Wird nach der dritten bereits die vierte Impfung zum Schutz vor dem Coronavirus fällig? Experten sind skeptisch – aus guten Gründen.
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Die Schweizer sind aufgerufen, sich ein drittes Mal zum Schutz vor dem Coronavirus impfen zu lassen. Wird bald ein vierter Piks notwendig? - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der dritten Corona-Impfung wird bereits der vierte Piks diskutiert.
  • Während Israel bereits Über-60-Jährige ein viertes Mal impft, wartet man in Europa zu.
  • Auch ein Schweizer Infektiologe hält eine vierte Impfung für alle nicht für sinnvoll.

Mit dem Booster soll die Omikron-Welle des Coronavirus in Schach gehalten werden. Über 30 Prozent der Schweizer haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. In anderen Ländern wie in Israel spritzt man jedoch bereits die vierte Dosis für immunschwache Personen. Und auch in der EU wird diskutiert, ob und wann es einen weiteren Piks braucht.

Coronavirus impfung israel
Eine israelische Frau wird in einer provisorischen Einrichtung gegen das Coronavirus geimpft. - dpa

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die für die Zulassung der Impfstoffe in der EU zuständig ist, gibt sich allerdings skeptisch.

Sie warnt sogar: Regelmässige Booster alle vier Monate könnten sich negativ aufs Immunsystem auswirken und es überlasten. Dadurch könnten die Menschen nicht nur ermüdet werden, sondern auch die Immunreaktion geschwächt werden.

EMA-Impfchef Marco Cavaleri erklärte: «Die Verwendung zusätzlicher Auffrischungsimpfungen kann zwar Teil von Notfallplänen sein. Aber wiederholte Impfungen in kurzen Abständen wären keine nachhaltige Langzeitstrategie.»

Belastung für das Immunsystem

Die Ansicht teilt auch Infektiologe Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich. Auf Anfrage von Nau.ch erklärt er: «Mit jeder Impfung wird das Immunsystem stimuliert und es entsteht ein kurzfristiger Entzündungszustand, was aber genau der Sinn der Impfung sei und ja auch bei einer natürlichen Infektion geschehe.» Das könne unter anderem zu Müdigkeit führen.

Huldrych Günthard Coronavirus
Huldrych Günthard ist Leitender Arzt und Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich. Über 70-Jährigen empfiehlt er - Universitätsspital Zürich

Wird eine vierte Impfung künftig dennoch notwendig?

«Es ist immer ein Abwägen zwischen Sicherheit und Nutzen. Bei der dritten Impfung respektive dem Booster überwiegt der Nutzen klar. Bei einer vierten Impfung muss das nicht zwingend der Fall sein – gerade bei einem kurzen Zeitintervall.»

Würden Sie sich ein viertes Mal impfen lassen?

Die weitere Entwicklung der Pandemie sei dafür entscheidend, so Günthard. Es gebe zwei mögliche Szenarien: «Entweder die Pandemie entwickelt sich weiter zur Endemie, oder es treten neue problematischere Varianten auf.»

Hoffnung liegt auf endemischem Coronavirus

Derzeit hoffe man, dass sich die Situation wegen Omikron zur Endemie hin weiterentwickelt. «Durch eine Ansteckung erhalten dann auch Ungeimpfte einen partiellen Schutz gegen das Sars-Cov-2-Virus, und bei Geimpften wird die Immunantwort noch besser.»

Und weiter: «In der Allgemeinbevölkerung würde sich dann das Sars-CoV-2 Coronavirus zu einem Erkältungsvirus ohne schwere Verläufe entwickeln, in Analogie zu den schon vier zirkulierenden humanen Coronaviren, die etwa 30 bis 50 Prozent unserer jährlichen Erkältungen ausmachen.»

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Bei einem endemischen Coronavirus könnte sich Günthard vorstellen, dass nur noch Ältere und Risikogruppen ein weiteres Mal geboostert werden – nicht aber die Allgemeinbevölkerung.

Anders möglicherweise bei neuen Varianten. «Um schwere Verläufe zu verhindern, müsste man dann wieder alle impfen.» Das sei aber alles noch «Zukunftsmusik».

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