Bussen-Druck und Rassismus: Beamte verlassen Kantonspolizei Jura

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Delémont,

Die Kantonspolizei Jura kämpft mit einer Abgangswelle. Beamte fühlen sich beim Bussenverteilen unter Druck gesetzt. Auch gibt es Vorwürfe wegen Rassismus.

Polizei
Den Vorwürfen von Korpsmitgliedern zufolge müssen die Polizisten möglichst viele Bussen einbringen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als jeder zehnte Beamte hat das Korps der Kantonspolizei Jura verlassen.
  • Sie würden gerügt, brächten sie nicht genug Bussen ein, kritisieren Korpsmitglieder.
  • In einer Whatsapp-Gruppe sollen zudem rassistische Äusserungen gefallen sein.

Der Kantonspolizei Jura laufen die Mitarbeitenden davon. Mehr als jeder zehnte Beamte hat in den letzten zwei Jahren das Korps verlassen. Dies berichtet «RTS».

2024 haben sechs Beamte dem Korps den Rücken gekehrt, 2025 waren es bereits 15. Total zählt das Korps 180 Polizisten.

Gemäss anonymen Aussagen mehrerer Korpsmitglieder setzen ihre Vorgesetzten sie unter Druck. Grund dafür ist die interne Bussenpolitik.

Polizisten, die nicht genug Bussen einbringen, werden demnach angeblich zu ihrem Vorgesetzten eingeladen und bekommen eine Rüge. Zwischen den Beamten würden Vergleiche gemacht, zitiert der Fernsehsender einen Polizisten.

«Einen N**** vornehmen»

In einer früheren Whatsapp-Gruppe sollen zudem rassistische Äusserungen gefallen sein. Ein Polizist bezeichnet den Inhalt der Nachrichten als «beunruhigend». Man solle sich einen «N****, einen Jugoslawen oder einen Türken vornehmen», habe es dort geheissen.

Vertraust du der Polizei?

Damien Rérat, Kommandant der Kantonspolizei, nahm auf Anfrage keine Stellung. Der Jurassische SP-Regierungsrat und Justizvorsteher Valentin Zuber ist seit drei Monaten im Amt.

Eine Kontrolle der Abläufe auf der unteren Führungsebene vor Ort sei nicht möglich, sagt er. Jedoch habe weder der Stab noch die politische Behörde jemals Erwartungen und bezifferte Vorgaben gemacht.

Die rassistischen Whatsapp-Nachrichten bezeichnet Zuber als «schwerwiegend, falls sie sich bewahrheiten». Ohne Beweise könne er den Fall aber nicht weiter kommentieren.

Mit Untersuchung beauftragt

Noch im Februar teilte die Polizei-Gewerkschaft im Kanton Jura mit, dass die Kündigungswelle im Korps «Symptom eines tiefen Unbehagens» sei. Nun will sie sich laut «RTS» trotz wiederholter Anfragen nicht mehr öffentlich äussern.

Die Regierung hat indes beschlossen, einen externen Experten mit einer Untersuchung zu beauftragen.

Die Kantonspolizei Jura ist nicht die einzige Polizei, die in der Kritik steht. Im August wurde publik, dass Lausanner Polizisten in Whatsapp-Gruppen rassistische, sexistische, antisemitische und diskriminierende Nachrichten ausgetauscht hatten. Die Stadt suspendierte darauf mehrere Beamte.

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