.»

Schwierig sei vor allem auch, dass über Long Covid bei Kindern kaum gesprochen wird. «Man ist komplett alleine», so von Wyl. «Diese Kinder und Jugendlichen sind unsichtbar.»

Coronavirus: «Kinder durchseucht»

Claudia Schumm kennt dies ebenfalls. Ihr 11-jähriger Sohn leidet seit über einem Jahr an Long Covid und kann nicht mehr regulär zur Schule. Der Bub hat starke Konzentrationsschwierigkeiten, ist ständig erschöpft und leidet an Glieder- und Kopfschmerzen. Ohne Schmerzmedikamente gehe es nicht.

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Claudia Schumms 11-jähriger Sohn leidet seit einer Infektion mit dem Coronavirus an Long Covid. - Screenshot «SRF»

Schumm hat zusammen mit anderen Eltern die Selbsthilfegruppe «Long Covid Kids» gegründet. Dabei gehe es nicht nur um den Austausch mit Betroffenen, sondern auch darum, sichtbarer zu werden.

«Die Kinder hat man mehr oder weniger durchseucht», erklärt Schumm in der «Rundschau». Man habe aber keinen Plan, was man jetzt mit den Menschen mache, die an Long Covid erkrankt seien. Sie fordert bessere Anlaufstellen für betroffene Familien und ein Register für Long-Covid-Fälle bei Jugendlichen und Kindern.

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Schulkinder sind auf dem Weg in die Schule, am Freitag, 17. Dezember 2021, in Uetendorf BE.
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Eine Mutter geht mit ihrem Kind zum Corona-Testzentrum auf dem Gelände des Kinderspitals in Lausanne.
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Eine Kinder-Maske liegt auf einem Schulrucksack einer Primarschülerin, aufgenommen am Montag, 3. Januar 2022 in Zürich.
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Kinder der ersten Klasse der Grundschule von Chiasso im Klassenzimmer mit Schutzmaske.
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Schüler der städtischen Grundschulen in Chiasso machen einen freiwilligen Covid-19 Speicheltest am Montag, 29. März 2021 in Chiasso.

Noch immer ist unbekannt, wie häufig Fälle bei Kindern vorkommen. Laut Schumm könnten es hunderte bis tausende Kinder sein, die von Long Covid in irgendeiner Weise betroffen sein könnten.

«Bagatellisierung» durch «Pädiatrie Schweiz»?

Philipp Jenny, Präsident von «Pädiatrie Schweiz», sieht aber international keine Hinweise, die auf eine Long-Covid-Welle bei Kindern hindeuten würden. Bei Spätfolgen des Coronavirus seien sie schwächer betroffen als Erwachsene. Man behandle alle Krankheiten gleich.

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Philipp Jenny ist Präsident von «Pädiatrie Schweiz». - Screenshot «SRF»

Schumm sieht darin eine «Bagatellisierung», die «für uns sehr schmerzhaft ist». Jenny versichert, dass er das nicht herunterspiele. Der Kinderarzt habe selbst eine betroffene Tochter. «Aber man muss immer das Gesamtbild im Auge behalten und die Relationen sehen.»

Finden Sie, dass «Pädiatrie Schweiz» die Gefahr von Long Covid bagatellisiert?

Schumm erhofft sich nun vom Bundesrat mehr Geld für die Erforschung. Ohne Forschung werde es nämlich keine Behandlungen geben, die wirklich Hilfe bringen würden. Judith von Wyl hofft, dass Jugendliche mit Long Covid ernst genommen werden. Und: «Dass man Mitgefühl hat und sie nicht vergisst.»

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