Coronavirus: Beizer warnen vor «stillem Gastro-Sterben»

    Carine Meier
    Carine Meier

    Zürich,

    Immer mehr Firmen sagen wegen des Coronavirus Anlässe ab – und nehmen den Beizen so das Weihnachtsgeschäft. Die Gastro-Branche ist darüber gar nicht glücklich.

    Coronavirus Restaurant
    Menschen essen in einem Restaurant zu Mittag. (Symbolbild) - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Wegen der steigenden Corona-Zahlen streichen grosse Unternehmen erneut ihre Team-Anlässe.
    • Das trifft die Gastro-Branche hart, auch wenn das Tagesgeschäft zurzeit gut läuft.
    • Gastro-Verbände fordern erneut eine Diskussion über Unterstützungsgelder.

    Weil die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder ansteigt, sagen immer mehr Unternehmen ihre Weihnachtsanlässe ab. Das trifft vor allem die Gastro- und Eventbranche, für die das Weihnachtsgeschäft teils enorm wichtig ist.

    «Die neue Virusvariante und die weiteren Verschärfungen haben die Bevölkerung verunsichert. Daher haben die Stornierungen von Anlässen in den letzten Tagen nochmals deutlich zugenommen», bestätigt der Branchenverband Gastrosuisse auf Anfrage.

    Plant Ihr Arbeitgeber ein Weihnachtsessen?

    Ganz so schlimm wie 2020 ist die Lage jedoch aktuell noch nicht. Vor einem Jahr mussten Restaurants zu dieser Zeit nämlich die Innenbereiche komplett schliessen. Jetzt ist die Situation dank neuen Massnahmen, wie etwa der 2G-Option, anders.

    «Absage-Flut» bei Firmenanlässen

    Trotzdem leiden die Betriebe. «Leider gab es bereits eine Absage-Flut von Gruppen und Banketten», bestätigt Tobias Burkhalter, Präsident von Gastro Bern. Er bedauert vor allem, dass dabei einige grosse, teils staatliche Betriebe eine Vorreiterrolle gespielt hätten. Es brauche keine Panikmache, die sich auf die Buchungen auswirke, so Burkhalter.

    «Viele grosse Anlässe wurden abgesagt», bestätigt auch Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich. Einen Lichtblick gäbe es jedoch. «Die Restaurants sind zumindest am Wochenende mit mehreren kleineren Reservationen trotzdem gut besetzt.»

    Weihnachtsessen Coronavirus
    Weihnachtsessen mit dem Geschäft sind in diesem Jahr wieder möglich – viele Unternehmen sagen diese jetzt wegen Corona dennoch ab. - reformierte Kirche Gränichen

    Man hoffe immer noch darauf, dass dennoch Firmenessen stattfinden werden, einfach in kleineren Grüppchen, so Pfäffli. Wie bei allen Massnahmen seien die Restaurants aber natürlich unterschiedlich stark betroffen. Für einige seien Grossanlässe in der Weihnachtszeit enorm wichtig, für andere eher «die Konfi auf dem Butterbrot», erklärt der Zürcher.

    Gastro-Betriebe wegen Corona auf Unterstützung angewiesen

    Dennoch ist etwa Tobias Burkhalter von Gastro Bern überzeugt: Damit die Betriebe den daraus entstandenen Umsatzausfall überleben können, müsse «unbedingt wieder über Unterstützungsgelder diskutiert werden.»

    Dieser Meinung ist auch Thomas Tellenbach, Geschäftsstellen-Leiter von Gastro Luzern: «Die Branche steht hinter vielen Massnahmen und hat sich seit Beginn der Pandemie stark bemüht, aktiv mitzuarbeiten. Daher ist es nicht zu viel verlangt, für entstandene Schäden Forderungen zu platzieren.»

    Wie Burkhalter macht auch Tellenbach teilweise den Kanton und die grossen Firmen für die Misere verantwortlich, nicht das Coronavirus. Ersterer habe nämlich den Unternehmen die «Anlässe ausgeredet». Dennoch stellt auch er fest, dass das Tagesgeschäft zumindest am Wochenende weiterhin gut läuft.

    «Stilles Sterben» der Restaurants wegen Corona

    Tellenbach warnt aber auch, dass Gastrobetriebe oft ohne grosses Aufsehen zu erregen Konkurs gehen. «Es ist häufig ein ‹stilles Sterben›, welches die Öffentlichkeit nicht oder nur am Rande wahrnimmt», sagt er.

    Das beobachtet auch der Branchenverband Gastrosuisse: «Viele Betriebe sehen sich in ihrer Existenz bedroht und befürchten, dass sie ihren Mitarbeitenden den Lohn nicht mehr bezahlen können.» Es sei daher entscheidend, «dass der Bundesrat jetzt rasch reagiert und die akute Notlage der Unternehmen nicht länger vernachlässigt.»

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