Böllern erlaubt, nebenan verboten: Am Zürichsee herrscht Wirrwarr
Am rechten Zürichseeufer zeigt sich der Feuerwerk-Flickenteppich: In einigen Gemeinden ist Böllern erlaubt, in anderen verboten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz stimmt im November über eine Feuerwerks-Initiative ab.
- Am rechten Zürichseeufer gelten schon heute verschiedene Regeln.
- Oetwil verbietet Böller, Stäfa prüft ein Verbot.
- Männedorf und Meilen setzen weiter auf Eigenverantwortung.
Für die einen gehört es zum 1. August wie die Cervelat auf den Grill. Für andere ist es einfach nur Lärm, Stress und Gestank.
Kaum ein Sommer-Thema spaltet so zuverlässig wie Feuerwerk.
Nun kommt die Debatte auf nationaler Ebene vors Volk. Am 29. November 2026 entscheidet die Schweiz über die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk».
Sie will den Verkauf und die private Verwendung von lärmerzeugenden Feuerwerkskörpern verbieten. Geschützt werden sollen Menschen, Tiere und Umwelt.

Ein zentrales Argument der Gegner: Städte und Gemeinden können Feuerwerk schon heute einschränken.
Am Beispiel vom rechten Zürichseeufer zeigt sich allerdings, was diese lokale Lösung in der Praxis bedeutet. Zwischen Zürich und Rapperswil-Jona SG liegen im Bezirk Meilen mehrere Gemeinden dicht nebeneinander.
Oetwil am See ZH liegt oberhalb des Sees, Stäfa ZH, Männedorf ZH, Uetikon am See ZH und Meilen ZH liegen beim Seeufer.
Teilweise trennt sie nur die Gemeindegrenze. Trotzdem gelten auf wenigen Kilometern unterschiedliche Feuerwerksregeln.
Flickenteppich am Zürichsee
In Oetwil am See ist lärmendes Feuerwerk bereits verboten. Sogar auf privatem Grund.
Gleich nebenan in Stäfa soll ein Verbot erst noch ausgearbeitet werden. Die Gemeindeversammlung hat am 15. Juni eine Initiative für ein kommunales Feuerwerksverbot erheblich erklärt.
Das klingt nach Verbot, ist aber noch keines. Der Gemeinderat muss zuerst eine konkrete Vorlage ausarbeiten. Darüber dürfte voraussichtlich Ende 2027 erneut abgestimmt werden.

In Männedorf bleibt man dagegen beim bisherigen Kurs. Neue Verbote sind derzeit kein Thema.
Die Gemeinde setzt auf Eigenverantwortung und Rücksichtnahme. Doch genau hier beginnt das Problem: Was passiert, wenn Böller in einer Gemeinde verboten sind – und gleich nebenan weiterhin erlaubt?
Männedorf: «Wir rechnen nicht mit Verlagerung»
«Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen wir nicht mit einer signifikanten Verlagerung nach Männedorf», schreibt die Gemeinde auf Anfrage von Nau.ch. Die Erfahrung zeige, dass die meisten Personen den Nationalfeiertag wohnortsnah feierten. Konkrete Hinweise auf gezielte Ausweichbewegungen gebe es nicht.
Ganz genau weiss man es aber nicht. Auswärtige Personen oder Fahrzeuge im Zusammenhang mit Feuerwerk werden nicht systematisch erfasst.

Auch bei Beschwerden verweist Männedorf auf die Polizei. Eine eigene Datenbank dazu führt die Gemeinde nicht.
Zusätzliche Kontrollen sind für den kommenden 1. August nicht geplant. Die Einsatzkräfte seien wie üblich präsent und reagieren bei Bedarf.
Verbote bringen nicht automatisch Ruhe
Auch Gemeinden mit Verbot liefern keine einfache Antwort.
Oetwil am See zieht zwar eine vorsichtig positive Bilanz. Die bisherigen Erfahrungen seien «grundsätzlich positiv», schreibt die Gemeinde auf Anfrage von Nau.ch.
Allerdings kam das Verbot erst am vergangenen Silvester erstmals zur Anwendung. Ein 1. August unter der neuen Regel steht noch aus.
Eine Abnahme der Beschwerden stellt Oetwil bisher nicht fest. Hinweise darauf, dass Leute zum Böllern nach Männedorf, Uetikon am See oder in andere Nachbargemeinden ausweichen, gebe es ebenfalls keine.
Mehr Erfahrung hat Hombrechtikon ZH. Dort ist lärmendes Feuerwerk seit November 2024 verboten.
Die Akzeptanz in der Bevölkerung «scheint hoch zu sein», schreibt die Gemeinde. Ganz verschwunden sind die Böller aber nicht.
An Silvester und am 1. August gingen jeweils zwischen einer und fünf Meldungen aus der Bevölkerung ein. «Die einzelnen Verstösse werden jedoch wahrgenommen und als störend empfunden.»
Im Auftrag der Gemeinde patrouilliert an den Feiertagen eine private Sicherheitsfirma. Trotzdem bleibt die Durchsetzung schwierig. Bei einzelnen Verstössen lasse sich oft nicht mehr ermitteln, wer verantwortlich war.
Spürbare Verbesserungen sieht Hombrechtikon dagegen bei den Folgen. «Die Abfallmenge und Schäden haben sich reduziert», schreibt die Gemeinde.
Hinweise darauf, dass Personen zum Abbrennen von Feuerwerk in andere Gemeinden ausweichen, hat aber auch Hombrechtikon nicht.
Auch ohne Verbot wird weniger geböllert
Dass es nicht zwingend ein Verbot braucht, um Feuerwerk einzudämmen, zeigt Meilen.
Dort lehnte die Gemeindeversammlung Ende 2023 eine Initiative gegen lautes Feuerwerk ab. Der Gemeinderat hält bis heute an dieser Haltung fest.
Trotzdem sieht auch Meilen das Problem der unterschiedlichen Regeln. Eine Lösung auf übergeordneter Ebene sei «zielführender als unterschiedliche kommunale Einzelregelungen», schreibt Gemeindeschreiber Didier Mayenzet auf Anfrage von Nau.ch.

Diese würde zu «mehr Klarheit, Gleichbehandlung und einer besseren Vollziehbarkeit» beitragen.
Mit Feuerwerkstourismus rechnet Meilen nicht. Hinweise darauf gebe es keine. In den letzten Jahren sei sogar «merklich weniger privates Feuerwerk gezündet» worden, «erfreulicherweise vor allem auch weniger Böller».
Beschwerden, Polizeimeldungen, Feuerwehreinsätze oder Schäden seien der Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren keine bekannt.
Niemand misst, was die Verbote bringen
Genau diese Übersicht fehlt heute.
Die Kantonspolizei Zürich führt keine kantonale Übersicht zu Feuerwerksverstössen, sagt Mediensprecherin Carmen Surber auf Anfrage von Nau.ch.
Eine Auswertung nach einzelnen Gemeinden gibt es demnach nicht.
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Auch die Bussenhöhe ist nicht einheitlich geregelt. Die Höhe der angedrohten Bussen bestimmten die Gemeinden in ihrem Ordnungsbussenkatalog. Gibt es keinen solchen Katalog, werden Übertretungen an das Statthalteramt verzeigt. Dieses entscheidet über die Höhe der Busse.
Probleme bei der Einhaltung von Feuerwerksverboten seien der Kantonspolizei von den Gemeinden bisher nicht gemeldet worden.
Heisst: Der grosse Feuerwerkstourismus ist bisher nicht belegt. Sauber messen kann ihn aber auch niemand.















