Baumärkte warnen jetzt vor Schaumstoff – Kritik
Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana warnen Baumärkte deutlicher vor entflammbaren Produkten. Das Vorgehen erntet nicht nur Lob.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine brennende Schallschutzmatte soll die Walliser Brandkatastrophe ausgelöst haben.
- Baumärkte reagieren mit Sofortmassnahmen.
- Laut einem Wirtschaftspsychologen sollen Anbieter es mit Warnhinweisen nicht übertreiben.
Schallschutzmatten aus Schaumstoff haben tragische Berühmtheit erlangt. Eine solche Matte an der Decke soll die Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» wegen Wunderkerzen ausgelöst haben.
Bei der Tragödie sind 40 Menschen ums Leben gekommen und über 100 verletzt worden.
Das hat auch in Baumärkten Folgen: Sie versehen jetzt die berüchtigten Matten neu mit speziellen Warnhinweisen.
Jumbo habe interne Überprüfung eingeleitet
Die Baumarktkette Jumbo bietet Akustikschaum in Noppen- und Pyramidenform an.
«Material leicht entflammbar», warnt ein Schild im Regal. «Halte offene Flammen, Zigaretten oder andere Hitzequellen fern, um Brände zu vermeiden.»
Auch bei anderen Produkten aus Schaumstoff hängt der Warnhinweis.
Im Zuge des Ereignisses in Crans-Montana habe Jumbo umgehend eine interne Überprüfung der Produktinformationen und Kennzeichnungen eingeleitet. Dies teilt die Medienstelle auf Anfrage mit. Als erste Sofortmassnahme hätten sie die Gefahrenhinweise ausgebaut.
«Deklaration verbessert»
Auch der Grossbaumarkt Bauhaus hat Anpassungen vorgenommen, wie Mediensprecherin Céline Meichtry mitteilt.
Sie hätten bei den verschiedenen Produkten wie Schallisolationsprodukten entsprechende Sicherheitshinweise in Form von Produktdaten oder Gefahrenblättern kommuniziert. Dies sei insbesondere im Webshop und bereits vor der Brandkatastrophe der Fall gewesen.
«Infolge des Unglücks hat Bauhaus Schweiz die Deklaration im Webshop und am Verkaufspunkt überprüft», sagt Meichtry. «Und bei ausgewählten Produkten verbessert.» Zusätzlich hätten sie die Mitarbeitenden in den Fachzentren sensibilisiert, solche Hinweise in Beratungen verstärkt zu berücksichtigen.
«Ganz wichtiger Punkt»
Auch der Baumarkt Hornbach hat entsprechende Hinweise angebracht, wie ein Reporter des italienischen TV-Senders «Rai» demonstriert.
«Die Berichterstattung zu den möglichen Ursachen des Brandes haben wir aufmerksam verfolgt. Auch das Thema Akustikschaum», sagt Hornbach-Mediensprecher Reto Kaspar.
Sie stünden diesbezüglich im engen Austausch mit den Herstellern. «Welche die Hinweise an ihren Produkten sowie deren Auszeichnung entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ausführen.»
Kaspar verweist auf einen «ganz wichtigen Punkt». Wer etwas ein- oder umbauen möchte, müsse prüfen, ob das Material für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sei.
«Pflaster auf die Wunde»
Die Warnhinweise ernten aber nicht nur Lob.
«Das erscheint auf den ersten Blick sinnvoll!», schreibt ein User auf der Plattform LinkedIn. «Aber es ist ein Pflaster auf die Wunde, statt Prävention.»
Der Umkehrschluss funktioniere nicht, schreibt der User.
«Nicht alle Waren ohne Hinweis sind jetzt einfach ungefährlich!» Für sinnvoll hält der User, auf das Handwerk und ihre Experten zu verweisen.
Selber bauen respektive renovieren sei in Ordnung. «Mit Unterstützung von Fachleuten.»

Do-it-yourself habe seine Grenzen, so der Kritiker. «Nur weil ich im Baumarkt Kabel und Schalter etc. kaufen kann, bin ich noch lange kein Elektriker.»
Ein weiterer User findet: «Solche Produkte sollten gar nicht in den Handel kommen dürfen.» Sprengstoff dürfe man auch nicht einfach verkaufen.
«Ausdruck von Respekt»
Wirtschaftspsychologe Christian Fichter kann die Warnhinweise nachvollziehen.
Ein Produkt, das die Baumärkte im Sortiment hätten, habe eine Tragödie ausgelöst, sagt er zu Nau.ch. Die Anbieter wollten sich schadensfrei halten. «Es war daher zu erwarten, dass Baumärkte die Schallschutzmatten entweder zurückziehen oder markieren.»

Das Vorgehen könne scheinheilig wirken, da auch von anderen, weniger prominent markierten Produkten Gefahren ausgingen, sagt Fichter. «In diesem Fall sehe ich die Warnhinweise aber auch als Ausdruck von Respekt gegenüber der Kundschaft.»
«Einen halben Krieg führen»
Die USA sind bekannt für teilweise absurde Warnhinweise. Dies, wenn etwa ein Bügeleisenhersteller davor warnt, Kleidung «nicht am Körper zu bügeln».
«Auch nach dem tragischen Ereignis in Crans-Montana sollten Anbieter es mit Warnhinweisen nicht übertreiben», sagt Christian Fichter. Ansonsten drohten hanebüchene Hinweise.
In Baumärkten könnten die Kundinnen und Kunden von Holz über Steine bis zu Chemikalien allerlei Produkte kaufen, sagt Fichter. «Mit dem Material könnte man einen halben Krieg führen, bedenkt man, was damit alles schiefgehen kann.» Den Konsumentinnen und Konsumenten sei aber auch noch ein Stück Selbstverantwortung zuzutrauen.













