Acht Millionen weitere Impfdosen bis Mitte Jahr: Die Prognose des Bundes stimmt optimistisch. Doch die Verimpfung der grossen Mengen ist eine Herausforderung.
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Die Bundesräte Guy Parmelin und Alain Berset an einer Pressekonferenz. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Im April sollen 1,5 Mio. Impfdosen eintreffen, im Mai und Juni insgesamt 6,5 Mio.
  • Die Kantone müssen dann etwa fünfmal soviel Impfstoff verimpfen wie bisher.

Gestern Donnerstag informierten BAG und Bundesrat über den Fortschritt der Impfkampagne gegen das Coronavirus. Dabei zeigten sich sowohl Gesundheitsminister Alain Berset als auch Impf-Koordinatorin Nora Kronig optimistisch: Bis Mitte des Jahres sollen 8 Millionen weitere Impfdosen eintreffen.

Das stellt die Kantone allerdings vor eine grosse Herausforderung: Täglich muss in den kommenden Monaten ein Vielfaches der Menge verimpft werden, die bisher verimpft wurde. Kantonsvertreter zeigen sich dennoch optimistisch.

Über 100'000 Impfungen täglich

Genauere Prognosen zu den monatlichen Lieferungen, wie sie vergangene Woche bekannt wurden, wollten weder Berset noch Kronig nennen. Nur so viel: Von den 8 Millionen Impfdosen bis Ende Juli werden 1,5 Millionen im April eintreffen. Die verbleibenden 6,5 Millionen Dosen würden sich entsprechend auf Mai bis Juli verteilen.

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Die Zahl der bisher wöchentlich verimpften Dosen (rot) und der theoretisch zu verimpfenden Dosen bis Ende Juli (blau). - BAG/Nau.ch

In den vergangenen Wochen haben die Kantone jeweils rund 150'000 Dosen der Impfstoffe gegen das Coronavirus verimpft. Anfangs limitierte häufig die Kapazität der kantonalen Impfkampagnen die Zahl der Impfungen. Zuletzt begrenzte meist die verfügbare Impfstoff-Menge den Fortschritt.

Die Zahlen machen deutlich, dass die Kantone bald deutlich mehr impfen müssen: Bewahrheiten sich die Prognosen, sind es im April bereits 350'000 Dosen wöchentlich. Im Mai und Juni müssten schweizweit jede Woche knapp 500'000 Impfungen vorgenommen werden: Das wären mehr als 70'000 täglich.

Gelingt den Kantonen das Mammut-Impfprojekt?

100'000 Impfungen pro Tag, selbst, wenn an den Wochenenden weiter geimpft wird – die Kantone stehen vor einer grossen Herausforderung. Bisher lagen die Impfungen gegen das Coronavirus im Wochenschnitt gerade einmal bei einem Fünftel dessen.

Laut dem Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsarzt-Vereinigung, ist die Verimpfung dennoch realistisch. Natürlich seien der Logistik Grenzen gesetzt, sagte Hauri gegenüber den Tamedia-Zeitungen: Die maximale Kapazität liege bei rund 150'000 Dosen täglich. Dieser Marke dürfte man am Mai und Juni sehr nahekommen.

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Rudolf Hauri ist der Kantonsarzt von Zug und Präsident der Kantonsärzte-Vereinigung. - Keystone

Wie das funktionieren soll, erklärt Lina Lanz, Mediensprecherin der Zürcher Gesundheitsdirektion: «Ab April werden elf Impfzentren aktiv sein, ab Mai werden rund 150 Apotheken in die Impfaktion integriert.» Hinzukämen rund 900 impfende Ärzte im Kanton. «Damit können pro Tag bis zu mehr als 20'000 Impfungen verabreicht werden.»

Das dürfte auch nötig sein: Sollen sämtliche 6,5 Millionen prognostizierte Dosen eintreffen, müsste der Kanton Zürich an jedem Wochentag 18'000 Dosen verimpfen. Ob das in der Praxis gelingt, wird sich ab Mai zeigen.

Wann ist Schweiz gegen Coronavirus durchgeimpft?

Bis Ende Juli sollen insgesamt 10,5 Millionen Impfdosen eingetroffen sein. Damit könnte in etwa die gesamte impfwillige Bevölkerung geimpft werden.

Nora Kronig
Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales, Bundesamt für Gesundheit BAG. - Keystone

Doch bei allem Optimismus: Dass die gesamte Schweizer Bevölkerung bis Ende Juli beide Dosen erhalten hat, ist noch nicht ganz klar. «Wir haben einen sehr ambitiösen Kalender», erklärte BAG-Impf-Koordinatorin Nora Kronig.

Alle Impfwilligen sollen aber bis Ende Juni zumindest die erste Dosis erhalten, präzisierte Virginie Masserey vom BAG. Vier Wochen später, also Ende Juli, hätten dann alle die zweite Dosis erhalten. Daneben ist die Frage, wann sich alle impfen lassen können, natürlich auch von der Impf-Bereitschaft abhängig. Dafür bestehen noch verschiedene Szenarien.

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