Werden bald Pflichtlager für Benzin und Heizöl angezapft?
Die Versorgungslage ist angespannt. Es stehen Pflichtlager-Bezüge für Benzin und Heizöl zur Debatte. Der Bund ist vorbereitet.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut dem Chef des Schweizer Erdölhändlers Ecsa werden Pflichtlager-Bezüge für Benzin und Heizöl diskutiert.
- Der Bund bestätigt eine angespannte Versorgungslage wegen logistischer Probleme.
- Bezüge aus den Pflichtlagern für Flugpetrol und Diesel sind bereits bewilligt.
Muss die Schweiz bald auch ihre Pflichtlager für Benzin und Heizöl anzapfen?
Laut Boris Martinoni wird bereits darüber diskutiert. Der CEO des Schweizer Energieunternehmens Ecsa Energy bezeichnet die Versorgungslage in einem Artikel von «Ticino News» als «sehr angespannt».

Für Kerosin und Diesel sind bekanntlich bereits Pflichtlagerbestände freigegeben worden. Nun wird gemäss Martinoni auch über entsprechende Schritte bei Heizöl und Benzin gesprochen.
Die Lage werde inzwischen häufiger beurteilt, erklärt Martinoni. Die Spitzentreffen fänden mittlerweile alle zwei Wochen oder sogar wöchentlich statt.
Bund bestätigt angespannte Lage
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bestätigt auf Anfrage von Nau.ch: Die Versorgungslage ist angespannt. Als Grund nennt es die logistischen Herausforderungen in Europa, insbesondere das Rheinniedrigwasser.
Eine bevorstehende Freigabe von Benzin- oder Heizölpflichtlagern bestätigt das Amt in seiner Antwort nicht ausdrücklich. Es betont aber, dass Massnahmen vorbereitet seien und bei Bedarf rasch eingesetzt werden könnten.
«Wir sind auf diverse Szenarien vorbereitet, machen aber keine Prognosen, wie sich die Versorgung entwickeln könnte», schreibt das BWL.
Der Fachbereich Energie beobachte die Versorgungslage sehr eng. Ihm gehören auch Fachleute aus den jeweiligen Branchen an. So könnten nötige Schritte frühzeitig eingeleitet werden.
Andere Transportwege kommen an ihre Grenzen
Das Niedrigwasser auf dem Rhein erschwert die Einfuhr wichtiger Güter. Schiffe können laut Bund nur noch stark reduziert beladen werden oder teilweise gar nicht mehr verkehren.
Ein Teil der fehlenden Transportkapazitäten lässt sich über die Schiene, die Strasse oder Pipelines auffangen. Doch auch diese Alternativen stehen unter Druck.

«Die anderen Verkehrsträger sind in dieser Situation noch mehr nachgefragt und kommen an ihre Grenzen», erklärt das Bundesamt. Zusätzliche Verzögerungen oder Ausfälle könnten deshalb rasch zu Versorgungsengpässen führen.
Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten hätten hingegen derzeit keine direkten Auswirkungen auf die Warenverfügbarkeit in der Schweiz.
Reserven für Diesel und Flugpetrol bereits angezapft
Bei einzelnen Produkten hat der Bund bereits reagiert. Gemäss seiner Übersicht zur Versorgungslage sind Pflichtlager-Bezüge von bis zu 6,5 Prozent bei Flugpetrol bewilligt. Bei Dieselöl sind es bis zu vier Prozent.
Weitere temporäre Unterschreitungen der vorgeschriebenen Bedarfsdeckung seien vorbereitet, schreibt das BWL. Solche Schritte waren bereits diesen Herbst nötig.
Sie könnten im Bedarfsfall schnell eingesetzt werden. «Diese stellen die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft sicher», hält das Amt fest.











