Bund muss erneut seine Kerosin-Pflichtlager anzapfen
Der Schweiz fehlt erneut Kerosin. Der Bund gibt weitere Pflichtlager frei, um die Flughäfen Zürich und Genf zu versorgen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Bund bewilligt die Freigabe von bis zu 50'000 Kubikmetern Kerosin.
- Raffinerieprobleme und unterbrochene Bahntransporte erschweren den Nachschub.
- Für Benzin und Heizöl müssen vorerst keine Pflichtlager angezapft werden.
Die Flughäfen Zürich und Genf brauchen erneut Kerosin aus den Schweizer Pflichtlagern. Dabei ist die Nachfrage im November vergleichsweise gering. Trotzdem reicht der reguläre Nachschub derzeit nicht aus.
Der Bund bewilligt deshalb die Freigabe von bis zu 50'000 Kubikmetern Flugpetrol. Das teilt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) am Dienstagnachmittag mit. Die Regelung gilt bis zum 29. November.
Damit werden die Kerosinreserven bereits zum zweiten Mal innert weniger Wochen angezapft. Im Oktober wurden den Pflichtlagern schon 30'000 Kubikmeter entnommen. Zusammen könnten die beiden Freigaben laut BWL 17,4 Prozent der gesamten Pflichtlagerbestände beanspruchen.
Probleme in Raffinerien und auf der Schiene
Hinter dem Engpass stecken Produktionsprobleme in Raffinerien in Südfrankreich und Deutschland. Hinzu kommen Unterbrechungen im Bahnverkehr, die den Transport zusätzlich erschweren.
Die Versorgung mit Mineralölprodukten ist allerdings schon seit Monaten angespannt. Insbesondere die stark eingeschränkte Rheinschifffahrt behindert den Treibstoffnachschub.
Die Ausweichmöglichkeiten sind inzwischen ebenfalls überlastet: Sowohl auf der Schiene als auch auf der Strasse stossen die Transporte an Grenzen. Weitere Verzögerungen oder Ausfälle schlagen deshalb unmittelbar auf die Versorgung durch.
Vierte Notmassnahme seit September
Die jüngste Freigabe hat Roland Pfister angeordnet, der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung. Er darf bis zu einem Fünftel der Pflichtlagerreserven eigenständig freigeben. Darüber hinaus müsste das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) entscheiden.
Seit September greift der Bund damit bereits zum vierten Mal zu einer Notmassnahme. Auch beim Dieselöl werden derzeit Pflichtlager genutzt. Diese Freigabe läuft noch bis zum 22. November.
Bei Benzin und Heizöl bleibt die Versorgung laut BWL vorerst gesichert. Die Lage ist aber auch dort angespannt. Die Branche versuche «mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln», weitere Massnahmen zu verhindern.











